Dreisprung

Dreisprung ist eine bedeutende Handels- und Provinzstadt im Westen von Cor. Hier teilt sich die Große Handelsstraße in zwei Zweige: Der östliche Weg führt nach Adar, während der westliche über Isornfurt und Diesheim in das Zweistromtal verläuft. Gemeinsam mit der südlichen Straße nach Kalesch bilden die drei Strecken den wichtigsten Straßenknoten im Inneren des Mittelreichs.
Die Stadt lebt fast vollständig vom Verkehr auf diesen Straßen. Fuhrleute wechseln in Dreisprung ihre Zugtiere, Kaufleute stellen neue Wagenzüge zusammen und Reisende schließen sich für die gefährlicheren Abschnitte der Handelsstraße zu größeren Gruppen zusammen. Entsprechend prägen Herbergen, Speicher, Stallungen und Werkstätten das Stadtbild. Obwohl Dreisprung weder die Pracht Kaleschs noch die militärische Bedeutung Adars besitzt, kennt nahezu jeder Händler des Kaiserreichs seinen Namen.
Geschichte
Am Ort des heutigen Dreisprung befand sich ursprünglich ein befestigter Handelsposten. Er entstand dort, wo ein älterer Weg nach Adar von der Straße zwischen Kalesch und dem westlichen Reichsgebiet abzweigte. Der Posten bot Reisenden Schutz, frische Pferde und einen Platz zum Umladen ihrer Waren.
Mit dem Ausbau der Großen Handelsstraße nahm der Verkehr stark zu. Um den Posten entstanden Schankstuben, Ställe, Schmieden und die ersten Kontore. Aus der Siedlung wurde eine Stadt, deren Name auf die drei großen Straßen zurückgeht, die bis heute ihr Zentrum bestimmen.
Die ältesten Gebäude stehen rund um den Dreimarkt. Spätere Stadtviertel wuchsen wie breite Arme entlang der Ausfallstraßen. Mehrfach wurden neue Abschnitte in die Befestigungen einbezogen, sodass die Mauer einen unregelmäßigen, annähernd dreieckigen Verlauf erhielt.
Stadtbild
Dreisprung besitzt kein einzelnes Bauwerk, das die Stadt beherrscht. Ihr Wahrzeichen ist vielmehr die ungewöhnliche Anlage ihres Zentrums. Auf dem großen, dreieckigen Dreimarkt treffen die Kalescher, die Adarer und die Diesheimer Straße zusammen. In seiner Mitte steht der Dreiweiser, ein alter Steinpfeiler mit drei gemeißelten Armen. Entfernungsangaben trägt er nicht, denn die Fuhrleute behaupten, die Straßen selbst wüssten besser als jeder Stein, wie weit ihr Weg sei.
Vom Dreimarkt führen drei breite Hauptstraßen zu den gleichnamigen Stadttoren. Nahe dem Zentrum stehen mehrgeschossige Stein- und Fachwerkhäuser mit offenen Laubengängen. In den Erdgeschossen liegen Läden, Schankräume und Schreibstuben; darüber wohnen Händler, Beamte und wohlhabende Handwerker. Zu den Mauern hin werden die Häuser niedriger und gehen in Stallungen, Schuppen und große Wagenhöfe über.
Außerhalb der Tore haben sich Vorstädte gebildet. Dort befinden sich geruchsintensive Gewerbe, Viehmärkte und billige Unterkünfte für Tagelöhner. Reisende, die erst nach Schließung der Tore eintreffen, finden hier stets ein Lager – wenn auch nicht immer ein sicheres.

Der Dreimarkt
Auf dem Dreimarkt werden weniger Waren an Endkunden verkauft als zwischen Händlern weitergegeben. Ladungen aus Kalesch werden auf Wagen für Adar und das Zweistromtal verteilt, während Erzeugnisse aus dem Osten und Westen zu größeren Transporten für die Hauptstadt zusammengestellt werden. Unter den überdachten Lauben arbeiten Schreiber, Geldwechsler und Warenprüfer.
Der Markt schläft kaum. Noch vor Sonnenaufgang treffen die ersten Bauern ein, tagsüber beherrschen Händler und Fuhrleute den Platz, und nach Einbruch der Dunkelheit werden unter Bewachung besonders wertvolle Ladungen bewegt.
Die Wagenhöfe
Eine Besonderheit Dreisprungs sind seine zahlreichen Wagenhöfe. Die größten sind ummauerte Anlagen mit Ställen, Werkstätten, Schlafsälen, Küchen und eigenen Wachmannschaften. Gegen eine Gebühr können Kaufleute dort ihre Wagen und Waren unterstellen. Manche Höfe gehören einzelnen Handelshäusern, andere werden von Fuhrmannsfamilien oder Herbergswirten geführt.
Radmacher, Stellmacher, Schmiede und Sattler genießen in Dreisprung einen hervorragenden Ruf. Ein verbreitetes Sprichwort besagt, dass ein Wagen, der Dreisprung aus eigener Kraft erreiche, die Stadt auch wieder wie neu verlassen könne – sofern sein Besitzer bezahlen könne.
Das Haus der Straße
Am Dreimarkt steht das Haus der Straße, der örtliche Sitz der kaiserlichen Handelsbehörde. Von hier aus werden die umliegenden Abschnitte der Großen Handelsstraße instand gehalten. Beamte erfassen Warenzüge, erheben Wegeabgaben und teilen den Straßenwachen ihre Bezirke zu.
In den Gewölben lagern Ersatzwerkzeuge, Bauholz, Pflastersteine und Vorräte für Notfälle. Außerdem werden dort Karten, Reisegenehmigungen und Berichte über Räuberbanden verwahrt. Das Haus ist deshalb zugleich Verwaltungsgebäude, Zeughaus und Nachrichtenstelle.
Tempel und Schreine
Der größte Tempel der Stadt ist Mernat geweiht. Händler bitten dort vor Vertragsabschlüssen um Glück und lassen besonders erfolgreiche Geschäfte auf kleinen Metalltafeln verewigen. Der Jedek-Kult unterhält am Dreimarkt ein Gericht, das vor allem Streitfälle zwischen Reisenden, Fuhrleuten und Handelshäusern behandelt.
An jedem der drei Stadttore steht zudem ein kleiner Schrein. Reisende legen dort Münzen, Hufnägel oder abgebrochene Wagenteile nieder, um für eine sichere Fahrt zu danken.
Herrschaft und Sicherheit
Dreisprung gehört zu einem der alten Verwaltungsbezirke Cors und wird im Namen des Kaisers durch den örtlichen Adel verwaltet. Wegen der Bedeutung des Straßenknotens besitzt jedoch auch die kaiserliche Handelsbehörde weitreichende Befugnisse. Fragen des Straßenverkehrs, der Wegeabgaben und der Sicherheit von Warenzügen fallen unmittelbar in ihren Zuständigkeitsbereich.
Diese geteilte Verantwortung führt regelmäßig zu Streit. Die städtischen Amtsträger beanspruchen die Gerichtsbarkeit innerhalb der Mauern, während die Beamten der Handelsbehörde Vergehen auf der Großen Handelsstraße als kaiserliche Angelegenheit betrachten. Wohlhabende Handelshäuser verstehen es, beide Seiten gegeneinander auszuspielen.
Die Stadtwache schützt Tore, Märkte und Wohnviertel. Auf den Straßen außerhalb der Mauern patrouillieren Soldaten der Handelsbehörde und angeheuerte Söldner. Wie in vielen Städten entlang der Handelsstraße besitzt auch Dreisprung mehrere Söldnergilden. Zwischen ihnen kommt es besonders dann zu Spannungen, wenn ein einträglicher Auftrag vergeben wird.
Wirtschaft
Dreisprungs wichtigstes Gewerbe ist nicht die Herstellung, sondern die Verteilung von Waren. Die Kaufleute verdienen am Umladen, Lagern, Prüfen und Weiterverkaufen der Fracht. Hinzu kommen Wegeabgaben, Stallgebühren und die Versorgung der zahllosen Reisenden.
Aus Kalesch erreichen Luxuswaren, Bücher, technische Erzeugnisse und Güter aus den südlichen Teilen Ganthors die Stadt. Über den östlichen Weg kommen Metallwaren, Stein und Rüstungsgüter aus Adar sowie Waren aus dem Halblingreich. Der westliche Weg bringt Getreide, Obst, Wein, Vieh und Flussfische aus dem Zweistromtal.
Ein weiterer bedeutender Erwerbszweig ist die Vermittlung von Transporten. Die sogenannten Wegschreiber stellen Wagenzüge zusammen, vermitteln Fuhrleute und Söldner und berechnen, welche Strecke für eine Ladung am schnellsten oder am günstigsten ist. Erfahrene Wegschreiber verfügen über ein weitreichendes Netz aus Boten, Wirten und Informanten.
Bevölkerung und Alltag
Die Bevölkerung Dreisprungs ist für eine Stadt Cors ungewöhnlich wechselhaft. Neben den dauerhaft ansässigen Bürgern halten sich täglich zahlreiche Händler, Pilger, Soldaten, Handwerker und Abenteurer in der Stadt auf. Menschen stellen die Mehrheit, doch auch Halblinge, Zwerge, Halboger und Angehörige verschiedener Mischvölker sind im Straßenbild alltäglich.
Der Rhythmus des Lebens richtet sich nach den Wagenzügen. Die Ankunft einer reichen Karawane kann ein ganzes Viertel für mehrere Tage beleben, während Unwetter, Straßenschäden oder Gerüchte über Räuber die Stadt merklich leeren. Neuigkeiten verbreiten sich schnell, sind aber selten zuverlässig. In den Schankstuben Dreisprungs kann dasselbe Ereignis an einem Abend in drei völlig unterschiedlichen Fassungen erzählt werden – je nachdem, aus welchem Tor der Erzähler gekommen ist.
Bedeutende Orte
- Der Dreimarkt – Mittelpunkt der Stadt und größter Umschlagplatz.
- Der Dreiweiser – alter Steinpfeiler am Schnittpunkt der Hauptstraßen.
- Das Haus der Straße – Sitz der Handelsbehörde und der Straßenwache.
- Der Kupferne Radkranz – einer der größten Wagenhöfe; bekannt für zuverlässige Reparaturen und hohe Preise.
- Die Halle des Mernat – wichtigster Tempel der Kaufleute und Fuhrleute.
- Die Drei Laternen – große Herberge am Dreimarkt, deren Schankräume rund um die Uhr geöffnet sind.
- Der Seilergarten – lang gestreckter Handwerkerhof, in dem Zugseile, Planen und Geschirre hergestellt werden.
Gerüchte und Gefahren
- Mehrere Wagenzüge sind auf unterschiedlichen Straßen verschwunden, obwohl alle von derselben Söldnergilde bewacht wurden.
- Im Haus der Straße soll eine alte Karte liegen, auf der ein vierter, heute vergessener Weg von Dreisprung eingezeichnet ist.
- Zwei Handelshäuser manipulieren angeblich die Meldungen über Straßenschäden, um ihre Konkurrenten auf längere Strecken zu zwingen.
- Unter dem Dreimarkt verlaufen zugemauerte Keller des ursprünglichen Handelspostens. In einem davon soll noch die Kriegskasse eines längst untergegangenen Fürstenhauses liegen.