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Südlande Geschichte: Unterschied zwischen den Versionen

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Aufgrund der lebensfeindlichen [[Faora|Wüste]] und des undurchdringlichen [[Dschungel|Dschungels]], die den Großteil der südlichen Landmasse ausmachen, haben sich vier große Bevölkerungszentren gebildet, andere Siedlungen sind überaus selten.
Die Geschichte der '''Südlande''' ist vor allem die Geschichte ihrer vier großen Stadtstaaten [[Brandal]], [[Uria]], [[Amal]] und [[Radgar]]. Über viele Jahrhunderte führten sie Kriege gegeneinander, rangen um Wasser, Handelswege und Einfluss und entwickelten dabei sehr unterschiedliche Herrschaftsformen. Erst die gemeinsame Bedrohung durch das [[:Kategorie:Mittelreich|Mittelreich]] zwang sie zu einer dauerhaften politischen Ordnung: der [[#Die Allianz von Uria|Allianz von Uria]].
Insgesamt drei große Städte liegen einige Meilen westlich von den Ausläufern des [[Großer Rücken|Großen Rückens]]. Von hier erhalten sie genügend Wasser, um ihre Landwirtschaft zu sichern. Mittlerweile liegt ein Dutzende Meilen breiter grüner Ring um [[Bandral]], die nördlichste der Metropolen, der von tausenden Arbeitern täglich bestellt wird. Die südlichste Stadt, [[Amal]], besitzt zudem einen geschützten natürlichen Hafen zwischen den hohen Gebirgsausläufern des Rückens. 
Die vierte große Stadt ist die freie Handelsstadt [[Radgar]]. Piraten, Sklavenjäger und Abenteuerlustige leben in dieser Stadt und warten nur auf eine günstige Gelegenheit, Profit zu machen. Die Stadt erhebt keinerlei Handelszölle, daher lohnt es sich sogar für [[Nordländer]], hier vor Anker zu gehen, um ihre Waren an den Mann zu bringen.
In den drei großen Städten leben über 80 % der Bevölkerung der [[:Kategorie:Südlande|Südlande]]. Die übrigen 20 % leben in kleinen Dörfern in Küstennähe, sowie in Radgar oder in [[Gilgardor]]. Jede der drei Städte regiert sich selbst und ist durch Verträge und Verpflichtungen den anderen Städten gegenüber gebunden. Radgar wird offiziell von einem kleinen Rat regiert, jedoch sind es mehr die mächtigen Diebes- und Piratenbanden, die dort tatsächlich den Ton angeben.
Somit gibt es ein gemeinschaftlich regiertes Reich der Südlande überhaupt nicht, jedoch sind die Einflussgebiete der Städte derart groß, dass jeder [[Südländer]] sich gegenüber einer der Städte zugehörig fühlt. Steuern zahlen nur diejenigen, die in den Städten leben, jedoch ist das Leben außerhalb der Städte derart schwer, dass Tausende das steuerpflichtige Stadtleben vorziehen.
==Geschichte der Südlande==
Die Entstehung der südländischen Stadtstaaten geht auf die wirren Jahrhunderte nach dem Einschlag des Meteoriten zurück. Die Geschichtsschreibung der Stadtstaaten ist mit Lücken behaftet, doch Gelehrte konnten die Siedlungen auf ein Alter von ca. 1000 Jahren zurückdatieren, die Stadt [[Uria]] sogar auf 2000 Jahre. Häufige Kriege und Fehden zwischen den Stadtstaaten machten eine fortführende Geschichtsschreibung oft unmöglich, so dass durchgängige Aufzeichnungen nur über die letzten 500 Jahre vorliegen.
Um das angespannte Verhältnis zwischen dem [[:Kategorie:Mittelreich|Kaiserreich]] und den Südlanden sowie die aktuelle innenpolitische Situation besser verstehen zu können, folgt eine chronologische Aufarbeitung der wichtigsten Ereignisse der letzten 300 Jahre. Aufgrund der unterschiedlichen Zeitrechnungen in den Süd- und Mittellanden wird als Referenz die Thronbesteigung des Kaisers [[Illiasan]] als Jahr 0 gewertet. Ereignisse vor bzw. nach diesem Datum werden mit v. Ill. bzw. n. Ill. datiert.
*Bis vor ca. 300 Jahren stehen die Südlande unter nomineller Herrschaft des mittelländischen Kaisers. Ähnlich wie in [[:Kategorie:Borrograd|Borrograd]] reichen Macht und Einfluss des Kaisers jedoch nicht aus, um diese weit entfernten Gebiete zu verwalten. Da die Südlande militärisch und wirtschaftlich nicht attraktiv genug sind, belassen es die Kaiser auf einer Selbstverwaltung des Südens und kümmern sich nicht um die Angelegenheiten dort.
*'''Ca. 300 v. Ill.:''' Mit der Gründung der Karawanserei [[Gilgardor]] erblüht der Handel zwischen den südländischen Städten. Die vier Stadtstaaten steigen schnell zu Wirtschaftsmächten auf. Auch der Handel mit Borrograd über [[Radgar]] vervielfacht sich aufgrund des großen Warenangebots aus den östlichen Städten. Der Wohlstand der Stadtstaaten zieht die Aufmerksamkeit des Kaisers auf sich. Er fordert Zölle und Abgaben und schickt Beauftragte in die wohlhabendsten Städte Radgar, Gilgardor und [[Amal]]. Die betroffenen Stadtstaaten verweigern Abgabe der Zölle und weisen die kaiserlichen Beauftragten aus.
*'''292 v. Ill.:''' Kaiser Meitas I. schickt ein Expeditionsheer, das auch durch die Gebiete von [[Brandal]] und Uria zieht, was diese verärgert.
*'''291 v. Ill.:''' Die Häfen von Radgar und Amal werden monatelang blockiert. Dies hat verheerende Folgen für die Bevölkerung.
*'''291 v. Ill.:''' Uria, Brandal und Amal verbünden sich und schlagen das Expeditionsheer mit Hilfe zwergischer Söldner.
*'''290 v. Ill.:''' Die Stadtstaaten erklären sich unabhängig und beginnen mit dem Bau der großen Mauer.
*'''289 v. Ill.:''' Kaiser Meitas erkennt die Unabhängigkeit nicht an, schickt aber kein weiteres Expeditionsheer, sondern riegelt die Grenze vollständig ab (auch für den Handel). Die Seeblockade wird aufrechterhalten.
*'''Ab 287 v. Ill.:''' Bezahlt von den Stadtstaaten gehen Freibeuter durch Schmuggel und Überfälle gegen die Seeblockade vor. Dies wird als Geburtsstunde des Piratenwesens der Südlande gesehen.
*'''280 v. Ill.:''' Aufgrund von Streitigkeiten mit den [[Zwerge]]n wird der Bau der großen Mauer abgebrochen. Die halbfertige Mauer wird dennoch vom südländischen Orden des [[Ignatus]] bewacht. In Festungen an beiden Enden der Mauer hat der Orden der Bewacher seine Basis.
*'''278 v. Ill. - 276 v. Ill.:''' Ein Streit um die Wasserverteilung im [[Großen Rücken]] zwischen Uria und Brandal führt zu schweren Unruhen. Kaiserliche Grenztruppen nutzen das Chaos, überwinden die Mauer und stoßen bis kurz vor Uria vor. Angehörige des [[Jedek]]-Ordens entführen die Anführer der streitenden Städte und erzwingen einen Waffenstillstand. Das wiedervereinte, aber geschwächte Heer schafft es unter hohen Verlusten, die kaiserlichen Truppen zurückzuschlagen.
*'''275 v. Ill.:''' Gründung der [[#Die Allianz von Uria|Allianz von Uria]]. Am Ort des Sieges setzt der Jedek-Orden eine Allianz der Stadtstaaten durch und schlägt ein in Grundzügen einheitliches Rechtssystem sowie eine Regelung der Wasserversorgung vor. Beides wird angenommen.
*'''277 v. Ill. – 10 v. Ill.:''' Ein brüchiger Friede zieht in den Südlanden ein. Die verbündeten Städte haben jedoch noch alte Rechnungen offen: Da sie diese nicht in offenen Kriegen austragen können, werden Stellvertreterkriege geführt, oft in Form von Adelsfehden, Auftragsmorden und Sabotage, manchmal aber auch als Zusammenstöße von kleinen Söldnerheeren. Der Handel der Südlande erblüht wieder, die [[Nordländer|Nordmänner]] von Borrograd werden zu festen Handelspartnern der Südlande. Die Grenze zum [[:Kategorie:Mittelreich|Kaiserreich]] bleibt abgeschottet. 
*'''160 v. Ill.:''' Überfälle von [[Orks]] aus den Bergen häufen sich. 159 v. Il. schlägt die Allianz mehrere Orkstämme zurück, die die Wasserversorgung von Uria unterbrochen haben.
*'''130 – 120 v. Ill.:''' Mehrere Schlachten mit Orks im Großen Rücken fordern das Militär der Allianz, so dass notgedrungen die Wache an der Mauer vernachlässigt wird. Spione von Kaiser Danthares nutzen dies und sorgen dafür, dass ein Heer der Mittellande die Mauer passieren kann, die Wüste im Eiltempo umgeht und Radgar belagert. Nach drei Monaten fällt die Stadt und wird vom Kaiserreich besetzt. Eine Rückeroberung scheint ausgeschlossen, bis die Gilde der Assassinen sich anbietet, für eine enorme Summe Geld und künftige Straffreiheit der Allianz zu helfen. Die Stadt Radgar wird nach zwei Jahren Fremdherrschaft zurückerobert, als in einer Nacht sämtliche Anführer der Mittelländer unter geheimnisvollen Umständen verschwinden oder sterben. Seit dieser Zeit hat das Kaiserreich keine Versuche mehr unternommen, in die Südlande vorzudringen.
*'''5 v. Ill.:''' "Affäre von Asim". In der vom Ignatus-Orden gehaltenen Festung Asim an der Mauer wird ein hoher Würdenträger der Ignatus-Kirche aus dem Kaiserreich angetroffen. Daraufhin wird der Orden von der Grenze zum Kaiserreich abgezogen, betroffene Truppenteile werden in den Süden und auf die Waldinseln versetzt. Der Jedek-Orden übernimmt die geräumten Festungen.
*'''Kurz nach Kaiser Illiasans Thronbesteigung:''' [[Illiasan]] unterwirft sich nicht der Rechtsprechung des Jedek-Ordens. Der Jedek-Orden der Allianz von Uria betrachtet dies als Provokation oder gar Drohung. Diplomatische Verhandlungen laufen, die Spannungen zwischen den Reichen nehmen wieder zu.


==Die Allianz von Uria==
Die Überlieferung ist lückenhaft. Kriege, Zerstörungen und wechselnde Zeitrechnungen erschweren eine durchgängige Chronologie. Gesicherte Aufzeichnungen reichen in den meisten Städten kaum mehr als 500 Jahre zurück. Einzelne Siedlungen lassen sich etwa 1.000 Jahre zurückverfolgen, während [[Uria]] nach den dortigen Überlieferungen bereits vor ungefähr 2.000 Jahren gegründet wurde.
Die Allianz von Uria wurde vom Orden des [[Jedek]] und den vier Stadtstaaten der [[:Kategorie:Südlande|Südlande]] gegründet. [[Gilgardor]], das nicht als Staat betrachtet wurde, gehört dieser Allianz nicht an. Der Vertrag umfasst sechs Eckpunkt, die heute noch gültig sind:
 
*Jedes Mitglied der Allianz wird als eigener Staat betrachtet.
== Zeitrechnung ==
*Die Mitglieder der Allianz von Uria verpflichten sich, füreinander einzustehen und das Staatsgebiet eines Mitgliedes zu verteidigen, als wäre es das eigene Gebiet.
 
*Die Mitglieder der Allianz werden keinen Krieg gegeneinander führen.
Die Stadtstaaten verwenden teilweise eigene Kalender. Für die gemeinsame Chronologie wird die Thronbesteigung des mittelländischen Kaisers [[Illiasan]] als Bezugspunkt verwendet. Ereignisse davor werden mit '''v. Ill.''', Ereignisse danach mit '''n. Ill.''' bezeichnet.
*Im Gebiet der Allianz gelten einheitliche Gesetze für Kapitalverbrechen. Die übrige Rechtsprechung unterliegt dem jeweiligen Staat.  
 
*Wasservorkommen im [[Großer Rücken|Großen Rücken]] sind nach dem gerechten Urteil des Jedek-Ordens zu verteilen.  
Besonders ausführliche Aufzeichnungen besitzt [[Amal]]. Dort beginnt die Zeitrechnung mit dem Jahr 1 „nach Gwygats Segen“ ('''n. G.'''). Dieses entspricht dem Jahr 599 v. Ill. Die Gegenwart, das Jahr 600 n. G., entspricht dem Jahr 1 n. Ill.
*Verletzt ein Mitglied der Allianz einen der Grundsätze, so wird der Herrscher des Staates durch den Orden des Jedek seines Amtes enthoben. Im Notfall müssen die übrigen Mitglieder der Allianz mit Waffengewalt gegen einen Abtrünnigen vorgehen.
 
{| class="wikitable"
! Zeitrechnung der Südlande
! Zeitrechnung Amals
! Ereignis
|-
| 300 v. Ill.
| 300 n. G.
| Aufstieg Gilgardors und wachsende Aufmerksamkeit des Mittelreichs
|-
| 292–291 v. Ill.
| 308–309 n. G.
| Feldzug und Seeblockade des Mittelreichs
|-
| 290 v. Ill.
| 310 n. G.
| Unabhängigkeitserklärungen und Beginn des Mauerbaus
|-
| 289 v. Ill.
| 311 n. G.
| Abriegelung der Grenze durch Kaiser Samon VII.
|-
| 278–276 v. Ill.
| 322–324 n. G.
| Wasserstreit und erneuter Einfall des Mittelreichs
|-
| 275 v. Ill.
| 325 n. G.
| Gründung der Allianz von Uria
|-
| 1 n. Ill.
| 600 n. G.
| Gegenwart
|}
 
== Die frühen Stadtstaaten ==
 
Die ältesten Berichte stammen aus den Jahrhunderten nach dem Einschlag des großen Meteoriten. Die Katastrophe verwüstete weite Gebiete des Südens und wird in den Überlieferungen mit der Entstehung der [[Faora]] verbunden. Während große Teile des Landes zu Wüste wurden, überlebten oder entstanden am Rand des [[:Kategorie:Großer Rücken|Großen Rückens]] neue Siedlungszentren. Dort boten Quellen und Flüsse die Möglichkeit, durch Aquädukte und Bewässerungsanlagen größere Gemeinschaften zu versorgen.
 
Uria gilt als älteste der heutigen Metropolen. Nach der Gründungssage halfen Zwerge beim Bau des großen Aquädukts, nachdem sie unter der späteren Stadt Obsidian entdeckt hatten. Brandal und Amal entstanden wesentlich später. Radgar entwickelte sich an der Westküste zu einem Hafen zwischen dem [[Drachenkopf|Drachenkopfgebirge]] und dem Dschungel.
 
Die Stadtstaaten bildeten zunächst keine gemeinsame politische Ordnung. Jeder von ihnen kontrollierte sein Umland, seine Wasserwege und seine Handelsverbindungen selbst. Bündnisse waren meist von kurzer Dauer. Fehden, Grenzstreitigkeiten und Kämpfe um Oasen oder Zuflüsse gehörten über Jahrhunderte zum Verhältnis der Städte.
 
Auch die erhaltene Geschichte Amals berichtet von dieser Zeit: Um das Jahr 400 v. Ill. stritten Amal, Uria und Brandal um eine Oase am Rand der Faora. Mehrere kleinere Kriege und Scharmützel brachten den Handel zwischen den Städten zeitweise zum Erliegen. Als Ungeheuer das umkämpfte Gebiet unbrauchbar machten, verlor die Oase ihre Bedeutung, ohne dass der grundlegende Gegensatz zwischen den Städten beigelegt worden wäre.
 
Zwischen 349 und 330 v. Ill. eskalierte der Konflikt zwischen Amal und Uria erneut. Nach der Ermordung des Amaler Hohepriesters Thesar durch Assassinen aus Uria folgten wechselseitige Anschläge. Mehrere Priester Amals und Generäle Urias wurden getötet; drei Siedlungen Urias im Großen Rücken verschwanden unter ungeklärten Umständen. Diese Auseinandersetzungen zeigen, dass die Stadtstaaten bereits vor ihrer späteren Allianz offene Kriege häufig durch Attentate und andere verdeckte Mittel ergänzten.
 
== Der Aufstieg Gilgardors ==
 
Um 300 v. Ill. wurde in der Faora die Karawanserei [[Gilgardor]] gegründet. Ihre Lage an einer Oase und ihre vergleichsweise niedrigen Zölle machten sie rasch zum wichtigsten Handelsplatz im Inneren der Südlande. Karawanen verbanden dort Brandal, Uria und Amal miteinander. Waren aus den östlichen Städten gelangten über Gilgardor nach Radgar und von dort über das Meer bis nach [[:Kategorie:Borrograd|Borrograd]].
 
Der wachsende Handel vermehrte den Wohlstand aller vier Stadtstaaten. Zugleich erregte er die Aufmerksamkeit Kaiser Samons VII. Die Südlande standen zu dieser Zeit noch unter der nominellen Herrschaft des mittelländischen Kaisers. Dessen tatsächlicher Einfluss hatte jedoch nie ausgereicht, um die weit entfernten Städte dauerhaft zu verwalten. Solange die Region als arm und schwer zugänglich galt, hatten frühere Kaiser ihre Selbstverwaltung geduldet.
 
Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg änderte sich diese Haltung. Samon VII. verlangte Zölle und Abgaben und entsandte Beauftragte nach Radgar und Amal. Beide Städte verweigerten die Zahlung und wiesen die kaiserlichen Vertreter aus.
 
== Der Unabhängigkeitskrieg ==
 
=== Der Feldzug Samons VII. ===
 
Im Jahr 292 v. Ill. – nach Amaler Rechnung 308 n. G. – schickte Kaiser Samon VII. ein Expeditionsheer in die Südlande. Dessen Marsch führte auch durch die Einflussgebiete Brandals und Urias und brachte damit weitere Stadtstaaten gegen das Mittelreich auf.
 
Gleichzeitig begann die kaiserliche Flotte, die südlichen Seewege zu sperren. Besonders die Häfen von Radgar und Amal waren von der Blockade betroffen. In Amal dauerte sie bis 291 v. Ill. an und hatte verheerende Folgen für die Versorgung der Bevölkerung.
 
Im Jahr 291 v. Ill. verbündeten sich Uria, Brandal und Amal gegen das Expeditionsheer. Mit Hilfe zwergischer Söldner gelang es ihnen, die mittelländischen Truppen zu schlagen.
 
=== Unabhängigkeit und Große Mauer ===
 
Im Jahr 290 v. Ill. – 310 n. G. nach Amaler Rechnung – erklärten sich die vier Stadtstaaten jeweils für unabhängig. Es entstand noch kein gemeinsamer südländischer Staat; jede Stadt beanspruchte ihre Freiheit für sich.
 
Auf Initiative Brandals und Radgars begann zugleich der Bau der [[Die Mauer|Großen Mauer]] an der Grenze zum Mittelreich. Zwergische Baumeister und Arbeiter sollten eine Befestigung errichten, die künftige Vorstöße aus dem Norden verhindern würde. Brandal und Radgar trugen den größten Teil der Finanzierung, weshalb die Arbeiten in der Nähe ihrer Einflussgebiete am schnellsten vorankamen.
 
Kaiser Samon VII. erkannte die Unabhängigkeit nicht an. Im Jahr 289 v. Ill. ließ er die Grenze vollständig schließen und hielt die Seeblockade aufrecht. Da ein weiterer großer Feldzug ausblieb, versuchten die Stadtstaaten, die Abriegelung durch Schmuggel und Freibeuter zu umgehen. Ab 287 v. Ill. gingen von ihnen bezahlte Kapitäne gezielt gegen kaiserliche Schiffe und Handelsbeschränkungen vor. Diese Zeit gilt als Geburtsstunde des später berüchtigten Piratenwesens der Südlande.
 
Der Bau der Großen Mauer endete bereits um 280 v. Ill. nach Streitigkeiten mit den beteiligten Zwergen. Die Gründe und die ausstehenden Verpflichtungen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Obwohl das Bauwerk unvollendet blieb, bildete es weiterhin eine mächtige Grenzbefestigung. Zunächst übernahm der Orden des [[Götter der Südlande#In'raal|In'raal]] die Bewachung der Mauer und ihrer Festungen.
 
== Wasserstreit und Gründung der Allianz ==
 
Zwischen 278 und 276 v. Ill. gerieten Brandal und Uria wegen der Verteilung von Wasser aus dem Großen Rücken in einen schweren Konflikt. Die Unruhen schwächten die Verteidigung beider Städte. Kaiserliche Grenztruppen nutzten die Gelegenheit, überwanden die Große Mauer und stießen bis kurz vor Uria vor.
 
Der Orden des [[Götter der Südlande#Jedek|Jedek]] griff in den Streit ein. Seine Angehörigen setzten die Anführer der verfeindeten Städte fest und erzwangen einen Waffenstillstand. Brandal und Uria stellten sich daraufhin gemeinsam gegen die Eindringlinge. Radgar und Amal traten ihnen bei. Amal setzte seine inzwischen stark ausgebaute Flotte ein und schlug die kaiserlichen Seestreitkräfte vor Radgar. Nach schweren Kämpfen wurden auch die Landtruppen des Mittelreichs zurückgedrängt.
 
Der gemeinsame Sieg machte deutlich, dass keiner der Stadtstaaten allein gegen das Mittelreich bestehen konnte. Im Jahr 275 v. Ill. – dem Jahr 325 n. G. in Amal – setzte der Jedek-Orden am Ort des Sieges die Gründung der '''Allianz von Uria''' durch.
 
== Die Allianz von Uria ==
 
Die Allianz wurde vom Jedek-Orden und den vier Stadtstaaten Brandal, Uria, Amal und Radgar geschlossen. [[Gilgardor]] gehörte ihr nicht an, da die Karawanenstadt nicht als eigener Staat betrachtet wurde.
 
Der Vertrag beruht auf sechs Grundsätzen:
 
* Jedes Mitglied der Allianz bleibt ein eigenständiger Staat.
* Die Mitglieder verpflichten sich, das Gebiet jedes anderen Mitglieds wie ihr eigenes zu verteidigen.
* Kein Mitglied darf Krieg gegen ein anderes Mitglied führen.
* Für Kapitalverbrechen gelten im Gebiet der Allianz einheitliche Gesetze; die übrige Rechtsprechung bleibt Sache des jeweiligen Stadtstaates.
* Über die Verteilung umstrittener Wasservorkommen im Großen Rücken entscheidet der Jedek-Orden.
* Verletzt ein Mitglied die Grundsätze, kann der Jedek-Orden dessen Herrscher absetzen. Im Notfall müssen die übrigen Stadtstaaten mit Waffengewalt gegen den Abtrünnigen vorgehen.
 
Die Allianz schuf kein gemeinsames Reich und keine zentrale Regierung. Sie beendete jedoch die offenen Kriege zwischen den Städten und gab dem Jedek-Orden eine bis dahin unbekannte politische Macht. Besonders seine Aufsicht über das Wasser und das gemeinsame Recht machte ihn zur wichtigsten überstaatlichen Institution der Südlande.
 
== Die Jahrhunderte der verdeckten Konflikte ==
 
Nach der Gründung der Allianz begann eine lange Phase brüchigen Friedens. Die Stadtstaaten hatten viele alte Rechnungen offen, durften ihre Streitigkeiten aber nicht mehr in offenen Kriegen austragen. An die Stelle großer Feldzüge traten Adelsfehden, Sabotage, Spionage, Auftragsmorde und gelegentliche Zusammenstöße kleiner Söldnerverbände.
 
Gleichzeitig erholte sich der Handel. Die Nordländer aus Borrograd wurden zu festen Handelspartnern, während die Grenze zum Mittelreich weitgehend geschlossen blieb. Gilgardor gewann als neutraler Umschlagplatz weiter an Bedeutung.
 
Um 160 v. Ill. häuften sich Angriffe von Orks aus dem Großen Rücken. Ein Jahr später schlug die Allianz mehrere Stämme zurück, die die Wasserversorgung Urias unterbrochen hatten.
 
Zwischen 130 und 120 v. Ill. banden weitere Kämpfe gegen Orks einen großen Teil der südländischen Truppen. Die Bewachung der Großen Mauer wurde vernachlässigt. Spione Kaiser Danthares nutzten diese Schwäche und ermöglichten einem Heer des Mittelreichs den Durchmarsch. Die Truppen umgingen die Faora und belagerten Radgar.
 
Nach drei Monaten fiel die Hafenstadt und blieb zwei Jahre lang besetzt. Eine Rückeroberung mit militärischen Mitteln schien ausgeschlossen. Schließlich bot die Gilde der Assassinen der Allianz ihre Hilfe an und verlangte dafür eine gewaltige Geldsumme sowie künftige Straffreiheit. In einer einzigen Nacht verschwanden oder starben sämtliche Anführer der Besatzungsmacht. Radgar wurde zurückgewonnen. Seitdem unternahm das Mittelreich keinen weiteren großen Versuch, die südlichen Stadtstaaten an Land zu unterwerfen.
 
== Amal und die Ausweitung nach Süden ==
 
Während die Allianz das Festland stabilisierte, baute Amal seine Macht auf See aus. Die Stadt kolonialisierte die [[Weißmondinseln]] und sicherte sich dadurch neue Nahrungsquellen und Rohstoffe. Ab 100 v. Ill. – 500 n. G. nach Amaler Rechnung – entstanden außerdem Kolonien entlang der südlichen Küste bis zum Dschungel.
 
Diese Expansion verlief nicht ohne Rückschläge. Zwischen 69 und 55 v. Ill. geriet Amal während der sogenannten Dunklen Jahre unter die Kontrolle einer Gruppe von Magiern aus Gilgardor. Handel, Forschung und Verwaltung der Kolonien wurden vernachlässigt. Der Priester Hamid Alzaid befreite den Rat schließlich aus der magischen Beherrschung und wurde nach blutigen Kämpfen zum neuen Hohepriester gewählt.
 
Im Jahr 43 v. Ill. erhoben sich mehrere Kolonien gegen Amal. Nach fünf Jahren Krieg brachte die Stadt die meisten von ihnen wieder unter ihre Herrschaft. Nur [[Weißmondinseln#Faruk|Faruk]] behauptete seine Unabhängigkeit. Seit 39 v. Ill. unterstützt die Flotte des Mittelreichs die abtrünnige Kolonie. Dadurch gewann das Kaiserreich erstmals seit langer Zeit wieder einen dauerhaften Stützpunkt im südlichen Meer.
 
Die Vorgänge verschärften die Spannungen innerhalb der Allianz. Amal musste einen großen Teil seiner militärischen Kraft auf die Weißmondinseln konzentrieren und zog sich zunehmend aus den Machtkämpfen auf dem Festland zurück. Brandal und Uria gewannen dadurch insbesondere in Gilgardor größeren Einfluss.
 
== Die Affäre von Asim ==
 
Im Jahr 5 v. Ill. wurde in der vom In'raal-Orden gehaltenen Festung Asim ein hoher Würdenträger der mittelländischen Ignatus-Kirche angetroffen. Der Vorfall weckte Zweifel an der Zuverlässigkeit des südländischen Ordens.
 
In der Folge wurde der In'raal-Orden vom Wachdienst an der Großen Mauer abgezogen. Betroffene Truppenteile wurden in den Süden und auf die Waldinseln versetzt, wo sie fortan gegen Orks, Echsenmenschen und andere Gefahren kämpften. Der Jedek-Orden übernahm die geräumten Grenzfestungen. Viele Anhänger In'raals empfanden diese Entscheidung als Entehrung und hegen seither Groll gegen den Jedek-Orden.
 
Amal beschloss trotz der Affäre, sich aus einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Mittelreich herauszuhalten. Eine unbekannte Flotte bedrohte zu dieser Zeit seine Kolonien und band beinahe die gesamte Seemacht der Stadt. Der Rat von Amal verschwieg die Existenz dieser Flotte gegenüber den übrigen Mitgliedern der Allianz.
 
== Gegenwart ==
 
Mit der Thronbesteigung Kaiser [[Illiasan]]s beginnt das Jahr 1 n. Ill. beziehungsweise 600 n. G. Die Stadtstaaten bleiben formal unabhängig und durch die Allianz von Uria verbunden. Offene Kriege untereinander sind untersagt, doch wirtschaftliche Konkurrenz, Intrigen und alte Feindschaften bestimmen weiterhin ihre Beziehungen.
 
Illiasan unterwirft sich nicht der Rechtsprechung des Jedek-Ordens. Dieser betrachtet die Weigerung als Provokation und möglicherweise als Bedrohung der von ihm garantierten Ordnung. Diplomatische Verhandlungen dauern an, während die Spannungen zwischen den Südlanden und dem Mittelreich erneut wachsen.
 
Gleichzeitig ist die Allianz im Inneren weniger geschlossen, als sie nach außen erscheint. Amal konzentriert sich auf seine Kolonien und die unbekannte Bedrohung im Südmeer. Brandal und Uria ringen um Einfluss auf dem Festland und in Gilgardor. Radgar wahrt seine Freiheit durch Handel, Seemacht und ein schwer durchschaubares Geflecht aus Händlern, Freibeutern und Agenten. Der Jedek-Orden hält den Bund zusammen, doch seine zunehmende Macht schafft neue Gegner innerhalb wie außerhalb der Allianz.
 
== Siehe auch ==
 
* [[:Kategorie:Südlande|Die Südlande]]
* [[Amal#Geschichte und Gegenwart|Geschichte Amals]]
* [[Die Mauer|Die Große Mauer]]
* [[Götter der Südlande]]
 
[[Kategorie:Ganthor]]
[[Kategorie:Südlande]]
[[Kategorie:Südlande]]

Aktuelle Version vom 14. August 2026, 21:28 Uhr

Die Geschichte der Südlande ist vor allem die Geschichte ihrer vier großen Stadtstaaten Brandal, Uria, Amal und Radgar. Über viele Jahrhunderte führten sie Kriege gegeneinander, rangen um Wasser, Handelswege und Einfluss und entwickelten dabei sehr unterschiedliche Herrschaftsformen. Erst die gemeinsame Bedrohung durch das Mittelreich zwang sie zu einer dauerhaften politischen Ordnung: der Allianz von Uria.

Die Überlieferung ist lückenhaft. Kriege, Zerstörungen und wechselnde Zeitrechnungen erschweren eine durchgängige Chronologie. Gesicherte Aufzeichnungen reichen in den meisten Städten kaum mehr als 500 Jahre zurück. Einzelne Siedlungen lassen sich etwa 1.000 Jahre zurückverfolgen, während Uria nach den dortigen Überlieferungen bereits vor ungefähr 2.000 Jahren gegründet wurde.

Zeitrechnung

Die Stadtstaaten verwenden teilweise eigene Kalender. Für die gemeinsame Chronologie wird die Thronbesteigung des mittelländischen Kaisers Illiasan als Bezugspunkt verwendet. Ereignisse davor werden mit v. Ill., Ereignisse danach mit n. Ill. bezeichnet.

Besonders ausführliche Aufzeichnungen besitzt Amal. Dort beginnt die Zeitrechnung mit dem Jahr 1 „nach Gwygats Segen“ (n. G.). Dieses entspricht dem Jahr 599 v. Ill. Die Gegenwart, das Jahr 600 n. G., entspricht dem Jahr 1 n. Ill.

Zeitrechnung der Südlande Zeitrechnung Amals Ereignis
300 v. Ill. 300 n. G. Aufstieg Gilgardors und wachsende Aufmerksamkeit des Mittelreichs
292–291 v. Ill. 308–309 n. G. Feldzug und Seeblockade des Mittelreichs
290 v. Ill. 310 n. G. Unabhängigkeitserklärungen und Beginn des Mauerbaus
289 v. Ill. 311 n. G. Abriegelung der Grenze durch Kaiser Samon VII.
278–276 v. Ill. 322–324 n. G. Wasserstreit und erneuter Einfall des Mittelreichs
275 v. Ill. 325 n. G. Gründung der Allianz von Uria
1 n. Ill. 600 n. G. Gegenwart

Die frühen Stadtstaaten

Die ältesten Berichte stammen aus den Jahrhunderten nach dem Einschlag des großen Meteoriten. Die Katastrophe verwüstete weite Gebiete des Südens und wird in den Überlieferungen mit der Entstehung der Faora verbunden. Während große Teile des Landes zu Wüste wurden, überlebten oder entstanden am Rand des Großen Rückens neue Siedlungszentren. Dort boten Quellen und Flüsse die Möglichkeit, durch Aquädukte und Bewässerungsanlagen größere Gemeinschaften zu versorgen.

Uria gilt als älteste der heutigen Metropolen. Nach der Gründungssage halfen Zwerge beim Bau des großen Aquädukts, nachdem sie unter der späteren Stadt Obsidian entdeckt hatten. Brandal und Amal entstanden wesentlich später. Radgar entwickelte sich an der Westküste zu einem Hafen zwischen dem Drachenkopfgebirge und dem Dschungel.

Die Stadtstaaten bildeten zunächst keine gemeinsame politische Ordnung. Jeder von ihnen kontrollierte sein Umland, seine Wasserwege und seine Handelsverbindungen selbst. Bündnisse waren meist von kurzer Dauer. Fehden, Grenzstreitigkeiten und Kämpfe um Oasen oder Zuflüsse gehörten über Jahrhunderte zum Verhältnis der Städte.

Auch die erhaltene Geschichte Amals berichtet von dieser Zeit: Um das Jahr 400 v. Ill. stritten Amal, Uria und Brandal um eine Oase am Rand der Faora. Mehrere kleinere Kriege und Scharmützel brachten den Handel zwischen den Städten zeitweise zum Erliegen. Als Ungeheuer das umkämpfte Gebiet unbrauchbar machten, verlor die Oase ihre Bedeutung, ohne dass der grundlegende Gegensatz zwischen den Städten beigelegt worden wäre.

Zwischen 349 und 330 v. Ill. eskalierte der Konflikt zwischen Amal und Uria erneut. Nach der Ermordung des Amaler Hohepriesters Thesar durch Assassinen aus Uria folgten wechselseitige Anschläge. Mehrere Priester Amals und Generäle Urias wurden getötet; drei Siedlungen Urias im Großen Rücken verschwanden unter ungeklärten Umständen. Diese Auseinandersetzungen zeigen, dass die Stadtstaaten bereits vor ihrer späteren Allianz offene Kriege häufig durch Attentate und andere verdeckte Mittel ergänzten.

Der Aufstieg Gilgardors

Um 300 v. Ill. wurde in der Faora die Karawanserei Gilgardor gegründet. Ihre Lage an einer Oase und ihre vergleichsweise niedrigen Zölle machten sie rasch zum wichtigsten Handelsplatz im Inneren der Südlande. Karawanen verbanden dort Brandal, Uria und Amal miteinander. Waren aus den östlichen Städten gelangten über Gilgardor nach Radgar und von dort über das Meer bis nach Borrograd.

Der wachsende Handel vermehrte den Wohlstand aller vier Stadtstaaten. Zugleich erregte er die Aufmerksamkeit Kaiser Samons VII. Die Südlande standen zu dieser Zeit noch unter der nominellen Herrschaft des mittelländischen Kaisers. Dessen tatsächlicher Einfluss hatte jedoch nie ausgereicht, um die weit entfernten Städte dauerhaft zu verwalten. Solange die Region als arm und schwer zugänglich galt, hatten frühere Kaiser ihre Selbstverwaltung geduldet.

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg änderte sich diese Haltung. Samon VII. verlangte Zölle und Abgaben und entsandte Beauftragte nach Radgar und Amal. Beide Städte verweigerten die Zahlung und wiesen die kaiserlichen Vertreter aus.

Der Unabhängigkeitskrieg

Der Feldzug Samons VII.

Im Jahr 292 v. Ill. – nach Amaler Rechnung 308 n. G. – schickte Kaiser Samon VII. ein Expeditionsheer in die Südlande. Dessen Marsch führte auch durch die Einflussgebiete Brandals und Urias und brachte damit weitere Stadtstaaten gegen das Mittelreich auf.

Gleichzeitig begann die kaiserliche Flotte, die südlichen Seewege zu sperren. Besonders die Häfen von Radgar und Amal waren von der Blockade betroffen. In Amal dauerte sie bis 291 v. Ill. an und hatte verheerende Folgen für die Versorgung der Bevölkerung.

Im Jahr 291 v. Ill. verbündeten sich Uria, Brandal und Amal gegen das Expeditionsheer. Mit Hilfe zwergischer Söldner gelang es ihnen, die mittelländischen Truppen zu schlagen.

Unabhängigkeit und Große Mauer

Im Jahr 290 v. Ill. – 310 n. G. nach Amaler Rechnung – erklärten sich die vier Stadtstaaten jeweils für unabhängig. Es entstand noch kein gemeinsamer südländischer Staat; jede Stadt beanspruchte ihre Freiheit für sich.

Auf Initiative Brandals und Radgars begann zugleich der Bau der Großen Mauer an der Grenze zum Mittelreich. Zwergische Baumeister und Arbeiter sollten eine Befestigung errichten, die künftige Vorstöße aus dem Norden verhindern würde. Brandal und Radgar trugen den größten Teil der Finanzierung, weshalb die Arbeiten in der Nähe ihrer Einflussgebiete am schnellsten vorankamen.

Kaiser Samon VII. erkannte die Unabhängigkeit nicht an. Im Jahr 289 v. Ill. ließ er die Grenze vollständig schließen und hielt die Seeblockade aufrecht. Da ein weiterer großer Feldzug ausblieb, versuchten die Stadtstaaten, die Abriegelung durch Schmuggel und Freibeuter zu umgehen. Ab 287 v. Ill. gingen von ihnen bezahlte Kapitäne gezielt gegen kaiserliche Schiffe und Handelsbeschränkungen vor. Diese Zeit gilt als Geburtsstunde des später berüchtigten Piratenwesens der Südlande.

Der Bau der Großen Mauer endete bereits um 280 v. Ill. nach Streitigkeiten mit den beteiligten Zwergen. Die Gründe und die ausstehenden Verpflichtungen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Obwohl das Bauwerk unvollendet blieb, bildete es weiterhin eine mächtige Grenzbefestigung. Zunächst übernahm der Orden des In'raal die Bewachung der Mauer und ihrer Festungen.

Wasserstreit und Gründung der Allianz

Zwischen 278 und 276 v. Ill. gerieten Brandal und Uria wegen der Verteilung von Wasser aus dem Großen Rücken in einen schweren Konflikt. Die Unruhen schwächten die Verteidigung beider Städte. Kaiserliche Grenztruppen nutzten die Gelegenheit, überwanden die Große Mauer und stießen bis kurz vor Uria vor.

Der Orden des Jedek griff in den Streit ein. Seine Angehörigen setzten die Anführer der verfeindeten Städte fest und erzwangen einen Waffenstillstand. Brandal und Uria stellten sich daraufhin gemeinsam gegen die Eindringlinge. Radgar und Amal traten ihnen bei. Amal setzte seine inzwischen stark ausgebaute Flotte ein und schlug die kaiserlichen Seestreitkräfte vor Radgar. Nach schweren Kämpfen wurden auch die Landtruppen des Mittelreichs zurückgedrängt.

Der gemeinsame Sieg machte deutlich, dass keiner der Stadtstaaten allein gegen das Mittelreich bestehen konnte. Im Jahr 275 v. Ill. – dem Jahr 325 n. G. in Amal – setzte der Jedek-Orden am Ort des Sieges die Gründung der Allianz von Uria durch.

Die Allianz von Uria

Die Allianz wurde vom Jedek-Orden und den vier Stadtstaaten Brandal, Uria, Amal und Radgar geschlossen. Gilgardor gehörte ihr nicht an, da die Karawanenstadt nicht als eigener Staat betrachtet wurde.

Der Vertrag beruht auf sechs Grundsätzen:

  • Jedes Mitglied der Allianz bleibt ein eigenständiger Staat.
  • Die Mitglieder verpflichten sich, das Gebiet jedes anderen Mitglieds wie ihr eigenes zu verteidigen.
  • Kein Mitglied darf Krieg gegen ein anderes Mitglied führen.
  • Für Kapitalverbrechen gelten im Gebiet der Allianz einheitliche Gesetze; die übrige Rechtsprechung bleibt Sache des jeweiligen Stadtstaates.
  • Über die Verteilung umstrittener Wasservorkommen im Großen Rücken entscheidet der Jedek-Orden.
  • Verletzt ein Mitglied die Grundsätze, kann der Jedek-Orden dessen Herrscher absetzen. Im Notfall müssen die übrigen Stadtstaaten mit Waffengewalt gegen den Abtrünnigen vorgehen.

Die Allianz schuf kein gemeinsames Reich und keine zentrale Regierung. Sie beendete jedoch die offenen Kriege zwischen den Städten und gab dem Jedek-Orden eine bis dahin unbekannte politische Macht. Besonders seine Aufsicht über das Wasser und das gemeinsame Recht machte ihn zur wichtigsten überstaatlichen Institution der Südlande.

Die Jahrhunderte der verdeckten Konflikte

Nach der Gründung der Allianz begann eine lange Phase brüchigen Friedens. Die Stadtstaaten hatten viele alte Rechnungen offen, durften ihre Streitigkeiten aber nicht mehr in offenen Kriegen austragen. An die Stelle großer Feldzüge traten Adelsfehden, Sabotage, Spionage, Auftragsmorde und gelegentliche Zusammenstöße kleiner Söldnerverbände.

Gleichzeitig erholte sich der Handel. Die Nordländer aus Borrograd wurden zu festen Handelspartnern, während die Grenze zum Mittelreich weitgehend geschlossen blieb. Gilgardor gewann als neutraler Umschlagplatz weiter an Bedeutung.

Um 160 v. Ill. häuften sich Angriffe von Orks aus dem Großen Rücken. Ein Jahr später schlug die Allianz mehrere Stämme zurück, die die Wasserversorgung Urias unterbrochen hatten.

Zwischen 130 und 120 v. Ill. banden weitere Kämpfe gegen Orks einen großen Teil der südländischen Truppen. Die Bewachung der Großen Mauer wurde vernachlässigt. Spione Kaiser Danthares nutzten diese Schwäche und ermöglichten einem Heer des Mittelreichs den Durchmarsch. Die Truppen umgingen die Faora und belagerten Radgar.

Nach drei Monaten fiel die Hafenstadt und blieb zwei Jahre lang besetzt. Eine Rückeroberung mit militärischen Mitteln schien ausgeschlossen. Schließlich bot die Gilde der Assassinen der Allianz ihre Hilfe an und verlangte dafür eine gewaltige Geldsumme sowie künftige Straffreiheit. In einer einzigen Nacht verschwanden oder starben sämtliche Anführer der Besatzungsmacht. Radgar wurde zurückgewonnen. Seitdem unternahm das Mittelreich keinen weiteren großen Versuch, die südlichen Stadtstaaten an Land zu unterwerfen.

Amal und die Ausweitung nach Süden

Während die Allianz das Festland stabilisierte, baute Amal seine Macht auf See aus. Die Stadt kolonialisierte die Weißmondinseln und sicherte sich dadurch neue Nahrungsquellen und Rohstoffe. Ab 100 v. Ill. – 500 n. G. nach Amaler Rechnung – entstanden außerdem Kolonien entlang der südlichen Küste bis zum Dschungel.

Diese Expansion verlief nicht ohne Rückschläge. Zwischen 69 und 55 v. Ill. geriet Amal während der sogenannten Dunklen Jahre unter die Kontrolle einer Gruppe von Magiern aus Gilgardor. Handel, Forschung und Verwaltung der Kolonien wurden vernachlässigt. Der Priester Hamid Alzaid befreite den Rat schließlich aus der magischen Beherrschung und wurde nach blutigen Kämpfen zum neuen Hohepriester gewählt.

Im Jahr 43 v. Ill. erhoben sich mehrere Kolonien gegen Amal. Nach fünf Jahren Krieg brachte die Stadt die meisten von ihnen wieder unter ihre Herrschaft. Nur Faruk behauptete seine Unabhängigkeit. Seit 39 v. Ill. unterstützt die Flotte des Mittelreichs die abtrünnige Kolonie. Dadurch gewann das Kaiserreich erstmals seit langer Zeit wieder einen dauerhaften Stützpunkt im südlichen Meer.

Die Vorgänge verschärften die Spannungen innerhalb der Allianz. Amal musste einen großen Teil seiner militärischen Kraft auf die Weißmondinseln konzentrieren und zog sich zunehmend aus den Machtkämpfen auf dem Festland zurück. Brandal und Uria gewannen dadurch insbesondere in Gilgardor größeren Einfluss.

Die Affäre von Asim

Im Jahr 5 v. Ill. wurde in der vom In'raal-Orden gehaltenen Festung Asim ein hoher Würdenträger der mittelländischen Ignatus-Kirche angetroffen. Der Vorfall weckte Zweifel an der Zuverlässigkeit des südländischen Ordens.

In der Folge wurde der In'raal-Orden vom Wachdienst an der Großen Mauer abgezogen. Betroffene Truppenteile wurden in den Süden und auf die Waldinseln versetzt, wo sie fortan gegen Orks, Echsenmenschen und andere Gefahren kämpften. Der Jedek-Orden übernahm die geräumten Grenzfestungen. Viele Anhänger In'raals empfanden diese Entscheidung als Entehrung und hegen seither Groll gegen den Jedek-Orden.

Amal beschloss trotz der Affäre, sich aus einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Mittelreich herauszuhalten. Eine unbekannte Flotte bedrohte zu dieser Zeit seine Kolonien und band beinahe die gesamte Seemacht der Stadt. Der Rat von Amal verschwieg die Existenz dieser Flotte gegenüber den übrigen Mitgliedern der Allianz.

Gegenwart

Mit der Thronbesteigung Kaiser Illiasans beginnt das Jahr 1 n. Ill. beziehungsweise 600 n. G. Die Stadtstaaten bleiben formal unabhängig und durch die Allianz von Uria verbunden. Offene Kriege untereinander sind untersagt, doch wirtschaftliche Konkurrenz, Intrigen und alte Feindschaften bestimmen weiterhin ihre Beziehungen.

Illiasan unterwirft sich nicht der Rechtsprechung des Jedek-Ordens. Dieser betrachtet die Weigerung als Provokation und möglicherweise als Bedrohung der von ihm garantierten Ordnung. Diplomatische Verhandlungen dauern an, während die Spannungen zwischen den Südlanden und dem Mittelreich erneut wachsen.

Gleichzeitig ist die Allianz im Inneren weniger geschlossen, als sie nach außen erscheint. Amal konzentriert sich auf seine Kolonien und die unbekannte Bedrohung im Südmeer. Brandal und Uria ringen um Einfluss auf dem Festland und in Gilgardor. Radgar wahrt seine Freiheit durch Handel, Seemacht und ein schwer durchschaubares Geflecht aus Händlern, Freibeutern und Agenten. Der Jedek-Orden hält den Bund zusammen, doch seine zunehmende Macht schafft neue Gegner innerhalb wie außerhalb der Allianz.

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