Leeres Land

Das Leere Land ist ein weitläufiger, nur dem Anspruch nach zum Mittelreich gehörender Grenzraum zwischen dem Halblingreich, dem Elfenreich und den Drachenlanden. Östlich des Gerwol beginnen kalte Steppen, bewaldete Hügelketten und sturmgefährdete Flusstäler. Der Kaiser erhebt Anspruch auf das Gebiet, verzichtet jedoch weitgehend auf Erschließung, Schutz und Verwaltung.
Der Name täuscht: Das Land ist dünn besiedelt, aber keineswegs leer. Menschen, Mischvölker, Orks und andere Bewohner haben hier Städte, Dörfer, Bergwerke und Jagdgebiete geschaffen. Viele suchen Freiheit, einen Neuanfang oder Schutz vor Verfolgung; andere entziehen sich bewusst dem Gesetz. Zwischen ihnen liegen weite Räume, in denen weder eine zentrale Herrschaft noch verlässliche Straßen bestehen.
Lage und Grenzen
Das Leere Land beginnt östlich des Gerwol, der nahe dem Halblingreich entspringt. Es erstreckt sich südlich des Elfenreichs bis an die Ausläufer des Halblingkraters. Im Norden liegt der elfische Geisterwald, im Osten zeichnen sich die verdorrten Drachenlande ab.
Das Gebiet wird den Mittellanden zugerechnet, doch diese Einordnung besitzt vor Ort kaum Bedeutung. Es gibt keine flächendeckende kaiserliche Verwaltung, keine Lehensordnung und kein einheitliches Recht. Die wenigen dauerhaften Städte üben nur in ihrem unmittelbaren Umfeld Macht aus.
Landschaft und Klima
Das Leere Land ist kälter, trockener und weniger fruchtbar als die südlicheren Mittellande. Weite Grassteppen werden von niedrigen Sträuchern und einzelnen, vom Wind geformten Bäumen durchzogen. Auf den zahlreichen Hügelketten wachsen vor allem Nadelwälder.
Die Winter sind härter als im übrigen Mittelreich, erreichen aber nicht die Strenge der Nordlande. Im Frühjahr und Herbst treffen Winde vom Meer und vom Großen Rücken aufeinander. Schwere Stürme und Wirbelwinde können Dächer abdecken, Palisaden einreißen und ganze junge Siedlungen vernichten. Überschwemmungen und Schneestürme bilden weitere wiederkehrende Gefahren.
Im Süden leben Hügelriesen und Oger. Wilde Tiere, Monster und die großen Entfernungen zwischen sicheren Orten erschweren Reisen und Besiedlung zusätzlich.
Bevölkerung und Lebensweise
Siedler und Ausgestoßene
Die größte Bevölkerungsgruppe bilden Menschen, überwiegend Mittelländer. Viele verließen das Kaiserreich, weil sie Steuern und Abgaben nicht mehr tragen konnten, der Abhängigkeit als Tagelöhner entkommen wollten oder einen Neuanfang suchten. Hinzu kommen einzelne Nordländer und Menschen, die vor dem Gesetz, persönlicher Rache oder der Verfolgung durch einen Kult geflohen sind.
Im Mittelreich gilt das Leere Land daher oft pauschal als Zuflucht von Räubern und Verbrechern. Tatsächlich leben hier ebenso Bauern, Hirten, Handwerker, Händler und Jäger, die außerhalb der kaiserlichen Ordnung ein selbstbestimmtes Leben suchen. Herkunft und Vergangenheit zählen vielerorts weniger als die Fähigkeit, zum Überleben einer Gemeinschaft beizutragen.
Mischvölker

Mischvölker sind im Leeren Land zahlreicher als in vielen anderen Regionen. Halboger, Halbgoblins und andere Menschen gemischter Abstammung erfahren hier häufig weniger Benachteiligung. Körperkraft, handwerkliches Geschick, Ortskenntnis und Jagderfahrung besitzen in kleinen Siedlungen unmittelbaren Wert.
Das bedeutet nicht, dass Vorurteile verschwunden wären. Sie treten jedoch oft hinter praktische Abhängigkeiten zurück: Wer eine Palisade ausbessert, Nahrung findet oder einen Wagen durch den Winter bringt, wird gebraucht.
Die Orks von Uluk'a'torl
Das Leere Land beherbergt die größte orkische Bevölkerung östlich des Zweistroms. Ihre Vorfahren gehörten zu jenem Orkheer, das während des Orkkrieges der Jahre 576–577 in Cor einfiel und nach seiner Niederlage nach Norden auswich. Da der Heerzug von ganzen Sippen begleitet worden war, ließen sich nicht nur Krieger, sondern auch Familien im Leeren Land nieder.
Drei Stämme gründeten in einer gut zu verteidigenden Felsschlucht Uluk'a'torl. Von dort aus nutzen die Orks weite Teile der umgebenden Steppe als Jagdgebiet. Hungersnöte führen wiederholt zu Plünderzügen; zugleich dient die Stadt verstreuten Stämmen im Winter als Schutzort.
Herrschaft, Recht und Schutz
Eine gemeinsame Herrschaft des Leeren Landes existiert nicht. Jede dauerhafte Stadt besitzt ihre eigene Ordnung, und viele Dörfer regeln Streitfälle durch Versammlungen, lokale Anführer oder die Macht eines Schutzgebers. Außerhalb der Siedlungen entscheidet häufig allein, wer einen Anspruch tatsächlich durchsetzen kann.
Fünf Städte bestehen seit mehreren Jahrhunderten: Borlov, Lex, Broga, Nokrossos und Uluk'a'torl. Sie sind die wichtigsten politischen Zentren der Region und konkurrieren um Wege, Rohstoffe, Handel und Einfluss.
Viele neue Dörfer überstehen den ersten Winter nicht. Gelingt es ihnen, bieten nahe Städte im folgenden Frühjahr Schutz gegen Tribut in Waren oder Nahrung an. So entstehen lose Protektorate, deren Grenzen weder dauerhaft noch allgemein anerkannt sind. Vertreter mehrerer Städte werben nicht selten gleichzeitig um dasselbe Dorf oder versuchen, den Einfluss ihrer Konkurrenten mit Drohungen, Bestechung und Gewalt zurückzudrängen.
Wirtschaft und Versorgung
Die Wirtschaft des Leeren Landes ist regional und stark von der jeweiligen Landschaft abhängig. In geschützten Flusstälern werden Getreide und Gemüse angebaut; auf den Steppen dominieren Viehhaltung, Jagd und das Sammeln haltbarer Vorräte. Holz stammt aus den Nadelwäldern der Hügel, doch unkontrollierter Einschlag hat manche Umgebung bereits entwaldet.
Broga liefert Erz, Kohle, Werkzeuge und Waffen an viele Siedlungen. Diese Güter sind lebenswichtig, wodurch selbst politisch feindliche Städte vom Handel mit Broga abhängig bleiben. Kaufleute und Karawanen müssen für Schutz sorgen, da befestigte Straßen und kaiserliche Patrouillen fehlen.
Zwischen den Städten werden Getreide, Vieh, Holz, Metall, Salz, Leder und handwerkliche Erzeugnisse gehandelt. Münzen sind gebräuchlich, doch in abgelegenen Orten besitzt der unmittelbare Tauschwert von Werkzeugen, Vorräten und Tieren oft größere Bedeutung.
Magie und Religion
Im Leeren Land gibt es keine einheitliche religiöse oder magische Ordnung. Reisende Priester, Dorfkundige und einzelne Magier wirken dort, wo eine Gemeinschaft sie aufnehmen oder bezahlen kann. In jungen Siedlungen vermischen sich Schutzzeichen, überlieferte Bräuche und tatsächlich wirksame Magie.
Lex wird seit etwa 200 Jahren vom Kult des Jedek beherrscht. Die Stadt verdankt ihre Ordnung dem Priester Amis Donnerfaust und der von ihm geschaffenen Gesetzessammlung „Lex Donnerfaust“.
Nokrossos steht unter der Herrschaft des Namenlosen Nekromanten. Der Kult des Xzar ist dort die einzige zugelassene Religion, und die dunkle Zitadelle gilt Todesmagiern als Ort der Ausbildung und Forschung. Jedes Jahr nimmt der Nekromant neun Lehrlinge auf.
Außerhalb der Städte kann ein einzelner Magier eine ganze Siedlung schützen, beherrschen oder von sich abhängig machen. Umgekehrt fehlen meist jene Institutionen, die gefährliche Zauberer kontrollieren oder magische Vorfälle untersuchen könnten.
Die fünf alten Städte
Borlov
Borlov ist die älteste und größte Stadt des Leeren Landes. Im Mittelreich wird sie als „Höllenschlund“ und „Stadt des Lasters“ bezeichnet. Geschriebene Gesetze gibt es nicht; wichtige Streitfälle entscheidet der Stadtfürst nach eigenem Ermessen.
Die Macht liegt bei vier aus alten Banden hervorgegangenen Clans: den Drachen, Schlangen, Äxten und Schwertern. Ihre Einflussgebiete wechseln häufig, während die Bevölkerung unabhängig vom Sieger Tribute entrichten muss. Der gegenwärtige Stadtfürst Jerlek Venos führt die Drachen und stützt sich auf erfahrene Kämpfer und Söldner.
Niedrige Holzhäuser bestimmen das Stadtbild. Außerhalb der Palisade liegen Felder am Fluss Brawe. Den Wachdienst versehen neutrale „Wächter“, die keinem Clan angehören. Dieses Amt entstand, nachdem verfeindete Clanwachen einander bekämpften und währenddessen Werwölfe in die Stadt eindrangen.
Lex
Lex hieß früher Fortol und war von wechselnden Tyrannen geprägt. Der Jedek-Priester Amis Donnerfaust besiegte den Herrscher Orbos, gewann zahlreiche Anhänger und errichtete einen Tempel. Seine Templer setzten die neue Gesetzessammlung „Lex Donnerfaust“ durch.
Seit Donnerfausts Tod regiert der Orden des Jedek die Stadt. Strenge, verlässliche Regeln und eine steinerne Stadtmauer machten Lex zu einem vergleichsweise sicheren und wohlhabenden Ort. Viele Neuankömmlinge meiden die Stadt dennoch, weil sie gerade staatlichen Zwängen entkommen wollen.
Broga
Broga ist die kleinste, aber wirtschaftlich eine der bedeutendsten alten Städte. Erzadern und Kohleflöze durchziehen die Hügel und den Untergrund. Fördertürme, Gießereien und Schmieden prägen das Stadtbild; unter der Oberfläche erstreckt sich ein gewaltiges Stollennetz.
Etwa ein Fünftel der Bevölkerung besteht aus Halblingen aus Olbar. Die Familien Spatenstich, Bergmann und Schwarzhand beherrschen Bergbau, Handel und den dreiköpfigen Vorsitz des Handelsrates. Sie sind untereinander verfeindet und unterhalten eigene Truppen, schließen sich gegen äußere Feinde jedoch zuverlässig zusammen.
Broga besitzt als einzige Stadt des Leeren Landes berittene Einheiten. Ein angeblich mehrere Meilen langer Westtunnel wird vom Handelsrat geheim gehalten.
Nokrossos
Über Nokrossos erhebt sich eine dunkle Zitadelle aus drei schwarzen Basalttürmen. Vor Jahrhunderten unterwarf ein Todesmagier die Stadt und herrscht seither als Namenloser Nekromant. Sein Seneschall, ein Ritter des Todes auf einem Nachtmahr, überbringt Befehle und vollstreckt Strafen.
Die Bewohner entrichten geringe Abgaben und müssen ihre Körper nach dem Tod dem Nekromanten überlassen, falls er sie beansprucht. Untote verrichten Arbeiten und bilden den größten Teil des Militärs. Für Aufgaben, die Lebende erfordern, unterhält der Herrscher die Söldner der Dornenfaust.
Solange die Bürger gehorchen, greift der Nekromant nur wenig in ihren Alltag ein. Widerspruch, auffällige Fremde und Verbrechen können jedoch mit Opferung an Xzar enden. Die Abgeschiedenheit und der schlechte Ruf zwingen Nokrossos weitgehend zur Selbstversorgung.
Uluk'a'torl
Uluk'a'torl bedeutet „schützende Steine“ und liegt verborgen in einer Felsschlucht. Palisaden, Blockhäuser, Türme und Mauern bilden am Eingang ein gestaffeltes Bollwerk. Dahinter folgt eine breite Straße dem Fluss Narat'ftal bis zur Quelle und zur großen Versammlungshalle.
Rund 200 Orks, überwiegend Krieger und Handwerker, leben dauerhaft in der Stadt. Im Winter kommen zahlreiche wandernde Stämme hinzu. Jäger versorgen die Bewohner mit Nahrung und tauschen ihre Beute gegen Ausrüstung. Metallmangel und wiederkehrende Hungersnöte sind die wichtigsten Ursachen orkischer Plünderzüge.
Menschen, Elfen, Zwerge und Halblinge haben das Innere der Stadt bislang nicht gesehen. Einzelne Halborks, Halbgoblins und Halboger berichten jedoch, dort in Not aufgenommen worden zu sein.
Reisen und Gefahren
Wer durch das Leere Land reist, muss mit langen Strecken ohne sichere Unterkunft rechnen. Karten verzeichnen vor allem die fünf alten Städte; Dörfer, Wege und Flussübergänge können schon nach wenigen Jahren verschwunden oder verlegt sein.
Zu den häufigsten Gefahren zählen:
- Stürme, Überschwemmungen und früher Schneefall
- Hunger, Wassermangel und zerstörte Vorräte
- Räuber, plündernde Gruppen und konkurrierende Stadttruppen
- Orks auf Jagd- oder Beutezügen
- Oger, Hügelriesen, Werwölfe und andere gefährliche Wesen
- magische Bedrohungen aus Nokrossos oder unkontrollierten Zufluchtsorten
- Streit um Schutzverträge, Tribute und Grenzansprüche
Gerüchte und Abenteuerideen
- Ein junges Dorf erhält gleichzeitig Schutzangebote aus Lex und Borlov. Beide Gesandtschaften verlangen eine Entscheidung, bevor der erste Schnee fällt.
- Nach einem Wirbelsturm steht eine seit Jahrzehnten verlassene Siedlung unbeschädigt in der Steppe. In jedem Haus brennt Licht, doch niemand antwortet.
- Der Handelsrat Brogas sucht unauffällige Begleiter für eine Expedition in den geheimen Westtunnel. Eine der drei führenden Familien will verhindern, dass sie zurückkehrt.
- Ein orkischer Jäger bittet um Hilfe gegen einen Häuptling, der eine Hungersnot bewusst verschärft, um einen großen Plünderzug durchzusetzen.
- Aus Nokrossos flieht einer der neun Lehrlinge des Namenlosen Nekromanten mit einem versiegelten Buch. Die Dornenfaust verfolgt ihn.
- Kaiserliche Kundschafter haben Hinweise auf Uluk'a'torl gefunden. Mehrere Städte müssen entscheiden, ob sie die Orkstadt verraten, warnen oder die Information gegeneinander ausspielen.
- Am Gerwol entsteht eine neue Zollstation des Mittelreichs. Ihre Besatzung erklärt plötzlich alle Bewohner östlich des Flusses zu steuerpflichtigen Untertanen.