Kategorie:Südlande

Die Südlande umfassen den größten Teil der südlichen Landmasse Ganthors. Ihre Herrscher beanspruchen weite Gebiete, doch nur ein kleiner Teil davon ist dauerhaft besiedelt oder landwirtschaftlich nutzbar. Die glühend heiße Faora, der nahezu undurchdringliche Dschungel und das schwer zugängliche Bergland setzen der Ausbreitung der Menschen enge Grenzen. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung lebt deshalb in vier Stadtstaaten und deren Umland.
Brandal, Uria und Amal liegen im Osten nahe den Ausläufern des Großen Rückens. Wasser aus dem Gebirge wird durch Flüsse, Aquädukte und weit verzweigte Kanäle in die Städte und auf die umliegenden Felder geleitet. So entstanden inmitten des trockenen Landes große, dicht besiedelte Kulturräume. Weit im Westen liegt mit Radgar die vierte große Stadt. Ihr Hafen verbindet die Südlande mit den Seewegen Ganthors.
Die vier Stadtstaaten bilden kein gemeinsames Reich. Jeder von ihnen besitzt eigene Herrscher, Gesetze und Interessen. In der Allianz von Uria haben sie sich jedoch zur gegenseitigen Verteidigung verpflichtet und gemeinsame Regeln für besonders schwere Verbrechen sowie für die Verteilung des knappen Wassers geschaffen. Die Zugehörigkeit zu einem Stadtstaat prägt daher das Leben der meisten Südländer, zugleich verstehen sich die Bewohner gegenüber Fremden als Angehörige eines gemeinsamen Kulturraums.
Landschaft und Klima

Die Südlande werden von gewaltigen subtropischen Westwinden geprägt. An der westlichen Küste bringen sie große Niederschlagsmengen, während das Landesinnere im Regenschatten der Gebirge zunehmend trockener wird. Auf engem Raum liegen deshalb tropischer Regenwald, karge Küsten, Gebirge, bewässertes Ackerland und eine der lebensfeindlichsten Wüsten Ganthors nebeneinander.
Die Wüste Faora
Mehr als zwei Drittel der Südlande werden von der Faora eingenommen. Silbrig glänzender Sand, wandernde Dünen, steinige Ebenen und bizarr geformte Sandsteinfelsen bestimmen ihr Bild. Im Inneren der Wüste sind Wasser und Nahrung nahezu nicht vorhanden. Selbst nachts lässt die Hitze nur wenig nach, und schwere Sandstürme können ganze Karawanen verschlingen.
Nach den Überlieferungen entstand die Faora in der Zeit des Meteoriteneinschlags. Ein unbekannter Metallstaub soll dem Land das Wasser entzogen und die einst fruchtbare Landschaft vergiftet haben. Bis heute führen Gelehrte die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit der Wüste auf diesen Stoff zurück.
In der Faora leben die Wüstlinge. Ihre Stämme kennen verborgene Wasserstellen, Salzseen und sichere Zufluchtsorte in den Sandsteinhöhlen. Seit etwa 150 Jahren treiben sie Handel mit den Stadtbewohnern und bringen vor allem Salz nach Gilgardor.
Der westliche Dschungel
Im feuchten Westen erstreckt sich ein riesiger Dschungel. Gewaltige Urwaldbäume, dichtes Unterholz und mehrere übereinanderliegende Vegetationsschichten machen ihn für Ortsfremde fast unpassierbar. Giftige Insekten, Raubkatzen, Großechsen und fleischfressende Pflanzen gehören zu seinen Gefahren.
Der Dschungel ist keineswegs unbewohnt. Die Wonar, von den Südländern meist Waldmenschen genannt, leben dort in kleinen, voneinander unabhängigen Stämmen. An Flüssen und Seen befinden sich außerdem verborgene Siedlungen der Echsenmenschen. Entlang der südlichen Küste versucht Amal, Kolonien zu gründen und Holz sowie andere Rohstoffe zu gewinnen. Viele dieser Siedlungen bleiben klein; manche verschwinden nach kurzer Zeit spurlos im Wald.
Der Große Rücken und das bewässerte Kulturland
Am östlichen Rand der Faora gehen die trockenen Ebenen in die Täler und Ausläufer des Großen Rückens über. Hier liegen Brandal, Uria und Amal wie grüne Inseln im Wüstensand. Quellen und Flüsse aus dem Gebirge speisen Aquädukte, Speicherbecken und Bewässerungskanäle. Um die Städte erstrecken sich Felder, Gärten, Weinberge und Plantagen.
Die Wasserversorgung ist die Lebensgrundlage der östlichen Stadtstaaten. Wer die Zuflüsse, Schleusen und Kanäle kontrolliert, besitzt großen politischen Einfluss. Streit um das Wasser führte in der Vergangenheit beinahe zum Krieg zwischen Brandal und Uria. Seit der Gründung der Allianz entscheidet der Orden des Jedek über die Verteilung umstrittener Vorkommen.
Küsten und Inseln
Die Küsten sind nur stellenweise besiedelt. Im Nordwesten der Faora liegen kleine Fischerdörfer auf kargem Land, während die bewaldeten Ausläufer des Drachenkopfgebirges Radgar Schutz und einen tiefen Hafen bieten. Im Südosten liegt Amal in einem geschützten Tal am Meer.
Vor der südlichen Küste erstrecken sich die Weißmondinseln. Die vulkanisch entstandene Inselwelt ist von tropischem Klima, Korallenriffen und jahreszeitlichen Stürmen geprägt. Viele größere Inseln gehören zu den Kolonien Amals und versorgen die Stadt mit Nahrung und Rohstoffen. Zahlreiche kleinere Inseln sind dagegen kaum erforscht.
Bevölkerung und Lebensweise
Mehr als vier Fünftel der Bevölkerung leben in den vier Stadtstaaten oder in ihrem unmittelbar bewässerten Umland. Außerhalb dieser Zentren finden sich vor allem kleinere Dörfer an den Küsten und am Großen Rücken, Karawanenstationen, Kolonien sowie die Siedlungen der Wüstlinge und Wonar. Große Teile der Faora und des Dschungels stehen nur dem Anspruch nach unter der Herrschaft der Städte.
Die Südländer sind überwiegend schlank gebaut und haben meist dunkle Haut, dunkle Haare und Augen. Weite, luftige Gewänder in hellen Farben schützen vor der Hitze. Wohlhabende Bürger tragen kostbare Stoffe, Seide und aufwendige Stickereien. Alte Familienerbstücke, darunter Schmuck und verzierte Waffen, gelten häufig als sichtbares Zeichen von Herkunft und Ansehen.
Das Leben unterscheidet sich von Stadt zu Stadt erheblich. In Uria bildet sich der gesellschaftliche Rang bereits in der Lage der Wohnviertel und im Zugang zu sauberem Wasser ab. Radgar ist vom Hafen, von Handel und Seefahrt geprägt, während in Amal Priester, Gelehrte und Handwerker das öffentliche Leben bestimmen. Brandal ist ein bedeutendes politisches und magisches Zentrum des Nordens.
Allen großen Städten gemeinsam sind ausgeprägte soziale Gegensätze. Arbeiter und Handwerker leben meist in einfachen, flachen Lehmhäusern, während reiche Händler, Priester und alte Familien abgeschlossene Viertel und palastartige Anlagen bewohnen. Zugleich genießen Theater, Musik, Feste und andere öffentliche Darbietungen auch bei der einfachen Bevölkerung hohes Ansehen.
Die Allianz von Uria
Die Südlande bilden kein einheitlich regiertes Reich. Brandal, Uria, Amal und Radgar sind selbstständige Staaten mit eigener Herrschaft, eigenen Gesetzen und eigenen wirtschaftlichen Interessen. Offene Kriege, Fehden und Streitigkeiten prägten lange Zeit ihr Verhältnis.
Nach einem Angriff des Mittelreichs und schweren Auseinandersetzungen um die Wasserversorgung wurde die Allianz von Uria gegründet. Gilgardor gehört ihr nicht an, da die Handelsstadt nicht als eigener Staat betrachtet wird.
Die Allianz beruht auf sechs bis heute gültigen Grundsätzen:
- Jeder Stadtstaat bleibt ein eigenständiger Staat.
- Ein Angriff auf das Gebiet eines Mitglieds gilt als Angriff auf alle Mitglieder.
- Die Mitglieder dürfen keinen Krieg gegeneinander führen.
- Für Kapitalverbrechen gelten gemeinsame Gesetze; die übrige Rechtsprechung bleibt Sache der einzelnen Staaten.
- Umstrittene Wasservorkommen im Großen Rücken werden nach dem Urteil des Jedek-Ordens verteilt.
- Verletzt ein Herrscher die Grundsätze der Allianz, kann ihn der Jedek-Orden absetzen und die übrigen Mitglieder zum Eingreifen verpflichten.
Der Bund hat offene Kriege weitgehend verhindert, nicht jedoch die Konkurrenz zwischen den Städten beendet. Adelsfehden, Sabotage, Spionage, Auftragsmorde und wirtschaftlicher Druck haben vielerorts die früheren Feldzüge ersetzt.
Verhältnis zum Mittelreich
Die Stadtstaaten standen einst zumindest dem Anspruch nach unter der Herrschaft des mittelländischen Kaisers. Als ihr Wohlstand wuchs und Kaiser Samon VII. Zölle und Abgaben verlangte, verweigerten die Städte die Zahlung. Nach Blockaden und einem gescheiterten Feldzug erklärten sie ihre Unabhängigkeit.
Zum Schutz der Nordgrenze ließen die Stadtstaaten von Zwergen die Große Mauer errichten. Das Bauwerk wurde nie vollendet, bildet aber bis heute eine gewaltige Grenzbefestigung. Das Verhältnis zum Mittelreich bleibt angespannt. Einige Grenzfürsten dulden oder fördern den Handel, andere halten die Übergänge geschlossen. Seit der Unabhängigkeit kam es mehrfach zu militärischen Vorstößen, Belagerungen und geheimen Unternehmungen beider Seiten.
Wirtschaft und Handel
Die Wirtschaft der östlichen Stadtstaaten beruht auf künstlicher Bewässerung. Felder, Obstgärten, Reisterrassen, Weinberge und Plantagen versorgen die Städte, reichen jedoch nicht überall aus, um deren Bevölkerung zu ernähren. Besonders Amal ist auf Lieferungen aus seinen Kolonien angewiesen.
Gilgardor bildet das wichtigste Handelszentrum im Inneren der Südlande. Die Stadt liegt an einer Oase in der Faora und verbindet die östlichen Metropolen durch Karawanenwege. Da sie keinem der vier Stadtstaaten angehört und vergleichsweise niedrige Zölle erhebt, können Händler dort Geschäfte tätigen, ohne unmittelbar in die politischen Auseinandersetzungen der Allianz hineingezogen zu werden.
Radgar und Amal öffnen den Südlanden den Zugang zum Meer. Radgar erhebt keine Handelszölle und zieht dadurch Händler, Seeleute, Freibeuter und Abenteurer aus vielen Teilen Ganthors an. Amal verfügt über eine große Handels- und Kriegsflotte und besitzt Kolonien auf den Weißmondinseln und entlang der südlichen Küste.
Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören die Nordländer aus Borrograd, die Wüstlinge, mehrere Zwergensippen des Großen Rückens sowie Händler aus dem Mittelreich. Die Südlande handeln unter anderem mit Salz, Nahrungs- und Genussmitteln, Seide, Holz, Korallen und Erzeugnissen ihrer Städte. Von den Zwergen erhalten sie Metall, Gold, Edelsteine und hochwertige Waffen.
Glaube und Magie
Die Südländer verehren größtenteils dieselben Götter wie die Menschen des Mittelreichs, ihre Kulte haben jedoch eigene Aufgaben und Ausprägungen entwickelt. Der mächtigste Orden ist jener des Jedek. Er wacht über die Allianz, die Rechtsprechung und die Verteilung des Wassers. Mernat besitzt als Gott des Handels große Bedeutung, während In'raal als kriegerischer Beschützer des Landes verehrt wird. An den Küsten und unter Seeleuten ist der Kult des Karoum verbreitet. In Amal bildet die Verehrung Gwygats eine Grundlage von Herrschaft, Wissenschaft und Technik.
Magie ist in den Städten fest verankert, wird aber unterschiedlich gelehrt und eingesetzt. Die Akademie der Elemente zu Brandal ist die größte Magierakademie der Südlande und widmet sich vor allem der Elementarmagie. Auch in Uria und Radgar bestehen eigene magische Lehrgemeinschaften. Magier wirken außerdem an den großen Bewässerungsanlagen, in den Diensten wohlhabender Häuser, in den Tempeln und auf Handelsreisen. In der Faora und im Dschungel folgen magische Traditionen dagegen anderen Wegen: Wüstlinge bewahren das Wissen ihrer Priester und Weisen, während die Schamanen der Wonar mit den Geistern des Waldes verkehren.
Regionen und bedeutende Orte
Die vier Stadtstaaten
- Brandal ist die nördlichste der drei östlichen Metropolen. Ein breiter Ring bewässerten Kulturlands umgibt die Stadt. Brandal gehört zu den maßgeblichen politischen Mächten der Allianz und beherbergt die größte Magierakademie der Südlande.
- Uria ist eine gewaltige, ringförmig angelegte Stufenstadt am Rand der Faora. Ein Aquädukt führt Wasser aus dem Großen Rücken heran. Die Verteilung dieses Wassers prägt sowohl das Stadtbild als auch die strenge gesellschaftliche Ordnung.
- Amal liegt in einem geschützten Tal zwischen Gebirgsausläufern und Meer. Die Stadt wird vom Rat der Gwygat-Priester regiert und ist für ihre Gelehrten, ihre Flotte sowie ihre Kolonien auf den Weißmondinseln und an der Südküste bekannt.
- Radgar liegt an der Westküste zwischen Dschungel und Drachenkopfgebirge. Die zollfreie Hafenstadt ist ein Zentrum des Seehandels, der Schifffahrt und des Piratenwesens. Oberstadt und Hafenviertel unterscheiden sich stark in Wohlstand und Ansehen.
Weitere Regionen und Orte
- Gilgardor ist eine unabhängige Handelsstadt und Karawanserei in der Faora. Sie verbindet die Stadtstaaten und dient als wichtigster Markt für Waren aus der Wüste.
- Die Faora nimmt den größten Teil der Südlande ein. In ihren Randgebieten und Sandsteinhöhlen leben die Stämme der Wüstlinge.
- Der Dschungel beherrscht den regenreichen Westen. Er ist die Heimat der Wonar, verschiedener Echsenmenschenstämme und zahlreicher gefährlicher Tier- und Pflanzenarten.
- Die Weißmondinseln bilden eine vulkanische Inselwelt im Südmeer. Ein Teil der Inseln gehört zu den Kolonien Amals, während andere kaum erforscht oder von Piraten und unabhängigen Siedlern bewohnt sind.
- Die Große Mauer sichert Teile der Nordgrenze. Obwohl sie unvollendet blieb, ist sie eines der größten Bauwerke der Südlande.
Geschichte
Die ältesten Siedlungen der Südlande entstanden in den unruhigen Jahrhunderten nach dem Meteoriteneinschlag. Uria soll wesentlich älter sein als die übrigen Stadtstaaten; durchgängige schriftliche Aufzeichnungen liegen jedoch nur für einen Teil der Geschichte vor. Kriege zwischen den Städten, der Aufstieg Gilgardors, der Konflikt mit Kaiser Samon VII. und die Gründung der Allianz von Uria formten die heutige politische Ordnung.
Eine ausführliche Chronologie enthält der Artikel Geschichte der Südlande.
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