Faruk

Faruk ist eine unabhängige Insel in den Weißmondinseln und die einzige ehemalige Kolonie Amals, die ihre Freiheit dauerhaft behaupten konnte. Aus amalischer Sicht ist Faruk ein gesetzloses Piraten- und Schmugglernest. Für Flüchtlinge, Seeleute, verbannte Magier und politisch Verfolgte ist die Insel dagegen einer der wenigen Orte der Südlande, an denen Herkunft und frühere Abhängigkeiten wenig gelten.
Die Insel besitzt keine gemeinsame Regierung. An der Küste liegt der Freihafen Faruk, ein dicht bebautes Zentrum von Handel, Freibeuterei und Schmuggel. Im fruchtbaren Landesinneren gründeten entflohene Sklaven und ihre Nachkommen die freie Stadt Sarani. Beide Gemeinwesen sind durch einen Friedens- und Beistandsvertrag verbunden, misstrauen einander aber.
Faruks Unabhängigkeit wird durch das Mittelreich unterstützt. Mittelländische Kriegsschiffe, Waffenlieferungen und Berater halten Amal von einer Rückeroberung ab. Diese Hilfe ist nicht uneigennützig: Das Kaiserreich nutzt Faruk als Stützpunkt im Südmeer und als Zugang zu Märkten, die ihm ansonsten verschlossen wären.
Lage und Landschaft
Faruk ist eine große Vulkaninsel im westlichen Teil der Weißmondinseln. Ihre Nordküste wird von steilen Felsen, tiefen Buchten und vorgelagerten Riffen geprägt. Der Freihafen liegt an der größten natürlichen Bucht. Zahlreiche kleinere Ankerplätze, Höhlen und schwer erkennbare Durchfahrten bieten Schmugglern und Piraten Verstecke.
Vom Hafen steigt das Land zu bewaldeten Hügeln und den Resten eines erloschenen Vulkans an. Alte Kolonialstraßen führen über Pässe in das Inselinnere. Viele wurden während des Aufstands zerstört und später nur notdürftig wiederhergestellt. Abseits der Straßen verlaufen verborgene Pfade zwischen Wäldern, verlassenen Plantagen und befestigten Siedlungen.
Das Landesinnere besteht aus fruchtbaren Tälern, Hügelwäldern und kleineren Flüssen. Ehemalige Zuckerplantagen wurden in Felder, gemeinschaftliche Gärten und Weideland umgewandelt. Auf einem gut zu verteidigenden Hochplateau liegt Sarani.
Die südliche Küste ist dünn besiedelt. Mangroven, kleine Buchten und vorgelagerte Inseln erschweren die Schifffahrt. Dort befinden sich versteckte Werften, Piratenlager und Dörfer, die sich weder dem Freihafen noch Sarani zugehörig fühlen.
Klima und Sturmzeiten
Faruk besitzt ein tropisches Klima mit sommerlicher Regenzeit. Zuckerrohr, Früchte, Gewürze und andere Nutzpflanzen gedeihen auf den vulkanischen Böden. Schwere Regenfälle beschädigen jedoch Straßen und können die Flüsse des Inselinneren rasch anschwellen lassen.
Im Frühjahr und Herbst treffen jeweils etwa vier Wochen lang heftige Stürme die Inselgruppe. Während dieser Zeiten stellen die meisten Schiffe ihre Fahrten ein. Der Freihafen zieht seine größeren Fahrzeuge in geschützte Seitenbuchten und befestigt Dächer, Kräne und Speicher. Sarani lagert ausreichend Nahrung, Saatgut und Heilmittel ein, um mehrere Monate ohne Küstenhandel auszukommen.
Die Sturmzeiten verschieben das politische Gleichgewicht. Wenn mittelländische Kriegsschiffe und Händler die Insel nicht erreichen können, sind Freihafen und Sarani vollständig aufeinander angewiesen. Streitigkeiten werden deshalb häufig vor Beginn der Stürme beigelegt – oder auf die Wochen danach vertagt.
Der Freihafen Faruk
Im Freihafen leben etwa 7.000 Menschen dauerhaft. Eine vollständige Erfassung existiert nicht. Viele Bewohner verwenden falsche Namen oder verzichten bewusst auf jede Registrierung.
Die Stadt entstand aus der früheren amalischen Kolonialhauptstadt Port Faruk. Nach dem Aufstand wurde der Name in Freihafen Faruk geändert. Alte Verwaltungsgebäude, Plantagenkontore und Tempel wurden in Ratsgebäude, Tavernen, Werkstätten, Herbergen und Lagerhäuser umgewandelt. Neubauten füllen jeden verfügbaren Zwischenraum.
Vom Hafen ziehen breite Marktstraßen den Hang hinauf. Arkaden, hölzerne Galerien und gespannte Stoffbahnen schützen vor Sonne und Regen. Weiß gekalkte Kolonialbauten stehen neben farbig bemalten Häusern, provisorischen Aufstockungen und Werkstätten aus dunklem Vulkangestein. Flaggen, Segeltuch und Waren aus vielen Teilen Ganthors prägen das Straßenbild.
Die Stadt besitzt den Ruf völliger Gesetzlosigkeit. Tatsächlich gelten im dicht bebauten Freihafen strenge Regeln gegen Handlungen, die Handel und Sicherheit gefährden. Offener Mord, Brandstiftung, Sabotage von Schiffen, Fälschung der Hafenmarken und Menschenraub werden hart verfolgt. Außerhalb dieser Grenzen und mit Ausnahme der Sklaverei dürfen Bewohner und Besucher nahezu jedes Geschäft abschließen, solange Gebühren gezahlt und bestehende Schutzverträge beachtet werden.
= Der Freie Markt
Der Freie Markt liegt im Zentrum der Stadt und nimmt mehrere miteinander verbundene Plätze und Straßen ein. Dort werden Gewürze, Zucker, Rum, Waffen, Schiffsteile, Artefakte, Karten, Tiere, Heilmittel und Waren zweifelhafter Herkunft angeboten. Händler aus Uria, dem Mittelreich, Radgar und den Nordlanden kaufen nebeneinander ein, auch wenn ihre Regierungen einander feindlich gegenüberstehen.
Die Stände wechseln häufig. Manche Händler verkaufen nur für wenige Stunden, bevor sie Ware und Namen ändern. Andere besitzen befestigte Kontore mit eigenen Wachen. Vermittler prüfen Münzen, übersetzen Verträge und stellen Kontakte zu Schmugglern, Magiern oder Kapitänen her.
Sklavenhandel ist auf Faruk verboten. Wer einen Menschen zum Verkauf anbietet oder gegen seinen Willen festhält, verliert den Schutz des Hafens. In der Praxis versuchen radgarische Händler und einzelne Piraten dennoch, Gefangene heimlich von Schiff zu Schiff zu bringen. Agenten Saranis beobachten deshalb Markt, Herbergen und Hafenstraßen.
= Die Straße der hundert Flaggen
Die bekannteste Straße des Freihafens führt vom Freien Markt zum früheren Gouverneurspalast. Über ihr hängen Flaggen erbeuteter, untergegangener oder längst umbenannter Schiffe. Einige gehören zu berühmten Kapitänen, andere wurden eigens für die Straße erfunden.
Tavernen, Garküchen, Spielhäuser, Badehäuser, Kartenläden und kleine Bühnen liegen dicht beieinander. Musik, Streitgespräche und Versteigerungen dauern bis tief in die Nacht. Hier werden Mannschaften angeworben, Ladungen finanziert, Kaperbriefe angeboten und Gerüchte ausgetauscht.
Die Straße ist zugleich ein politischer Ort. Öffentliche Anschläge verkünden Ratsbeschlüsse, Kopfgelder und Warnungen vor amalischen Schiffen.
= Das alte Gouverneurshaus
Die ehemalige Residenz der amalischen Gouverneure dient heute als Rats- und Gerichtshaus. Die äußere Anlage blieb weitgehend erhalten, doch Wappen und religiöse Inschriften wurden entfernt oder übermalt. Im großen Innenhof finden Ratsversammlungen, Gerichtsverhandlungen und öffentliche Abstimmungen statt.
Unter dem Gebäude liegen Archive und alte Zellen. Ein Teil der Kolonialakten überstand den Aufstand. Händler, ehemalige Sklaven und amalische Agenten suchen immer wieder nach Papieren, die Besitzrechte, Abstammungen oder geheime Verträge belegen könnten.
Der frühere Gwygat-Tempel innerhalb der Anlage wurde in eine öffentliche Halle umgewandelt, die heute meist von Händlern besetzt ist und Platz für Feierlichkeitn bietet.
= Werften
Die großen Werften liegen an den äußeren Bereichen der Bucht. Sie sind für schnelle Reparaturen und unauffällige Umbauten weit über die Grenzen Faruks bekannt. Schiffe erhalten neue Aufbauten, verborgene Laderäume oder ein verändertes Erscheinungsbild. Erfahrene Handwerker können ein bekanntes Piratenschiff innerhalb weniger Wochen so verändern, dass es aus der Ferne wie ein gewöhnlicher Händler wirkt.
Herrschaft im Freihafen
Der Freihafen wird von einem Hafenrat regiert. Kapitäne, Werftbesitzer, Händler, Wirte und anerkannte Berufsverbände entsenden Vertreter. Stimmgewicht und Sitze beruhen auf Gebühren, bereitgestellten Schiffen und öffentlichen Aufgaben. Das System ist ungerecht und leicht zu beeinflussen, verhindert aber bislang die dauerhafte Alleinherrschaft einer Person.
Der Rat beschließt Hafenrecht, Gebühren, Verteidigung und Verträge mit Sarani und dem Mittelreich. Für einzelne Streitigkeiten werden Richter auf Zeit bestimmt. Viele Urteile beruhen auf Verträgen und Zeugenaussagen. Wer keinen Schutzvertrag, keine Mannschaft oder keine einflussreichen Freunde besitzt, erhält deutlich schwerer Recht.
Der Rat wählt einen Sprecher als Repräsentanten und "erster und gleichen" für jeweils vier Jahre. Ein Hafensprecher führt Ratssitzungen, vertritt den Freihafen nach außen und koordiniert im Verteidigungsfall die Schiffe. Das Amt hat kein uneingeschränktes Befehlsrecht über die Kapitäne.
Hafensprecherin Mareya Vaskal
Die derzeitige Hafensprecherin ist Mareya Vaskal. Mareya war früher Freibeuterkapitänin. Während des Kolonialkrieges brachte sie Waffen und Nachrichten zwischen Faruk und dem Mittelreich durch die amalische Blockade. Später beteiligte sie sich an der Aushandlung des Friedensvertrags mit Sarani.
Sie lehnt Menschenhandel ab und lässt offen angebotene Gefangene befreien. Andere Formen des Schmuggels betrachtet sie als Grundlage von Faruks Freiheit. Mareya versucht, die Unterstützung des Mittelreichs zu nutzen, ohne dessen dauerhafte Herrschaft zuzulassen.
Ihre Gegner behaupten, sie verlängere Krisen, um immer wiedergewählt zu werden. Anhänger Saranis misstrauen ihrer Vergangenheit als Kapitänin, während einige Piraten ihr zu große Rücksicht auf das Landesinnere vorwerfen.
Sarani
Sarani liegt auf einem Hochplateau im fruchtbaren Inselinneren. Etwa 3.500 Menschen leben innerhalb der Mauern und in den umliegenden Höfen. Die Stadt wurde von entflohenen Sklaven gegründet und nimmt bis heute Menschen auf, die Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft oder politischer Verfolgung entkommen sind.
Eine steinerne Ringmauer und mehrere bewachte Bergpfade schützen Sarani. Im Inneren stehen schlichte, gut gebaute Häuser, Werkstätten, Schulen, Speicher und Versammlungshallen. Wasser aus Bergquellen wird in Zisternen gesammelt und über offene Kanäle verteilt.
Die ehemaligen Plantagen im Umland wurden in gemeinschaftliche Felder und kleinere Familienbetriebe aufgeteilt. Angebaut werden Zuckerrohr, Mais, Früchte, Gemüse, Heilpflanzen und Gewürze. Mehrere Brennereien stellen Rum her, dessen Erlöse Befestigungen, Schulen und die Miliz finanzieren.
= Aufnahme und Bürgerrecht
Sarani nimmt Flüchtlinge grundsätzlich auf. Neuankömmlinge erhalten zunächst Unterkunft, Nahrung und medizinische Versorgung. Im Gegenzug leisten sie für eine festgelegte Zeit Arbeit in Feldern, Werkstätten, Schulen oder Befestigungen. Diese Verpflichtung darf nicht verkauft, verlängert oder auf Nachkommen übertragen werden.
Nach Abschluss dieser Zeit können Erwachsene das Bürgerrecht beantragen. Es verleiht Stimmrecht in einem Bezirk und Zugang zu gemeinschaftlich verwaltetem Land. Frauen und Männer egal welcher Abstammung und Spezies besitzen dieselben Rechte und können alle Ämter übernehmen.
Die Stadt bewahrt die Sprachen, Lieder und Bräuche unterschiedlicher Herkunftsgruppen. Schulen unterrichten neben Lesen und Rechnen auch die Geschichte der Sklavenaufstände. Namen ehemaliger Plantagenbesitzer wurden aus vielen Ortsbezeichnungen entfernt.
= Rat und Miliz
Sarani wird von gewählten Vertretern der Bezirke, Berufsgruppen und umliegenden Höfe regiert. Der Rat bestimmt Vorräte, Landverteilung, Verteidigung und Außenhandel. Wichtige Entscheidungen müssen in einer öffentlichen Versammlung bestätigt werden.
Die Miliz besteht aus Bürgern und ausgebildeten Freiwilligen. Wachposten sichern Bergpfade und beobachten die Küstenstraße. Kundschafter arbeiten verdeckt im Freihafen und auf anderen Inseln, um Sklavenjäger und mögliche amalische Angriffe früh zu erkennen.
Sklavenhandel, Menschenraub und die gewaltsame Rückführung Geflohener werden mit Verbannung oder Tod bestraft. Diese Härte führt regelmäßig zu Streit mit dem Freihafen, wenn Piraten oder ausländische Händler beschuldigt werden.
Sprecher Jalun Aras
Jalun Aras vertritt den Rat Saranis nach außen, kann aber nicht allein entscheiden. Er wurde als Kind auf einer amalischen Zuckerplantage geboren und floh während des Kolonialkrieges ins Inselinnere. Später kämpfte er in der Miliz und half beim Aufbau der Schulen.
Jalun betrachtet den Vertrag mit dem Freihafen als notwendige, aber gefährliche Verbindung. Sarani braucht Schiffe und Außenhandel, während der Hafen ohne Lebensmittel und Kämpfer des Landesinneren verwundbar wäre. Er misstraut sowohl Piraten als auch dem Mittelreich.
Sein langfristiges Ziel ist ein eigener Zugang Saranis zum Meer. Ein solcher Hafen würde die Abhängigkeit verringern, könnte aber den bestehenden Vertrag zerstören. Jalun unterhält außerdem geheime Kontakte zu versklavten Arbeitern auf anderen Weißmondinseln.
Der Vertrag zwischen Freihafen und Sarani
Nach jahrelangen Kämpfen schlossen der Freihafen und Sarani einen Friedens- und Beistandsvertrag. Er bildet keine gemeinsame Regierung, legt aber mehrere verbindliche Regeln fest:
- Sklaverei und Menschenhandel sind auf der gesamten Insel verboten.
- Bewaffnete Gruppen des Freihafens dürfen das Gebiet Saranis nur mit Erlaubnis betreten.
- Sarani liefert Lebensmittel und stellt bei einem Angriff auf Faruk Miliztruppen.
- Der Freihafen ermöglicht Sarani den Außenhandel und nimmt geflohene Sklaven an Land.
- Beide Seiten warnen einander vor amalischen Angriffen und Sklavenjägern.
- Streitfälle zwischen Bürgern beider Gemeinwesen werden von einem gemeinsamen Schiedsrat verhandelt.
Der Vertrag funktioniert, weil beide Seiten ihn benötigen. Piratenkapitäne wollen ungehinderten Zugang zum Landesinneren, während viele Bewohner Saranis den Hafen für moralisch verdorben halten. Dennoch hat keine Seite genug Schiffe, Nahrung und Kämpfer, um Amal allein zu widerstehen.
Das Mittelreich auf Faruk
Das Mittelreich unterstützt Faruk seit 39 v. Ill. mit Waffen, Geld, Beratern und zeitweise stationierten Kriegsschiffen. Im Gegenzug erhalten mittelländische Händler Zugang zu den Märkten der Weißmondinseln und einen Stützpunkt im Südmeer.
Eine befestigte Gesandtschaft liegt am Rand des Freihafens. Die gegenwärtige Gesandte Livia von Serath nimmt als Beobachterin an den Sitzungen des Hafenrats teil. Sie besitzt kein Stimmrecht, kann aber Kredite, militärischen Schutz und Handelsprivilegien anbieten.
Amal betrachtet die Gesandtschaft als feindlichen Militärposten. Faruks Bewohner sehen sie zwiespältig. Ohne das Mittelreich wäre eine Rückeroberung wahrscheinlicher; zugleich könnte eine dauerhafte Garnison Faruks Freiheit ebenso bedrohen wie Amal.
Livia von Serath vertritt offiziell Kaiser Illiasan. Sie versichert, der Kaiser wolle Faruks Selbstbestimmung achten. Manche Freihändler vertrauen seiner halbelfischen Herkunft und seinem Widerstand gegen alte Machtzirkel. Andere halten jede größere Macht für nicht vertrauenswürdig.
Bevölkerung und Gesellschaft
Faruk besitzt eine ungewöhnlich vielfältige Bevölkerung. Südländer, Mittelländer, Nordländer, Halblinge, Zwerge, ehemalige Kolonisten, entflohene Sklaven und Seeleute zahlreicher Herkunft leben auf engem Raum.
Im Freihafen zählen Ruf, Verträge, Fähigkeiten und verlässliche Verbündete mehr als Abstammung. Eine erfolgreiche Kapitänin oder ein gefragter Schiffsmagier kann großen Einfluss gewinnen. Wer neu und mittellos ankommt, ist dagegen leicht von Mannschaften, Wirten oder Geldgebern abhängig.
Sarani betont gleiche Bürgerrechte, gemeinschaftliche Verantwortung und Schutz vor Ausbeutung. Das führt nicht zu völliger Gleichheit. Alte Gründerfamilien, erfolgreiche Höfe und Anführer der Miliz besitzen mehr Einfluss als neu aufgenommene Bewohner.
Zwischen beiden Gesellschaften findet beständiger Austausch statt. Jugendliche aus Sarani suchen Arbeit oder Abenteuer im Freihafen. Verwundete Seeleute lassen sich im Landesinneren nieder. Händler heiraten in Familien beider Orte ein. Gerade diese Verbindungen verhindern, dass politische Streitigkeiten sofort in offene Kämpfe umschlagen.
Wirtschaft und Handel
Der Freihafen lebt von Schmuggel, Schiffsreparaturen, Zwischenhandel, Kaperfahrten und der Versorgung von Seeleuten. Zucker, Rum, Tabak, Gewürze, Artefakte, Waffen und Kolonialwaren werden unter neuen Papieren weiterverkauft. Waren aus dem Mittelreich gelangen über Faruk nach Nord- und Süd-Vanua.
Faruk erhebt keine einheitlichen Zölle. Stattdessen zahlen Schiffe Liege-, Markt- und Schutzgebühren. Wer einen anerkannten Schutzvertrag besitzt, kann bei Diebstahl oder Vertragsbruch den Hafenrat anrufen. Ohne einen solchen Vertrag bleibt nur private Vergeltung.
Sarani liefert Lebensmittel, Rum, Heilpflanzen, Holz und handwerkliche Erzeugnisse. Der Freihafen stellt Schiffsraum, Werkzeuge, Metall und Zugang zu ausländischen Märkten bereit. Beide Seiten streiten regelmäßig über Preise und Transportbedingungen.
Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist die Herstellung falscher Papiere. Schreiber, Graveure, Illusionsmagier und ehemalige Verwaltungsbeamte verändern Siegel, Ladungslisten, Flaggen und Besitznachweise. Gute Fälschungen können eine amalische Kontrolle überstehen; schlechte bringen Schiff und Mannschaft an den Galgen.
Magie
Faruk besitzt keine einheitliche magische Lehrtradition. Verbannte Magier, unabhängige Lehrmeister, ehemalige Kolonialmagier und Schiffszauberer bieten ihre Dienste an. Praktiken, die in Amal genehmigungspflichtig oder verboten sind, können im Freihafen offen betrieben werden, solange sie niemanden gegen dessen Willen gefährden.
Schiffsmagier unterstützen Schmugglerfahrten, schützen Schiffe vor Stürmen und erleichtern riskante Riffpassagen. Illusionsmagier verändern Segelfarben, verschleiern Ladungen und erzeugen falsche Signallichter. Zauber der Hexermagie, die den Geist manipulieren unterliegen besonderem Misstrauen, weil sie Verträge und freiwillige Entscheidungen infrage stellen können.
Verzauberte Karten gehören zu Faruks bekanntesten Werkzeugen. Manche zeigen nur ihrem rechtmäßigen Besitzer sichere Wege durch Riffe. Andere verändern sich mit Wetter, Mondstand oder verabredeten Signalen. Die besten Karten werden von kleinen Zirkeln hergestellt, die ihre Methoden nicht weitergeben.
Einige reiche Kapitäne lassen Wind- oder Wassergeister wie Djinns an ihre Schiffe binden. Solche Bindungen können freiwilligen Verträgen ähneln oder auf Zwang beruhen. Sarani lehnt erzwungene Geisterbindung ab, während der Hafenrat nur eingreift, wenn die Wirkung andere Schiffe oder die Stadt bedroht.
In Sarani dienen Magier vor allem Heilung, Landwirtschaft und Verteidigung. Mehrere Ahnenkundige bewahren die Erinnerungen verstorbener Gründer. Menschen unterschiedlicher Herkunft brachten eigene religiöse und magische Traditionen mit, die sich in der Stadt miteinander verbunden haben.
Geschichte
Amal gründete Faruk als Plantagen- und Hafenstützpunkt. Zucker, Rum und andere Kolonialwaren wurden unter amalischer Kontrolle ausgeführt. Sträflinge, Schuldarbeiter und versklavte Menschen leisteten einen großen Teil der Arbeit.
Unzufriedenheit mit Handelsmonopol, Zwangsarbeit und kolonialer Verwaltung führte wiederholt zu Aufständen. Entflohene Sklaven gründeten im Landesinneren verborgene Siedlungen, aus denen später Sarani hervorging. Schmuggler und einzelne Kapitäne versorgten sie mit Waffen.
Im Jahr 43 v. Ill. begann der große Aufstand der Kolonien. Auf Faruk verbanden sich Plantagenarbeiter, entflohene Sklaven, unzufriedene Siedler und Teile der Hafenbesatzungen. Die amalische Verwaltung verlor zunächst das Landesinnere und später den Hafen.
Der Kolonialkrieg dauerte ungefähr fünf Jahre. Amal eroberte die meisten anderen aufständischen Inseln zurück. Ab 39 v. Ill. griff die Flotte des Mittelreichs zugunsten Faruks ein und brach die amalische Blockade. Faruk behauptete als einzige größere Kolonie seine Unabhängigkeit.
Nach dem Krieg kämpften Piratenkapitäne und die Gemeinschaften des Landesinneren um die Kontrolle der Insel. Keine Seite konnte die andere besiegen. Der Friedens- und Beistandsvertrag zwischen Freihafen und Sarani beendete die offenen Kämpfe und bildet bis heute die Grundlage der Unabhängigkeit.
Faruk in der Gegenwart
Faruk ist wirtschaftlich erfolgreich, aber politisch instabil. Der Freihafen zieht immer mehr Händler und Flüchtlinge an. Sarani wächst und fordert einen eigenen Zugang zum Meer. Das Mittelreich möchte seine militärische Präsenz ausbauen, während Amal nach Möglichkeiten sucht, die Insel ohne offenen Krieg zu schwächen.
Mareya Vaskals Amtszeit endet in wenigen Monaten. Mehrere Piratenkapitäne wollen ihre Wiederwahl verhindern. Jalun Aras steht gleichzeitig unter Druck jüngerer Ratsmitglieder, die den Vertrag mit dem Freihafen für überholt halten.
Gerüchte über eine neue amalische Blockade, gefälschte Kaperbriefe und verschwundene Flüchtlinge verschärfen das Misstrauen. Faruks Freiheit beruht auf einem Gleichgewicht, das schon durch einen einzigen erfolgreichen Anschlag zerbrechen könnte.
Bedeutende Orte und Personen
- Freihafen Faruk: größte Stadt, Schmuggelzentrum und Sitz des Hafenrats.
- Freier Markt: ausgedehntes Marktgebiet für legale und geschmuggelte Waren.
- Straße der hundert Flaggen: Zentrum von Tavernen, Vermittlern und öffentlichem Leben.
- Altes Gouverneurshaus: Ratsgebäude, Gericht und Archiv der Kolonialzeit.
- Sarani: freie Stadt der entflohenen Sklaven und ihrer Nachkommen.
- Mittelländische Gesandtschaft: diplomatischer und militärischer Stützpunkt des Kaiserreichs.
- Mareya Vaskal: gewählte Hafensprecherin und ehemalige Freibeuterkapitänin.
- Jalun Aras: Sprecher des Rats von Sarani.
- Livia von Serath: Gesandte Kaiser Illiasans.
Gerüchte und Abenteuerideen
- Ein Piratenkapitän kündigt an, nach seiner Wahl zum Hafensprecher den Vertrag mit Sarani aufzuheben. Mehrere seiner wichtigsten Unterstützer verschwinden innerhalb einer Nacht.
- Amal bietet allen Kapitänen Begnadigung und große Geldsummen, wenn sie Mareya Vaskal und Livia von Serath ausliefern.
- In einem Keller unter dem alten Gouverneurshaus werden Listen gefunden, die beweisen könnten, dass einflussreiche Familien anderer Inseln von verschleppten Arbeitern abstammen.
- Sarani beginnt heimlich mit dem Bau eines eigenen Hafens an der Südküste. Der Hafenrat entsendet Beobachter, während amalische Agenten das Vorhaben sabotieren wollen.
- Ein mittelländisches Kriegsschiff fordert das dauerhafte Nutzungsrecht an einem Teil der Bucht. Seine Kapitänin beruft sich auf einen Vertrag, den niemand im Hafenrat kennt.
- Mehrere neu angekommene Flüchtlinge verschwinden aus einer Herberge. Agenten Saranis vermuten einen Menschenhändlerring im Freihafen.
- Eine verzauberte Schmugglerkarte zeigt plötzlich eine zusätzliche Insel zwischen Faruk und Amal. Nur eine Person kann die eingezeichnete Route lesen.
- Gefälschte Kaperbriefe erlauben Angriffe auf Schiffe Radgars. Die Siegel sind so vollkommen, dass sie nur aus der mittelländischen Gesandtschaft stammen können.
- Ein gebundener Windgeist entkommt aus einem Piratenschiff und beginnt, die Straße der hundert Flaggen zu verwüsten. Er verlangt die Erfüllung eines jahrzehntealten Vertrags.
- Jalun Aras erhält Nachricht von einem bevorstehenden Sklavenaufstand auf Avali. Sarani will Waffen senden, doch Mareya fürchtet einen neuen Krieg mit Amal.