Uria: Unterschied zwischen den Versionen
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= | [[Datei:Uria_Stadtansicht.png|mini|hochkant=1.7|Die terrassierte Ringstadt Uria am Rand der Faora]] | ||
'''Uria''' ist mit rund 200.000 Einwohnern eine der größten Städte der [[:Kategorie:Südlande|Südlande]] und vermutlich deren älteste noch bestehende Metropole. Die Stadt wurde auf und in einem gewaltigen ringförmigen Erdwall errichtet, der einen Kessel von etwa einer Meile Durchmesser umschließt. Terrassen, Treppen, Rampen und Brücken lassen die Bebauung wie eine steinerne Landschaft aus dem Wüstenboden aufsteigen. | |||
Die Höhe, auf der ein Mensch lebt, bestimmt in Uria seinen Rang und seine Lebensbedingungen. Auf den obersten Innenringen liegen Gärten und Paläste, während sich in den tieferen Ebenen Handwerker, Tagelöhner und Arme drängen. Das Wasser fließt von oben nach unten durch die Stadt und verliert dabei zunehmend an Qualität. Gesellschaftliche Stellung und Zugang zu sauberem Wasser sind deshalb untrennbar miteinander verbunden. | |||
== Lage und Stadtanlage == | |||
Uria liegt im Osten der Südlande zwischen den Ausläufern des [[:Kategorie:Großer Rücken|Großen Rückens]] und der [[Faora]]. Wer von [[Gilgardor]] kommt, erreicht die Stadt nach einer fast zweiwöchigen Reise durch die Wüste. Schon aus großer Entfernung sind die grünen oberen Terrassen und das gewaltige Segeldach über dem inneren Kessel zu erkennen. | |||
Der Ringwall ist auf beiden Seiten terrassiert. An seiner Außenseite liegen drei große Stufen; auf der Innenseite führen zwölf bebaute Terrassen zum Kesselgrund hinab. Zahlreiche kleine Treppen verbinden benachbarte Ebenen. Größere Rampen dienen Lasttieren, Wagen und dem Warentransport. | |||
=== Die drei Eingangsschluchten === | |||
Drei tiefe Einschnitte durchbrechen den Ringwall und führen von außen bis zum Kesselgrund. Die Schluchten sind bis zu 90 Schritt tief, ungefähr 30 Schritt breit und zwischen 100 und 400 Schritt lang. Ihre hohen Wände spenden Reisenden und Tieren Schatten. | |||
Stabile Brücken verbinden die voneinander getrennten Terrassen oberhalb der Einschnitte. Gewaltige Tore können jede Schlucht vollständig sperren. Unmittelbar an den Zugängen liegen große Karawansereien. Dort werden Tiere versorgt, Waren zwischengelagert und mit Kränen oder über Rampen auf die verschiedenen Ebenen verteilt. | |||
Die Eingangsschluchten sind Urias wichtigste Handelswege und zugleich seine verwundbarsten Stellen. Wachen kontrollieren Reisende, Ladungen und Passierscheine. Im Verteidigungsfall verwandeln die Tore und darüberliegenden Brücken die schattigen Verkehrswege in schwer zu überwindende Festungsanlagen. | |||
=== Das große Segeldach === | |||
Vor etwa 70 Jahren erhielt Uria sein jüngstes Wahrzeichen. Ein berechnetes Geflecht aus mächtigen Tauen und großen Balken trägt schwere Segeltuchplanen über dem Kessel und weiten Teilen der inneren Terrassen. Die Konstruktion schützt die Bewohner vor der sengenden Sonne und vor unangenehmen Fallwinden aus dem Gebirge. Selbst den gelegentlichen Sandstürmen hält sie stand. | |||
Das Dach wird von Gelehrten zu den Wundern Ganthors gezählt. Es bedeckt jedoch nicht die Außenseite des Ringwalls. Dort müssen die Bewohner mit kleineren Stoffbahnen, schmalen Gassen, überbauten Durchgängen, dicken Lehmwänden und geschützten Innenhöfen selbst für Schatten und Windschutz sorgen. | |||
== Wasserversorgung == | |||
Ein mächtiges Aquädukt leitet Wasser aus dem 40 Meilen entfernten [[Eumoril]] nach Uria. Da der Fluss im Großen Rücken entspringt, besitzt das Wasser an der Ableitstelle genügend Gefälle, um bis zur obersten Terrasse zu gelangen. | |||
Dort speist das Aquädukt einen teilweise überdachten Kanal, der den Ring der Stadt umläuft. Schleusen verteilen das Wasser auf die äußeren Terrassen und in die zwölf Innenringe. Von Ebene zu Ebene fließt es weiter nach unten. Brunnen, Gärten, Werkstätten und Haushalte nutzen es nacheinander, weshalb seine Qualität mit sinkender Höhe deutlich abnimmt. | |||
=== Die Gilde des Wassers === | |||
Die Gilde des Wassers wartet Aquädukt, Ringkanal und Schleusen. Sie überwacht den Verbrauch und verfolgt Verschwendung, Diebstahl und unerlaubte Leitungen mit großer Härte. Anders als die Wassergilde Brandals regiert sie die Stadt jedoch nicht. Ihre Macht bleibt auf Versorgung und Verbrauchskontrolle konzentriert, auch wenn sie dadurch erheblichen Einfluss auf Rat, Häuser und Bevölkerung besitzt. | |||
Die Gilde kann einzelne Ebenen oder Leitungsabschnitte sperren. Gemeinsam mit den Toren zwischen den Ringen wurde dies wiederholt genutzt, um Unruhen in den unteren Stadtteilen zu beenden. Wer eingeschlossen wird und kein Wasser mehr erhält, kann nur wenige Tage Widerstand leisten. | |||
=== Versorgung der äußeren Terrassen === | |||
Auf der oberen Außenterrasse besitzen die Anwesen der Reichen eigene Anschlüsse oder gut gesicherte Zisternen. Die unteren äußeren Terrassen werden dagegen über öffentliche Ausgabestellen versorgt. Diese Anlagen sind so angelegt, dass Zugänge, Warteschlangen und ausgegebene Mengen leicht kontrolliert werden können. Wachen und Schreiber prüfen, wer Wasser erhält und welche Abgaben entrichtet wurden. | |||
Neuankömmlinge ohne anerkanntes Bürgerrecht zahlen höhere Gebühren als alteingesessene Bewohner. Erst nach ihrer Registrierung und dauerhaften Aufnahme in die Stadt sinken die Abgaben. Wer die Gebühren nicht aufbringen kann, ist auf Arbeitgeber, Herbergen oder wohlhabende Gönner angewiesen. Wasser wird dadurch bereits vor dem Eintritt in die inneren Ringe zum wichtigsten Mittel sozialer Kontrolle. | |||
=== Wasserqualität und Abwasser === | |||
Die oberen Ebenen erhalten sauberes, frisches Wasser. In den mittleren Ringen wurde die Versorgung vor etwa 20 Jahren verbessert, nachdem Handwerker und Händler mit einer gemeinsamen Arbeitsverweigerung drohten. Seitdem besitzen sie eigene Zuflüsse, bevor das Wasser durch die tieferen Viertel geleitet wird. | |||
In den unteren Ringen ist das Wasser häufig bereits verunreinigt. Krankheiten sind verbreitet, und Betrüger verkaufen vermeintliche Heilmittel oder angeblich gereinigtes Wasser. Am Kesselgrund nehmen alte Minen und Höhlen einen Teil des Abwassers auf. Kanäle spülen Unrat weit aus der Stadt hinaus, wo er in der Wüste austrocknet und von Sand und Wind bedeckt wird. | |||
In den unteren Ringen | |||
== | == Die Stadtbereiche == | ||
===Die | === Die äußeren Terrassen === | ||
==Handel== | Die Außenseite Urias besteht aus drei breiten Terrassen. Die steilen Außenflanken der Terrassen bilden gemeinsam die eigentliche Stadtmauer. Wachwege, Tore und befestigte Abschnitte machen sie zu einem gewaltigen Verteidigungsbollwerk. Auf den begehbaren Flächen hinter den Mauerkanten entstehen zugleich immer neue Häuser, Werkstätten, Lager und Herbergen. | ||
Die Händler | |||
Hier leben vor allem Menschen, die erst kürzlich nach Uria gekommen sind: Karawanenarbeiter, Lastenträger, Handwerker ohne eigene Werkstatt, Flüchtlinge, Händler ohne Bürgerrecht und Bedienstete der äußeren Anwesen. Die Bebauung wächst schnell und weitgehend ungeplant. Zwischen älteren Wachanlagen stehen einfache Lehmhäuser, Ställe, provisorische Unterkünfte und kleine Märkte. | |||
Da das Segeldach die Außenterrassen nicht erreicht, überspannen die Bewohner einzelne Gassen mit kleineren Stoffbahnen. Arkaden, tiefe Hauseingänge und versetzte Mauern bieten Schutz vor Sonne und Wind. Die vielen unterschiedlichen Lösungen verleihen den neuen Vierteln ein unruhigeres, weniger einheitliches Bild als den alten Innenringen. | |||
Die obere Außenterrasse wurde größtenteils von den fünf Häusern, reichen Händlern und anderen einflussreichen Familien übernommen. Ihre Anwesen besitzen Gärten, ummauerte Höfe und private Wasserzugänge. Manche Grundstücke reichen über den Scheitel des Ringwalls bis auf die begrünten oberen Innenringe. | |||
=== Die oberen Innenringe === | |||
[[Datei:Uria_Innere_Ringe.png|mini|hochkant=1.4|Die begrünten oberen und dicht bebauten unteren Innenringe]] | |||
Die beiden obersten Innenringe gleichen einem ausgedehnten Garten. Palmen, Blumenbeete und schattige Höfe umgeben die großen Häuser und Paläste des Adels. Reiche Händler und einflussreiche Magier leben ebenfalls hier. Sauberes Wasser steht in großer Menge zur Verfügung und wird nicht nur zum Trinken, sondern auch für Ziergärten und Becken verwendet. | |||
Die Bewohner zeigen ihren Wohlstand offen. Dienerschaft, private Wachen und aufwendige Gebäude prägen das Straßenbild. Die fünf Häuser besitzen mehrere Residenzen, in denen ihre weit verzweigten Familien leben. Von hier aus kontrollieren sie Rat, Handel und einen großen Teil des gesellschaftlichen Lebens. | |||
=== Die mittleren Innenringe === | |||
In den mittleren Ringen wohnen Handwerker, Ladenbesitzer und etablierte Händler. Werkstätten, Kontore und kleinere Märkte füllen die Terrassen. Die Verbesserung der Wasserversorgung vor 20 Jahren brachte gesündere Lebensbedingungen und erhöhte zugleich Menge und Qualität der hergestellten Waren. | |||
Viele Bewohner der mittleren Ringe beschäftigen Tagelöhner aus den unteren Ebenen oder den äußeren Vierteln. Diese benötigen Passierscheine und häufig die schriftliche Bestätigung ihres Auftraggebers, um die Tore zu passieren. Auch Warenlieferungen zwischen den Ebenen werden kontrolliert. | |||
=== Die unteren Innenringe === | |||
Die unteren Ringe sind dicht bebaut und werden von Tagelöhnern, Gelegenheitsarbeitern und armen Familien bewohnt. Das Wasser ist von den oberen Ebenen bereits mehrfach genutzt worden und oft kaum mehr als Brauchwasser. Krankheiten, schlechte Ernährung und beengte Häuser bestimmen den Alltag. | |||
Die Stadtwache kontrolliert die Tore zu den höheren Ebenen. Nur wer einen gültigen Passierschein besitzt, darf sie durchqueren. Bei Unruhen werden die Tore geschlossen und die Wasserzufuhr gesperrt. Auf diese Weise konnten bislang alle größeren Aufstände niedergeschlagen werden. | |||
In den unteren Ringen befindet sich das '''Haus der Diebe'''. Der ummauerte Häuserblock dient der Diebesgilde als Hauptquartier. Vermutlich leitet die Gilde heimlich frisches Wasser aus einem höheren Ring in ihr Viertel. Bewohner der Umgebung schöpfen deshalb bevorzugt an Leitungen in seiner Nähe, wo das Wasser auffällig sauber ist. | |||
=== Der Kesselgrund === | |||
Die erschlossene Hälfte des Kesselgrunds wird vom '''Arme-Leute-Markt''' beherrscht. Zwischen Baracken und Zelten verkaufen Bewohner selbst gefertigte Waren, gebrauchte Gegenstände und einfache Lebensmittel. Schausteller bieten Zirkusattraktionen, Glücksspiele und Wettkämpfe an. Die Diebesgilde und andere zwielichtige Händler nutzen das Gedränge für ihre Geschäfte. | |||
Die andere Hälfte ist von Höhlen und Spuren längst vergangenen Bergbaus durchzogen. In einigen Stollen wird noch immer Obsidian gewonnen. Gerber, Minenarbeiter und die Ärmsten der Armen leben in den zugänglichen Höhlen und Kammern. Einstürze, Abwasser und unbekannte alte Gänge machen diesen Teil des Kessels gefährlich. | |||
== Herrschaft und Politik == | |||
Uria wird vom '''Rat der fünf Häuser''' regiert. Diese Familien betrachten sich als Nachkommen der Gründer und bilden seit alters her den Adel der Stadt. Der Rat erlässt Gesetze und entscheidet über die politische Ausrichtung Urias. | |||
Nach einem versuchten Umsturz des Hauses Raid wurden Verwaltung und Rechtsprechung dem Orden des [[Götter der Südlande#Jedek|Jedek]] übertragen. Ein Jedek-Priester führt den Vorsitz im Rat und muss dessen Gesetze bestätigen. Damit begrenzt der Orden die Macht der Häuser, ohne sie vollständig zu ersetzen. | |||
Die Häuser sind seit Jahrhunderten zerstritten. Alte Fehden, Ansprüche und persönliche Kränkungen führen zu ständig wechselnden Bündnissen. Wiederholt stand Uria am Rand eines Bürgerkriegs. Außenstehende, Tempel und Gilden werden regelmäßig in die Intrigen hineingezogen. | |||
=== Die fünf Häuser von Uria === | |||
* '''Haus Karim''' betrachtet sich als ältestes und edelstes Haus Urias. Sein Stammbaum reicht weiter zurück als die Aufzeichnungen der übrigen Familien. Der Anspruch, allein zur Herrschaft berechtigt zu sein, hat Karim zahlreiche Feinde eingebracht. | |||
* '''Haus Mahir''' ist für herausragende Handwerker, Ingenieure und Künstler bekannt. In fast jeder Generation bringt es mindestens ein außergewöhnliches Talent hervor. Das Haus bemüht sich, in den Fehden der übrigen Familien neutral zu bleiben. | |||
* '''Haus Mukthar''' strebt mit großer Beharrlichkeit nach Ämtern und Einfluss. Familienmitglieder wurden gezielt in Tempel und Orden entsandt. Manche blieben ihrem Haus treu, andere wandten sich während ihrer Ausbildung vollständig dem jeweiligen Kult zu. | |||
* '''Haus Raid''' ist der wichtigste Rivale Karims und begründet seinen eigenen Herrschaftsanspruch mit einem beinahe ebenso weit zurückreichenden Stammbaum. Ein früherer Versuch, den Rat abzusetzen, führte zur heutigen Machtstellung des Jedek-Ordens. | |||
* '''Haus Rushd''' hält sich meist aus dem offenen Machtkampf heraus. Die Familie hat zahlreiche Magier hervorgebracht. Deren beträchtliche Kräfte und ihre häufig weltfremde Haltung werden von den übrigen Häusern gleichermaßen unterschätzt und misstrauisch beobachtet. | |||
=== Uria und die Allianz === | |||
Uria spielte eine zentrale Rolle bei der Entstehung der [[Südlande Geschichte#Die Allianz von Uria|Allianz von Uria]]. Ein schwerer Wasserstreit mit Brandal schwächte beide Städte und ermöglichte einen Vorstoß mittelländischer Truppen bis kurz vor Uria. Erst das Eingreifen des Jedek-Ordens beendete den Konflikt und vereinte die Stadtstaaten gegen den gemeinsamen Gegner. | |||
Heute gehört Uria neben [[Brandal]], [[Amal]] und [[Radgar]] zu den vier Mitgliedern der Allianz. Das Verhältnis zu Brandal bleibt besonders schlecht. Nach der Enttarnung brandalischer Agenten wurden die offiziellen Beziehungen und der direkte Handel abgebrochen. Waren werden jedoch weiterhin über Gilgardor ausgetauscht. | |||
== Geschichte == | |||
=== Die Gründungssage === | |||
Uria soll ungefähr 2.000 Jahre alt sein. Von seiner Gründung berichtet eine mündlich überlieferte Sage, deren Wahrheitsgehalt sich nicht mehr überprüfen lässt. | |||
Nach dem Meteoriteneinschlag erreichten Überlebende eine vom Wind ausgeschliffene Mulde. Bei der Suche nach Wasser fanden sie nur hartes, matt glänzendes Obsidian. Die Zwerge des Großen Rückens verweigerten zunächst jede Hilfe. Erst als sie einen Splitter des schwarzen Gesteins sahen, erkannten sie darin das „Blut [[Demographie Großer Rücken#Gottheiten|Brindoschs]]“. | |||
Die Zwerge erhielten das Recht, den Stein abzubauen, und errichteten dafür den Menschen das große Aquädukt. Der Anführer der Überlebenden soll die ringförmige Stadt nach den Wellen in einem Wasserfass entworfen haben. Daraufhin begannen Menschen und Zwerge, die gewaltigen Terrassen aus dem Wall und in den Kessel zu schlagen. | |||
=== Spätere Geschichte === | |||
Über viele Jahrhunderte führte Uria Kriege und Fehden gegen Brandal und Amal. Besonders Streit um Oasen, Handelswege und Wasser aus dem Großen Rücken belastete die Beziehungen. Nach dem Aufstieg Gilgardors wuchs der Wohlstand der Stadt, zugleich geriet sie stärker in den Blick des Mittelreichs. | |||
Uria verbündete sich mit Brandal und Amal gegen das Expeditionsheer Kaiser Samons VII. und erklärte im Jahr 290 v. Ill. seine Unabhängigkeit. Der spätere Wasserkrieg mit Brandal und der erneute Vorstoß des Mittelreichs führten im Jahr 275 v. Ill. zur Gründung der Allianz von Uria. Eine ausführliche Chronologie enthält der Artikel [[Südlande Geschichte|Geschichte der Südlande]]. | |||
== Gesellschaft und Ordnung == | |||
Die soziale Trennung Urias wird durch die Stadtanlage täglich sichtbar. Tore, Treppen und Rampen verbinden die Ebenen, können sie aber ebenso voneinander abschneiden. Ein Bewohner der unteren Ringe benötigt die Erlaubnis eines Auftraggebers, um in einer höheren Ebene zu arbeiten. Neuankömmlinge müssen zunächst auf den äußeren Terrassen leben und höhere Wassergebühren entrichten. | |||
Die reguläre Stadtwache bewacht Tore, Brücken, Märkte und die Übergänge der wohlhabenderen Ebenen. In den unteren Ringen setzt Uria zusätzlich Söldner aus den Stämmen der [[Wüstlinge]] ein. Sie übernehmen gefährliche und bei den regulären Wachen unbeliebte Patrouillen. Für viele von ihnen bietet der Dienst Zugang zu Metall, Werkzeugen und anderen Gütern, die ihre Stämme in der Faora benötigen. | |||
Bei der einfachen Bevölkerung sind diese Söldner gefürchtet. Ihre Härte beruht sowohl auf ihrer Ausbildung für das Leben in der Wüste als auch auf dem Auftrag, Unruhen in den ärmsten Vierteln rasch und gewaltsam zu beenden. | |||
== Wirtschaft und Handel == | |||
=== Handel über Gilgardor === | |||
Die meisten Händler Urias wickeln ihre Geschäfte über [[Gilgardor]] ab. Die Zölle sind dort niedriger als in den großen Stadtstaaten, und die unabhängige Karawanenstadt ist weniger von deren politischen Auseinandersetzungen betroffen. Für Kaufleute sind die Gefahren der Wüste oft berechenbarer als plötzlich verhängte Strafzölle oder Handelsblockaden. | |||
Karawanen erreichen Uria durch die drei Eingangsschluchten. In den dortigen Karawansereien werden Waren auf kleinere Wagen, Lasttiere oder Träger verteilt. Kräne und Rampen ermöglichen den Transport auf die Terrassen. Die mittleren Ringe sind das wichtigste Ziel für Rohstoffe und Handelswaren, während hochwertige Güter unmittelbar zu den Anwesen der oberen Ebenen gelangen. | |||
=== Handel mit den Zwergen === | |||
Unter Uria wird noch immer seltenes Obsidian gefördert. Für die Menschen besitzt es nur begrenzten Wert, für manche Zwerge gilt es dagegen als heiliges „Blut Brindoschs“. Dieser Rohstoff öffnete Uria den Zugang zu ansonsten verschlossenen Zwergensippen des Großen Rückens. | |||
Neben Obsidian liefern die Menschen Nahrungsmittel, erlesene Obstbrände und andere Luxuswaren. Die Zwerge bezahlen mit Gold und Edelsteinen, gelegentlich auch mit hochwertigen Waffen und Rüstungen, von denen manche magischer Natur sind. | |||
=== Handwerk und Märkte === | |||
Die mittleren Innenringe bilden das Zentrum des Handwerks. Haus Mahir, die Gilde von Gwygat und zahlreiche unabhängige Werkstätten tragen zum Ruf urianischer Ingenieure, Künstler und Handwerker bei. Einfache Waren und Reparaturen werden auch auf den äußeren Terrassen angeboten, während der Arme-Leute-Markt vor allem die Bedürfnisse der unteren Bevölkerung bedient. | |||
== Religion und Magie == | |||
Der Jedek-Orden ist die wichtigste religiöse und staatstragende Kraft Urias. Seine Priester verwalten die Stadt, sprechen Recht und beaufsichtigen den Rat. Zugleich vertreten sie die gemeinsamen Gesetze der Allianz und entscheiden bei Streitigkeiten um Wasser aus dem Großen Rücken. | |||
Die übrigen Kulte der Südlande besitzen ebenfalls Tempel und Anhänger in der Stadt, sind jedoch politisch weniger einflussreich. Haus Mukthar versucht seit Langem, über Familienmitglieder in Priesterämtern Einfluss auf die Kulte zu gewinnen. | |||
Das '''Kolleg der Macht''' ist die bekannteste magische Lehrstätte Urias. Daneben stehen einzelne Magier im Dienst der Häuser, wohlhabender Händler oder der Stadtverwaltung. Besonders Haus Rushd hat zahlreiche mächtige Magiebegabte hervorgebracht. | |||
== Bedeutende Orte und Organisationen == | |||
* Die '''drei Karawansereien''' an den Eingangsschluchten sind die wichtigsten Umschlagplätze des Fernhandels. | |||
* Der '''Arme-Leute-Markt''' beherrscht die erschlossene Hälfte des Kesselgrunds. | |||
* Das '''Haus der Diebe''' ist ein ummauerter Häuserblock in den unteren Innenringen und Hauptsitz der Diebesgilde. | |||
* Das '''Kolleg der Macht''' ist die wichtigste magische Lehrstätte der Stadt. | |||
* Die '''Gilde von Gwygat''' gehört zu den bedeutenden Gilden des urianischen Handwerks. | |||
* Die '''Gilde des Wassers''' kontrolliert Aquädukt, Ringkanal, Schleusen und Ausgabestellen. | |||
* Die '''alten Minen''' unter dem Kessel dienen dem Obsidianabbau, als Abwassersystem und als Wohnort der ärmsten Bevölkerung. | |||
== Gerüchte und Abenteuerideen == | |||
* An einer Ausgabestelle der äußeren Terrassen werden Neuankömmlinge für Wasser registriert, die niemals nach Uria gelangt sind. Jemand nutzt ihre Namen und Abgabenbescheide. | |||
* Unter einem neu errichteten Haus bricht eine Terrasse ein und legt einen alten zwergischen Gang frei. Haus Karim, die Gilde des Wassers und mehrere Bergleute beanspruchen den Zugang. | |||
* Ein Teil des Segeldachs beginnt sich bei Wind ungewöhnlich zu senken. Die zuständigen Arbeiter sind verschwunden, und an mehreren Tragseilen wurden saubere Schnitte entdeckt. | |||
* Ein Mitglied des Hauses Raid besitzt angeblich Beweise dafür, dass die Gründungssage Urias absichtlich verändert wurde und ein sechstes Haus aus den Aufzeichnungen entfernt worden ist. | |||
* In der Nähe des Hauses der Diebe fließt plötzlich kein sauberes Wasser mehr. Kurz darauf erkranken mehrere Verwalter der Gilde des Wassers. | |||
* Ein Jedek-Richter verweigert die Bestätigung eines neuen Gesetzes des Rates. Noch in derselben Nacht schließen die fünf Häuser ein unerwartetes Bündnis gegen ihn. | |||
[[Kategorie:Ganthor]] | |||
[[Kategorie:Südlande]] | |||
[[Kategorie:Siedlungen]] | |||
Aktuelle Version vom 15. August 2026, 15:10 Uhr
| Daten und Fakten | |
| Lage: | Südlande, Osten |
| Einwohnerzahl: | 200.000 |
| Regierung: | Rat der fünf Häuser unter Aufsicht des Jedek-Ordens |
| Stadteinteilung: | äußere Terrassen, obere Innenringe, mittlere Innenringe, untere Innenringe, Kesselgrund |
| Gilden und Schulen: | Gilde des Wassers, Kolleg der Macht, Gilde von Gwygat, Haus der Diebe |

Uria ist mit rund 200.000 Einwohnern eine der größten Städte der Südlande und vermutlich deren älteste noch bestehende Metropole. Die Stadt wurde auf und in einem gewaltigen ringförmigen Erdwall errichtet, der einen Kessel von etwa einer Meile Durchmesser umschließt. Terrassen, Treppen, Rampen und Brücken lassen die Bebauung wie eine steinerne Landschaft aus dem Wüstenboden aufsteigen.
Die Höhe, auf der ein Mensch lebt, bestimmt in Uria seinen Rang und seine Lebensbedingungen. Auf den obersten Innenringen liegen Gärten und Paläste, während sich in den tieferen Ebenen Handwerker, Tagelöhner und Arme drängen. Das Wasser fließt von oben nach unten durch die Stadt und verliert dabei zunehmend an Qualität. Gesellschaftliche Stellung und Zugang zu sauberem Wasser sind deshalb untrennbar miteinander verbunden.
Lage und Stadtanlage
Uria liegt im Osten der Südlande zwischen den Ausläufern des Großen Rückens und der Faora. Wer von Gilgardor kommt, erreicht die Stadt nach einer fast zweiwöchigen Reise durch die Wüste. Schon aus großer Entfernung sind die grünen oberen Terrassen und das gewaltige Segeldach über dem inneren Kessel zu erkennen.
Der Ringwall ist auf beiden Seiten terrassiert. An seiner Außenseite liegen drei große Stufen; auf der Innenseite führen zwölf bebaute Terrassen zum Kesselgrund hinab. Zahlreiche kleine Treppen verbinden benachbarte Ebenen. Größere Rampen dienen Lasttieren, Wagen und dem Warentransport.
Die drei Eingangsschluchten
Drei tiefe Einschnitte durchbrechen den Ringwall und führen von außen bis zum Kesselgrund. Die Schluchten sind bis zu 90 Schritt tief, ungefähr 30 Schritt breit und zwischen 100 und 400 Schritt lang. Ihre hohen Wände spenden Reisenden und Tieren Schatten.
Stabile Brücken verbinden die voneinander getrennten Terrassen oberhalb der Einschnitte. Gewaltige Tore können jede Schlucht vollständig sperren. Unmittelbar an den Zugängen liegen große Karawansereien. Dort werden Tiere versorgt, Waren zwischengelagert und mit Kränen oder über Rampen auf die verschiedenen Ebenen verteilt.
Die Eingangsschluchten sind Urias wichtigste Handelswege und zugleich seine verwundbarsten Stellen. Wachen kontrollieren Reisende, Ladungen und Passierscheine. Im Verteidigungsfall verwandeln die Tore und darüberliegenden Brücken die schattigen Verkehrswege in schwer zu überwindende Festungsanlagen.
Das große Segeldach
Vor etwa 70 Jahren erhielt Uria sein jüngstes Wahrzeichen. Ein berechnetes Geflecht aus mächtigen Tauen und großen Balken trägt schwere Segeltuchplanen über dem Kessel und weiten Teilen der inneren Terrassen. Die Konstruktion schützt die Bewohner vor der sengenden Sonne und vor unangenehmen Fallwinden aus dem Gebirge. Selbst den gelegentlichen Sandstürmen hält sie stand.
Das Dach wird von Gelehrten zu den Wundern Ganthors gezählt. Es bedeckt jedoch nicht die Außenseite des Ringwalls. Dort müssen die Bewohner mit kleineren Stoffbahnen, schmalen Gassen, überbauten Durchgängen, dicken Lehmwänden und geschützten Innenhöfen selbst für Schatten und Windschutz sorgen.
Wasserversorgung
Ein mächtiges Aquädukt leitet Wasser aus dem 40 Meilen entfernten Eumoril nach Uria. Da der Fluss im Großen Rücken entspringt, besitzt das Wasser an der Ableitstelle genügend Gefälle, um bis zur obersten Terrasse zu gelangen.
Dort speist das Aquädukt einen teilweise überdachten Kanal, der den Ring der Stadt umläuft. Schleusen verteilen das Wasser auf die äußeren Terrassen und in die zwölf Innenringe. Von Ebene zu Ebene fließt es weiter nach unten. Brunnen, Gärten, Werkstätten und Haushalte nutzen es nacheinander, weshalb seine Qualität mit sinkender Höhe deutlich abnimmt.
Die Gilde des Wassers
Die Gilde des Wassers wartet Aquädukt, Ringkanal und Schleusen. Sie überwacht den Verbrauch und verfolgt Verschwendung, Diebstahl und unerlaubte Leitungen mit großer Härte. Anders als die Wassergilde Brandals regiert sie die Stadt jedoch nicht. Ihre Macht bleibt auf Versorgung und Verbrauchskontrolle konzentriert, auch wenn sie dadurch erheblichen Einfluss auf Rat, Häuser und Bevölkerung besitzt.
Die Gilde kann einzelne Ebenen oder Leitungsabschnitte sperren. Gemeinsam mit den Toren zwischen den Ringen wurde dies wiederholt genutzt, um Unruhen in den unteren Stadtteilen zu beenden. Wer eingeschlossen wird und kein Wasser mehr erhält, kann nur wenige Tage Widerstand leisten.
Versorgung der äußeren Terrassen
Auf der oberen Außenterrasse besitzen die Anwesen der Reichen eigene Anschlüsse oder gut gesicherte Zisternen. Die unteren äußeren Terrassen werden dagegen über öffentliche Ausgabestellen versorgt. Diese Anlagen sind so angelegt, dass Zugänge, Warteschlangen und ausgegebene Mengen leicht kontrolliert werden können. Wachen und Schreiber prüfen, wer Wasser erhält und welche Abgaben entrichtet wurden.
Neuankömmlinge ohne anerkanntes Bürgerrecht zahlen höhere Gebühren als alteingesessene Bewohner. Erst nach ihrer Registrierung und dauerhaften Aufnahme in die Stadt sinken die Abgaben. Wer die Gebühren nicht aufbringen kann, ist auf Arbeitgeber, Herbergen oder wohlhabende Gönner angewiesen. Wasser wird dadurch bereits vor dem Eintritt in die inneren Ringe zum wichtigsten Mittel sozialer Kontrolle.
Wasserqualität und Abwasser
Die oberen Ebenen erhalten sauberes, frisches Wasser. In den mittleren Ringen wurde die Versorgung vor etwa 20 Jahren verbessert, nachdem Handwerker und Händler mit einer gemeinsamen Arbeitsverweigerung drohten. Seitdem besitzen sie eigene Zuflüsse, bevor das Wasser durch die tieferen Viertel geleitet wird.
In den unteren Ringen ist das Wasser häufig bereits verunreinigt. Krankheiten sind verbreitet, und Betrüger verkaufen vermeintliche Heilmittel oder angeblich gereinigtes Wasser. Am Kesselgrund nehmen alte Minen und Höhlen einen Teil des Abwassers auf. Kanäle spülen Unrat weit aus der Stadt hinaus, wo er in der Wüste austrocknet und von Sand und Wind bedeckt wird.
Die Stadtbereiche
Die äußeren Terrassen
Die Außenseite Urias besteht aus drei breiten Terrassen. Die steilen Außenflanken der Terrassen bilden gemeinsam die eigentliche Stadtmauer. Wachwege, Tore und befestigte Abschnitte machen sie zu einem gewaltigen Verteidigungsbollwerk. Auf den begehbaren Flächen hinter den Mauerkanten entstehen zugleich immer neue Häuser, Werkstätten, Lager und Herbergen.
Hier leben vor allem Menschen, die erst kürzlich nach Uria gekommen sind: Karawanenarbeiter, Lastenträger, Handwerker ohne eigene Werkstatt, Flüchtlinge, Händler ohne Bürgerrecht und Bedienstete der äußeren Anwesen. Die Bebauung wächst schnell und weitgehend ungeplant. Zwischen älteren Wachanlagen stehen einfache Lehmhäuser, Ställe, provisorische Unterkünfte und kleine Märkte.
Da das Segeldach die Außenterrassen nicht erreicht, überspannen die Bewohner einzelne Gassen mit kleineren Stoffbahnen. Arkaden, tiefe Hauseingänge und versetzte Mauern bieten Schutz vor Sonne und Wind. Die vielen unterschiedlichen Lösungen verleihen den neuen Vierteln ein unruhigeres, weniger einheitliches Bild als den alten Innenringen.
Die obere Außenterrasse wurde größtenteils von den fünf Häusern, reichen Händlern und anderen einflussreichen Familien übernommen. Ihre Anwesen besitzen Gärten, ummauerte Höfe und private Wasserzugänge. Manche Grundstücke reichen über den Scheitel des Ringwalls bis auf die begrünten oberen Innenringe.
Die oberen Innenringe

Die beiden obersten Innenringe gleichen einem ausgedehnten Garten. Palmen, Blumenbeete und schattige Höfe umgeben die großen Häuser und Paläste des Adels. Reiche Händler und einflussreiche Magier leben ebenfalls hier. Sauberes Wasser steht in großer Menge zur Verfügung und wird nicht nur zum Trinken, sondern auch für Ziergärten und Becken verwendet.
Die Bewohner zeigen ihren Wohlstand offen. Dienerschaft, private Wachen und aufwendige Gebäude prägen das Straßenbild. Die fünf Häuser besitzen mehrere Residenzen, in denen ihre weit verzweigten Familien leben. Von hier aus kontrollieren sie Rat, Handel und einen großen Teil des gesellschaftlichen Lebens.
Die mittleren Innenringe
In den mittleren Ringen wohnen Handwerker, Ladenbesitzer und etablierte Händler. Werkstätten, Kontore und kleinere Märkte füllen die Terrassen. Die Verbesserung der Wasserversorgung vor 20 Jahren brachte gesündere Lebensbedingungen und erhöhte zugleich Menge und Qualität der hergestellten Waren.
Viele Bewohner der mittleren Ringe beschäftigen Tagelöhner aus den unteren Ebenen oder den äußeren Vierteln. Diese benötigen Passierscheine und häufig die schriftliche Bestätigung ihres Auftraggebers, um die Tore zu passieren. Auch Warenlieferungen zwischen den Ebenen werden kontrolliert.
Die unteren Innenringe
Die unteren Ringe sind dicht bebaut und werden von Tagelöhnern, Gelegenheitsarbeitern und armen Familien bewohnt. Das Wasser ist von den oberen Ebenen bereits mehrfach genutzt worden und oft kaum mehr als Brauchwasser. Krankheiten, schlechte Ernährung und beengte Häuser bestimmen den Alltag.
Die Stadtwache kontrolliert die Tore zu den höheren Ebenen. Nur wer einen gültigen Passierschein besitzt, darf sie durchqueren. Bei Unruhen werden die Tore geschlossen und die Wasserzufuhr gesperrt. Auf diese Weise konnten bislang alle größeren Aufstände niedergeschlagen werden.
In den unteren Ringen befindet sich das Haus der Diebe. Der ummauerte Häuserblock dient der Diebesgilde als Hauptquartier. Vermutlich leitet die Gilde heimlich frisches Wasser aus einem höheren Ring in ihr Viertel. Bewohner der Umgebung schöpfen deshalb bevorzugt an Leitungen in seiner Nähe, wo das Wasser auffällig sauber ist.
Der Kesselgrund
Die erschlossene Hälfte des Kesselgrunds wird vom Arme-Leute-Markt beherrscht. Zwischen Baracken und Zelten verkaufen Bewohner selbst gefertigte Waren, gebrauchte Gegenstände und einfache Lebensmittel. Schausteller bieten Zirkusattraktionen, Glücksspiele und Wettkämpfe an. Die Diebesgilde und andere zwielichtige Händler nutzen das Gedränge für ihre Geschäfte.
Die andere Hälfte ist von Höhlen und Spuren längst vergangenen Bergbaus durchzogen. In einigen Stollen wird noch immer Obsidian gewonnen. Gerber, Minenarbeiter und die Ärmsten der Armen leben in den zugänglichen Höhlen und Kammern. Einstürze, Abwasser und unbekannte alte Gänge machen diesen Teil des Kessels gefährlich.
Herrschaft und Politik
Uria wird vom Rat der fünf Häuser regiert. Diese Familien betrachten sich als Nachkommen der Gründer und bilden seit alters her den Adel der Stadt. Der Rat erlässt Gesetze und entscheidet über die politische Ausrichtung Urias.
Nach einem versuchten Umsturz des Hauses Raid wurden Verwaltung und Rechtsprechung dem Orden des Jedek übertragen. Ein Jedek-Priester führt den Vorsitz im Rat und muss dessen Gesetze bestätigen. Damit begrenzt der Orden die Macht der Häuser, ohne sie vollständig zu ersetzen.
Die Häuser sind seit Jahrhunderten zerstritten. Alte Fehden, Ansprüche und persönliche Kränkungen führen zu ständig wechselnden Bündnissen. Wiederholt stand Uria am Rand eines Bürgerkriegs. Außenstehende, Tempel und Gilden werden regelmäßig in die Intrigen hineingezogen.
Die fünf Häuser von Uria
- Haus Karim betrachtet sich als ältestes und edelstes Haus Urias. Sein Stammbaum reicht weiter zurück als die Aufzeichnungen der übrigen Familien. Der Anspruch, allein zur Herrschaft berechtigt zu sein, hat Karim zahlreiche Feinde eingebracht.
- Haus Mahir ist für herausragende Handwerker, Ingenieure und Künstler bekannt. In fast jeder Generation bringt es mindestens ein außergewöhnliches Talent hervor. Das Haus bemüht sich, in den Fehden der übrigen Familien neutral zu bleiben.
- Haus Mukthar strebt mit großer Beharrlichkeit nach Ämtern und Einfluss. Familienmitglieder wurden gezielt in Tempel und Orden entsandt. Manche blieben ihrem Haus treu, andere wandten sich während ihrer Ausbildung vollständig dem jeweiligen Kult zu.
- Haus Raid ist der wichtigste Rivale Karims und begründet seinen eigenen Herrschaftsanspruch mit einem beinahe ebenso weit zurückreichenden Stammbaum. Ein früherer Versuch, den Rat abzusetzen, führte zur heutigen Machtstellung des Jedek-Ordens.
- Haus Rushd hält sich meist aus dem offenen Machtkampf heraus. Die Familie hat zahlreiche Magier hervorgebracht. Deren beträchtliche Kräfte und ihre häufig weltfremde Haltung werden von den übrigen Häusern gleichermaßen unterschätzt und misstrauisch beobachtet.
Uria und die Allianz
Uria spielte eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Allianz von Uria. Ein schwerer Wasserstreit mit Brandal schwächte beide Städte und ermöglichte einen Vorstoß mittelländischer Truppen bis kurz vor Uria. Erst das Eingreifen des Jedek-Ordens beendete den Konflikt und vereinte die Stadtstaaten gegen den gemeinsamen Gegner.
Heute gehört Uria neben Brandal, Amal und Radgar zu den vier Mitgliedern der Allianz. Das Verhältnis zu Brandal bleibt besonders schlecht. Nach der Enttarnung brandalischer Agenten wurden die offiziellen Beziehungen und der direkte Handel abgebrochen. Waren werden jedoch weiterhin über Gilgardor ausgetauscht.
Geschichte
Die Gründungssage
Uria soll ungefähr 2.000 Jahre alt sein. Von seiner Gründung berichtet eine mündlich überlieferte Sage, deren Wahrheitsgehalt sich nicht mehr überprüfen lässt.
Nach dem Meteoriteneinschlag erreichten Überlebende eine vom Wind ausgeschliffene Mulde. Bei der Suche nach Wasser fanden sie nur hartes, matt glänzendes Obsidian. Die Zwerge des Großen Rückens verweigerten zunächst jede Hilfe. Erst als sie einen Splitter des schwarzen Gesteins sahen, erkannten sie darin das „Blut Brindoschs“.
Die Zwerge erhielten das Recht, den Stein abzubauen, und errichteten dafür den Menschen das große Aquädukt. Der Anführer der Überlebenden soll die ringförmige Stadt nach den Wellen in einem Wasserfass entworfen haben. Daraufhin begannen Menschen und Zwerge, die gewaltigen Terrassen aus dem Wall und in den Kessel zu schlagen.
Spätere Geschichte
Über viele Jahrhunderte führte Uria Kriege und Fehden gegen Brandal und Amal. Besonders Streit um Oasen, Handelswege und Wasser aus dem Großen Rücken belastete die Beziehungen. Nach dem Aufstieg Gilgardors wuchs der Wohlstand der Stadt, zugleich geriet sie stärker in den Blick des Mittelreichs.
Uria verbündete sich mit Brandal und Amal gegen das Expeditionsheer Kaiser Samons VII. und erklärte im Jahr 290 v. Ill. seine Unabhängigkeit. Der spätere Wasserkrieg mit Brandal und der erneute Vorstoß des Mittelreichs führten im Jahr 275 v. Ill. zur Gründung der Allianz von Uria. Eine ausführliche Chronologie enthält der Artikel Geschichte der Südlande.
Gesellschaft und Ordnung
Die soziale Trennung Urias wird durch die Stadtanlage täglich sichtbar. Tore, Treppen und Rampen verbinden die Ebenen, können sie aber ebenso voneinander abschneiden. Ein Bewohner der unteren Ringe benötigt die Erlaubnis eines Auftraggebers, um in einer höheren Ebene zu arbeiten. Neuankömmlinge müssen zunächst auf den äußeren Terrassen leben und höhere Wassergebühren entrichten.
Die reguläre Stadtwache bewacht Tore, Brücken, Märkte und die Übergänge der wohlhabenderen Ebenen. In den unteren Ringen setzt Uria zusätzlich Söldner aus den Stämmen der Wüstlinge ein. Sie übernehmen gefährliche und bei den regulären Wachen unbeliebte Patrouillen. Für viele von ihnen bietet der Dienst Zugang zu Metall, Werkzeugen und anderen Gütern, die ihre Stämme in der Faora benötigen.
Bei der einfachen Bevölkerung sind diese Söldner gefürchtet. Ihre Härte beruht sowohl auf ihrer Ausbildung für das Leben in der Wüste als auch auf dem Auftrag, Unruhen in den ärmsten Vierteln rasch und gewaltsam zu beenden.
Wirtschaft und Handel
Handel über Gilgardor
Die meisten Händler Urias wickeln ihre Geschäfte über Gilgardor ab. Die Zölle sind dort niedriger als in den großen Stadtstaaten, und die unabhängige Karawanenstadt ist weniger von deren politischen Auseinandersetzungen betroffen. Für Kaufleute sind die Gefahren der Wüste oft berechenbarer als plötzlich verhängte Strafzölle oder Handelsblockaden.
Karawanen erreichen Uria durch die drei Eingangsschluchten. In den dortigen Karawansereien werden Waren auf kleinere Wagen, Lasttiere oder Träger verteilt. Kräne und Rampen ermöglichen den Transport auf die Terrassen. Die mittleren Ringe sind das wichtigste Ziel für Rohstoffe und Handelswaren, während hochwertige Güter unmittelbar zu den Anwesen der oberen Ebenen gelangen.
Handel mit den Zwergen
Unter Uria wird noch immer seltenes Obsidian gefördert. Für die Menschen besitzt es nur begrenzten Wert, für manche Zwerge gilt es dagegen als heiliges „Blut Brindoschs“. Dieser Rohstoff öffnete Uria den Zugang zu ansonsten verschlossenen Zwergensippen des Großen Rückens.
Neben Obsidian liefern die Menschen Nahrungsmittel, erlesene Obstbrände und andere Luxuswaren. Die Zwerge bezahlen mit Gold und Edelsteinen, gelegentlich auch mit hochwertigen Waffen und Rüstungen, von denen manche magischer Natur sind.
Handwerk und Märkte
Die mittleren Innenringe bilden das Zentrum des Handwerks. Haus Mahir, die Gilde von Gwygat und zahlreiche unabhängige Werkstätten tragen zum Ruf urianischer Ingenieure, Künstler und Handwerker bei. Einfache Waren und Reparaturen werden auch auf den äußeren Terrassen angeboten, während der Arme-Leute-Markt vor allem die Bedürfnisse der unteren Bevölkerung bedient.
Religion und Magie
Der Jedek-Orden ist die wichtigste religiöse und staatstragende Kraft Urias. Seine Priester verwalten die Stadt, sprechen Recht und beaufsichtigen den Rat. Zugleich vertreten sie die gemeinsamen Gesetze der Allianz und entscheiden bei Streitigkeiten um Wasser aus dem Großen Rücken.
Die übrigen Kulte der Südlande besitzen ebenfalls Tempel und Anhänger in der Stadt, sind jedoch politisch weniger einflussreich. Haus Mukthar versucht seit Langem, über Familienmitglieder in Priesterämtern Einfluss auf die Kulte zu gewinnen.
Das Kolleg der Macht ist die bekannteste magische Lehrstätte Urias. Daneben stehen einzelne Magier im Dienst der Häuser, wohlhabender Händler oder der Stadtverwaltung. Besonders Haus Rushd hat zahlreiche mächtige Magiebegabte hervorgebracht.
Bedeutende Orte und Organisationen
- Die drei Karawansereien an den Eingangsschluchten sind die wichtigsten Umschlagplätze des Fernhandels.
- Der Arme-Leute-Markt beherrscht die erschlossene Hälfte des Kesselgrunds.
- Das Haus der Diebe ist ein ummauerter Häuserblock in den unteren Innenringen und Hauptsitz der Diebesgilde.
- Das Kolleg der Macht ist die wichtigste magische Lehrstätte der Stadt.
- Die Gilde von Gwygat gehört zu den bedeutenden Gilden des urianischen Handwerks.
- Die Gilde des Wassers kontrolliert Aquädukt, Ringkanal, Schleusen und Ausgabestellen.
- Die alten Minen unter dem Kessel dienen dem Obsidianabbau, als Abwassersystem und als Wohnort der ärmsten Bevölkerung.
Gerüchte und Abenteuerideen
- An einer Ausgabestelle der äußeren Terrassen werden Neuankömmlinge für Wasser registriert, die niemals nach Uria gelangt sind. Jemand nutzt ihre Namen und Abgabenbescheide.
- Unter einem neu errichteten Haus bricht eine Terrasse ein und legt einen alten zwergischen Gang frei. Haus Karim, die Gilde des Wassers und mehrere Bergleute beanspruchen den Zugang.
- Ein Teil des Segeldachs beginnt sich bei Wind ungewöhnlich zu senken. Die zuständigen Arbeiter sind verschwunden, und an mehreren Tragseilen wurden saubere Schnitte entdeckt.
- Ein Mitglied des Hauses Raid besitzt angeblich Beweise dafür, dass die Gründungssage Urias absichtlich verändert wurde und ein sechstes Haus aus den Aufzeichnungen entfernt worden ist.
- In der Nähe des Hauses der Diebe fließt plötzlich kein sauberes Wasser mehr. Kurz darauf erkranken mehrere Verwalter der Gilde des Wassers.
- Ein Jedek-Richter verweigert die Bestätigung eines neuen Gesetzes des Rates. Noch in derselben Nacht schließen die fünf Häuser ein unerwartetes Bündnis gegen ihn.