Zwergenberg: Unterschied zwischen den Versionen
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Der Zwergenberg | Der '''Zwergenberg''' ist ein ausgedehnter, zerklüfteter Bergstock im Norden des [[Mittelreich]]s. Menschen würden ihn eher als kleines Gebirge denn als einzelnen Berg bezeichnen. Dennoch hat sich in Karten, Chroniken und im alltäglichen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Zwergenberg“ oder schlicht „der Fels“ durchgesetzt. An seiner Ostseite liegt die Festungsstadt [[Karpulsar]], tief in seinem Inneren die grauzwergische Stadt [[Mor`dra]]. | ||
Der Berg ist zugleich Landschaft, Rohstofflager, Festung und Heiligtum. Seine vier Seiten unterscheiden sich stark voneinander: Im Norden dominieren verwitterte Steilhänge, im Osten liegen die gerodeten Flächen Karpulsars, im Süden reichen bewaldete Ausläufer in das Weite Hügelland, und die Westseite steht unter dem eisigen Einfluss des [[Frostwurmwald]]s. Nur ein kleiner Teil der Oberfläche und der inneren Wege ist Menschen bekannt. | |||
== | == Name und Bedeutung == | ||
Die verbreitete Bezeichnung „Fels“ soll auf die [[Grauzwerge]] selbst zurückgehen. Mittelländische Geschichtsforscher vermuten, dass sie das Wort mit erheblichem Aufwand in menschliche Karten und Chroniken einbrachten. In der zwergischen Gesteinssprache bezeichnet die entsprechende Wendung jedoch minderwertiges, schlecht zu bearbeitendes Gestein. Eine Sippe, die freiwillig in einem solchen „Fels“ siedelte, würde als unklug oder unfähig gelten. | |||
Damit trägt der Name eine bis heute wirksame Herabsetzung in sich. Die am Zwergenberg lebende Sippe wurde vor langer Zeit aus dem Reich des [[:Kategorie:Großer Rücken|Großen Rückens]] verbannt. Manche traditionsgebundenen Grauzwerge betrachten ihre Nachfahren weiterhin als Ausgestoßene oder sogar als Vogelfreie. Menschen dagegen kennen sie seit der Entstehung des Mittelreichs als verlässliche Vertragspartner, Baumeister und Verteidiger Karpulsars. | |||
Für die Bewohner Karpulsars bezeichnet der Zwergenberg nicht nur das sichtbare Gebirge. Der Name umfasst auch die bewachten Stollen, Werkstätten, Lager und Wohnbereiche hinter den Toren der Stadt. Wo diese äußeren Anlagen enden und Mor'dra beginnt, erklären die Grauzwerge Außenstehenden nicht. | |||
== Die Verbannung == | |||
Welche Verfehlung zur Verbannung einer ganzen Sippe führte, ist nicht überliefert. Selbst sehr alte Grauzwerge schweigen darüber. Die Ereignisse werden in eine Zeit kurz nach dem Einschlag des gewaltigen Meteors eingeordnet, aus dessen Trümmern später das [[Halblingreich]] entstand. | |||
Dass die Verbannung selbst für das Volk der Grauzwerge ein schwerer Verlust war, gilt als sicher. Die Zahl der Ausgestoßenen war so groß, dass zeitweilig um den Fortbestand des Volkes gefürchtet wurde. Während sich andere Grauzwerge im Kampf gegen die Drachen tief in den Großen Rücken zurückzogen, mussten die Verbannten durch die Länder der Oberfläche ziehen. | |||
Ein in der großen Bibliothek zu [[Kalesch]] aufbewahrtes Fragment beschreibt ihren Marsch über verbrannte Erde. Hitze, Rauch und glühender Boden zeichneten die Verbannten, doch niemand soll einen Laut des Schmerzes ausgestoßen haben. In späteren Erzählungen wurde dieses Schweigen zum Sinnbild für Stolz, Trotz und die Weigerung der Sippe, den Richterspruch ihrer Verwandten anzuerkennen. | |||
== Das Bündnis mit Karpulsar == | |||
=== | |||
Als die ersten Menschen am Osthang eine kleine Siedlung namens Karpulsar errichteten, wurden ihre Höfe von Trollen aus dem Norden, Orks aus dem Westen und schließlich von Drachen bedroht. In dieser Not erschien die verbannte grauzwergische Sippe. Ihre Krieger trugen runde Schilde und setzten schwere Schleudermaschinen ein, mit denen sie selbst die Drachen zurückdrängten. | |||
Nach drei Tagen der Beratung schlossen ein grauzwergischer Anführer und der Dorfälteste ein Bündnis. Die Grauzwerge errichteten Wehrtürme, Ringmauer und befestigte Ebenen. Im Gegenzug lieferten die Menschen Holz, Korn, Ziegen und Schafe an den Berg. Aus dem Dorf entstand die heutige Festungsstadt; die Grauzwerge behielten eigene Wohn- und Werkbereiche nahe dem Fels und verweigerten Menschen den freien Zutritt zu ihren Stollen. | |||
Als Zeichen ihres Versprechens hinterließen sie ein silbernes Drachenhorn. Es wird heute im Wachturm [[Karpulsar#Drachenzahn|Drachenzahn]] verwahrt und soll die Kinder [[Brindosch]]s im Fall eines erneuten Drachenangriffs zu Hilfe rufen. Das Bündnis besteht bis heute, beruht jedoch weniger auf Freundschaft als auf gemeinsamem Nutzen, alten Pflichten und dem Wissen, dass keine Seite den Berg allein verteidigen könnte. | |||
=== Mor'dra ( | == Der Zwergenberg heute == | ||
Von außen wirkt der Zwergenberg vielerorts unberührt. Tatsächlich durchziehen ihn verlassene Schächte, aktive Stollen, verborgene Lüftungsöffnungen und Befestigungen. Einige Zugänge wurden nach dem [[Mor`dra#Der Tag des Feuers|Tag des Feuers]] verschlossen, andere werden weiterhin genutzt. Welche Wege miteinander verbunden sind, bleibt ein streng gehütetes Geheimnis. | |||
Menschen begegnen Grauzwergen vor allem in Karpulsar, im dortigen Zwergenviertel und an den äußeren Wachen. Diese Gemeinschaft ist bewohnt und handlungsfähig. Sie wartet die alten Anlagen Karpulsars, betreibt Schmieden und kontrolliert den Warenverkehr. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass die oberen Ebenen Mor'dras zurückerobert oder die drei tiefen Zufluchtsräume wieder sicher verbunden wären. | |||
=== Die Nordseite === | |||
Die Nordseite ist zerklüftet und durch den ständigen Wechsel von Frost und Tauwetter stark verwittert. Das rissige Gestein bricht leicht; Gerölllawinen gehen ohne Vorwarnung in die Täler nieder. Flechten, Moose und kleine, vom Wind verformte Bäume bedecken die weniger steilen Flächen. | |||
Seit Holzfäller aus Karpulsar unter einem frischen Geröllfeld die Überreste einer schwer bewaffneten Orkhorde des [[Clan Rof'mtog (Clan der Klaue)|Clans Rof'mtog]] fanden, wird die Gegend möglichst gemieden. Ob die Orks von einem natürlichen Felssturz überrascht oder von unbekannten Verteidigern in die Lawine getrieben wurden, ist ungeklärt. | |||
Die Tierwelt ist weitgehend ungestört. [[Riesenadler]], [[Berglöwe]]n und wilde [[Kriegsspinnen]] teilen sich die Hänge mit gewöhnlichem Bergwild. Reisende müssen hier weniger mit Wachen als mit brüchigem Boden, plötzlichem Steinschlag und schwer auffindbaren Rückwegen rechnen. | |||
=== Die Ostseite und Karpulsar === | |||
An der Ostseite liegt [[Karpulsar]]. Die Wälder wurden im Umkreis eines Tagesritts weitgehend gerodet; auf den sanfteren Flächen wird mit mäßigem Erfolg Landwirtschaft betrieben. Höfe und Dörfer zwischen Karpulsar und [[Valoria]] liefern einen großen Teil der Lebensmittel, die Stadt und Berg benötigen. | |||
Der Fels hinter Karpulsar wurde durch grauzwergische Steinmetzarbeit fast unbegehbar gemacht. Glatte Flächen, künstliche Abbrüche und verdeckte Beobachtungsposten verhindern einen Aufstieg außerhalb der vorgesehenen Wege. Lediglich ein schmaler, gefährlicher Steg führt zum hoch gelegenen Wachturm Drachenzahn. Die Gesamtanlage fügt sich unmittelbar an Ringmauer, Ebenen und Kanalsystem der Festungsstadt an. | |||
Hinter einem unscheinbaren Felsspalt liegt die '''Drachenschlucht'''. Schwere Speerschleudern, niedrige Steinwälle und in den Fels getriebene Wachräume sichern dort ein reich verziertes eisernes Tor. Die Schlucht ist so eng, dass große Drachen nur langsam landen und dabei von mehreren Seiten beschossen werden können. Menschen endet der Weg gewöhnlich vor den ersten Stellungen. Ob das Tor direkt nach Mor'dra, in äußere Werkstätten oder in ein eigenes System von Verteidigungsstollen führt, wird nicht erklärt. | |||
=== Die Südseite === | |||
Die Südseite öffnet sich zum [[Weites Hügelland|Weiten Hügelland]]. Lange Bergrücken, bewaldete Täler und verborgene Quellseen bilden ein unübersichtliches Übergangsgebiet. Manche Winkel sollen noch nie von Menschen betreten worden sein. An einem kleinen See wurde eine Gruppe [[Stierdrache]]n beobachtet; von offenen Höhen lassen sich im Sommer die großen Büffelherden des Hügellands erkennen. | |||
Weite Teile des Waldes dienen dem überwiegend friedlichen orkischen [[Clan Brrom'mtog (Clan des Büffels)|Clan Brrom'mtog]] als Jagdgebiet. Die Orks dulden kleinere Reisegruppen meist, erwarten jedoch, dass ihre Jagdrechte geachtet werden. Der Wald ist alt und stellenweise ungewöhnlich dicht. Gerüchte verorten hier Ausläufer der [[Generationenwald|Generationenwälder]] und Tiere, die in den übrigen Wäldern der Region unbekannt sind. | |||
=== Die Westseite === | |||
Die Westseite ist selbst in warmen Sommern deutlich kälter als das Umland. Schnee und Eis bleiben bis weit ins Jahr liegen; wenn an der Ostseite noch geerntet wird, können hier bereits die ersten Winterstürme einsetzen. Eine Sage führt die Kälte auf einen toten Titanen des Eises zurück, der am Fuß der [[Frostzacken]] begraben worden sein soll. Sein Atem ströme durch den Frostwurmwald bis zum Zwergenberg. | |||
An den Hängen leben Bergziegen, Bären, Wölfe und zahlreiche Greifvögel. Im Winter ziehen [[Tarnok]]s, Büffel und Mammuts auf ihrer Flucht vor der nördlichen Kälte an der Westseite vorbei. Der Clan Brrom'mtog folgt den Herden und betrachtet die Region als sein Jagdgebiet. Menschen werden häufig geduldet, sollten im Streitfall jedoch auf eine Beute verzichten. Sicherer ist es, Felle und Mammutzahn später von den Orks einzutauschen. | |||
== Zugänge, Handel und Geheimhaltung == | |||
Der einzige Menschen offen bekannte Zugang liegt in der Drachenschlucht bei Karpulsar. Daneben muss es Lüftungsschächte, alte Breschen und geheime Wege geben. Der Tag des Feuers begann gerade deshalb, weil Eisenwürmer eine Außenwand in den verlassenen oberen Etagen so stark beschädigten, dass Drachen in den Berg eindringen konnten. Einige dieser Breschen bestehen vermutlich fort und werden von Drachen oder anderen Wesen genutzt. | |||
Karpulsar vermittelt den Handel zwischen den Grauzwergen und der Außenwelt. Roherz, Waffen, Rüstungen und hochwertige Werkzeuge gelangen von dort nach Valoria und weiter in das Kaiserreich. Im Gegenzug werden Holz, Korn, Kohle, Vieh und Tuch an den Berg geliefert. Die Grauzwerge bestimmen Art und Umfang jeder Ausfuhr. | |||
Für Menschen gilt nahezu jede Ware aus dem Berg als Erzeugnis Mor'dras. Diese Bezeichnung ist ungenau: Ein Teil stammt aus den offenen Schmieden und erreichbaren Stollen nahe Karpulsar, anderes gelangt über unbekannte Wege aus tieferen Bereichen nach außen. Die Grauzwerge berichtigen Händler selten. So bleiben tatsächliche Produktionsstätten, Versorgungswege und die Schwäche der eingeschlossenen Stadt verborgen. | |||
== Gerüchte und Abenteuerideen == | |||
* An der Nordseite wird nach einem Geröllsturz ein glatter, mit zwergischen Zeichen versehener Schacht sichtbar. Noch bevor Forscher aus Kalesch eintreffen, sperren grauzwergische Krieger das Tal. | |||
* Eine Herde an der Westseite bricht ihre Wanderung ab und flieht zurück in den Frostwurmwald. Orkische Jäger behaupten, unter dem Schnee bewege sich etwas Großes nach Süden. | |||
* Am Quellsee der Südseite fehlen die Stierdrachen. In den umliegenden Tälern finden sich verbrannte Bäume, aber keine Spuren eines Kampfes. | |||
* Ein Händler aus Valoria bietet eine Karte angeblicher Lüftungsschächte an. Die Zeichnung ist alt und glaubwürdig, doch einer der eingezeichneten Wege endet in den vom Tag des Feuers verwüsteten Ebenen. | |||
* Das silberne Drachenhorn im Drachenzahn erklingt für einen einzigen tiefen Ton, obwohl niemand den Turm betreten hat. Die Wachen der Drachenschlucht schließen daraufhin das eiserne Tor. | |||
* Zwischen Karpulsar und dem Berg verschwindet eine Lieferung aus Korn und Werkzeugen. Menschliche Fuhrleute verdächtigen die Grauzwerge; deren Wachen behaupten, der Wagen habe das Tor nie erreicht. | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Karpulsar]] | |||
* [[Mor`dra|Mor'dra]] | |||
* [[Grauzwerge]] | |||
* [[Valoria]] | |||
* [[Großer Rücken]] | |||
Aktuelle Version vom 8. August 2026, 16:18 Uhr

Der Zwergenberg ist ein ausgedehnter, zerklüfteter Bergstock im Norden des Mittelreichs. Menschen würden ihn eher als kleines Gebirge denn als einzelnen Berg bezeichnen. Dennoch hat sich in Karten, Chroniken und im alltäglichen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Zwergenberg“ oder schlicht „der Fels“ durchgesetzt. An seiner Ostseite liegt die Festungsstadt Karpulsar, tief in seinem Inneren die grauzwergische Stadt Mor`dra.
Der Berg ist zugleich Landschaft, Rohstofflager, Festung und Heiligtum. Seine vier Seiten unterscheiden sich stark voneinander: Im Norden dominieren verwitterte Steilhänge, im Osten liegen die gerodeten Flächen Karpulsars, im Süden reichen bewaldete Ausläufer in das Weite Hügelland, und die Westseite steht unter dem eisigen Einfluss des Frostwurmwalds. Nur ein kleiner Teil der Oberfläche und der inneren Wege ist Menschen bekannt.
Name und Bedeutung
Die verbreitete Bezeichnung „Fels“ soll auf die Grauzwerge selbst zurückgehen. Mittelländische Geschichtsforscher vermuten, dass sie das Wort mit erheblichem Aufwand in menschliche Karten und Chroniken einbrachten. In der zwergischen Gesteinssprache bezeichnet die entsprechende Wendung jedoch minderwertiges, schlecht zu bearbeitendes Gestein. Eine Sippe, die freiwillig in einem solchen „Fels“ siedelte, würde als unklug oder unfähig gelten.
Damit trägt der Name eine bis heute wirksame Herabsetzung in sich. Die am Zwergenberg lebende Sippe wurde vor langer Zeit aus dem Reich des Großen Rückens verbannt. Manche traditionsgebundenen Grauzwerge betrachten ihre Nachfahren weiterhin als Ausgestoßene oder sogar als Vogelfreie. Menschen dagegen kennen sie seit der Entstehung des Mittelreichs als verlässliche Vertragspartner, Baumeister und Verteidiger Karpulsars.
Für die Bewohner Karpulsars bezeichnet der Zwergenberg nicht nur das sichtbare Gebirge. Der Name umfasst auch die bewachten Stollen, Werkstätten, Lager und Wohnbereiche hinter den Toren der Stadt. Wo diese äußeren Anlagen enden und Mor'dra beginnt, erklären die Grauzwerge Außenstehenden nicht.
Die Verbannung
Welche Verfehlung zur Verbannung einer ganzen Sippe führte, ist nicht überliefert. Selbst sehr alte Grauzwerge schweigen darüber. Die Ereignisse werden in eine Zeit kurz nach dem Einschlag des gewaltigen Meteors eingeordnet, aus dessen Trümmern später das Halblingreich entstand.
Dass die Verbannung selbst für das Volk der Grauzwerge ein schwerer Verlust war, gilt als sicher. Die Zahl der Ausgestoßenen war so groß, dass zeitweilig um den Fortbestand des Volkes gefürchtet wurde. Während sich andere Grauzwerge im Kampf gegen die Drachen tief in den Großen Rücken zurückzogen, mussten die Verbannten durch die Länder der Oberfläche ziehen.
Ein in der großen Bibliothek zu Kalesch aufbewahrtes Fragment beschreibt ihren Marsch über verbrannte Erde. Hitze, Rauch und glühender Boden zeichneten die Verbannten, doch niemand soll einen Laut des Schmerzes ausgestoßen haben. In späteren Erzählungen wurde dieses Schweigen zum Sinnbild für Stolz, Trotz und die Weigerung der Sippe, den Richterspruch ihrer Verwandten anzuerkennen.
Das Bündnis mit Karpulsar
Als die ersten Menschen am Osthang eine kleine Siedlung namens Karpulsar errichteten, wurden ihre Höfe von Trollen aus dem Norden, Orks aus dem Westen und schließlich von Drachen bedroht. In dieser Not erschien die verbannte grauzwergische Sippe. Ihre Krieger trugen runde Schilde und setzten schwere Schleudermaschinen ein, mit denen sie selbst die Drachen zurückdrängten.
Nach drei Tagen der Beratung schlossen ein grauzwergischer Anführer und der Dorfälteste ein Bündnis. Die Grauzwerge errichteten Wehrtürme, Ringmauer und befestigte Ebenen. Im Gegenzug lieferten die Menschen Holz, Korn, Ziegen und Schafe an den Berg. Aus dem Dorf entstand die heutige Festungsstadt; die Grauzwerge behielten eigene Wohn- und Werkbereiche nahe dem Fels und verweigerten Menschen den freien Zutritt zu ihren Stollen.
Als Zeichen ihres Versprechens hinterließen sie ein silbernes Drachenhorn. Es wird heute im Wachturm Drachenzahn verwahrt und soll die Kinder Brindoschs im Fall eines erneuten Drachenangriffs zu Hilfe rufen. Das Bündnis besteht bis heute, beruht jedoch weniger auf Freundschaft als auf gemeinsamem Nutzen, alten Pflichten und dem Wissen, dass keine Seite den Berg allein verteidigen könnte.
Der Zwergenberg heute
Von außen wirkt der Zwergenberg vielerorts unberührt. Tatsächlich durchziehen ihn verlassene Schächte, aktive Stollen, verborgene Lüftungsöffnungen und Befestigungen. Einige Zugänge wurden nach dem Tag des Feuers verschlossen, andere werden weiterhin genutzt. Welche Wege miteinander verbunden sind, bleibt ein streng gehütetes Geheimnis.
Menschen begegnen Grauzwergen vor allem in Karpulsar, im dortigen Zwergenviertel und an den äußeren Wachen. Diese Gemeinschaft ist bewohnt und handlungsfähig. Sie wartet die alten Anlagen Karpulsars, betreibt Schmieden und kontrolliert den Warenverkehr. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass die oberen Ebenen Mor'dras zurückerobert oder die drei tiefen Zufluchtsräume wieder sicher verbunden wären.
Die Nordseite
Die Nordseite ist zerklüftet und durch den ständigen Wechsel von Frost und Tauwetter stark verwittert. Das rissige Gestein bricht leicht; Gerölllawinen gehen ohne Vorwarnung in die Täler nieder. Flechten, Moose und kleine, vom Wind verformte Bäume bedecken die weniger steilen Flächen.
Seit Holzfäller aus Karpulsar unter einem frischen Geröllfeld die Überreste einer schwer bewaffneten Orkhorde des Clans Rof'mtog fanden, wird die Gegend möglichst gemieden. Ob die Orks von einem natürlichen Felssturz überrascht oder von unbekannten Verteidigern in die Lawine getrieben wurden, ist ungeklärt.
Die Tierwelt ist weitgehend ungestört. Riesenadler, Berglöwen und wilde Kriegsspinnen teilen sich die Hänge mit gewöhnlichem Bergwild. Reisende müssen hier weniger mit Wachen als mit brüchigem Boden, plötzlichem Steinschlag und schwer auffindbaren Rückwegen rechnen.
Die Ostseite und Karpulsar
An der Ostseite liegt Karpulsar. Die Wälder wurden im Umkreis eines Tagesritts weitgehend gerodet; auf den sanfteren Flächen wird mit mäßigem Erfolg Landwirtschaft betrieben. Höfe und Dörfer zwischen Karpulsar und Valoria liefern einen großen Teil der Lebensmittel, die Stadt und Berg benötigen.
Der Fels hinter Karpulsar wurde durch grauzwergische Steinmetzarbeit fast unbegehbar gemacht. Glatte Flächen, künstliche Abbrüche und verdeckte Beobachtungsposten verhindern einen Aufstieg außerhalb der vorgesehenen Wege. Lediglich ein schmaler, gefährlicher Steg führt zum hoch gelegenen Wachturm Drachenzahn. Die Gesamtanlage fügt sich unmittelbar an Ringmauer, Ebenen und Kanalsystem der Festungsstadt an.
Hinter einem unscheinbaren Felsspalt liegt die Drachenschlucht. Schwere Speerschleudern, niedrige Steinwälle und in den Fels getriebene Wachräume sichern dort ein reich verziertes eisernes Tor. Die Schlucht ist so eng, dass große Drachen nur langsam landen und dabei von mehreren Seiten beschossen werden können. Menschen endet der Weg gewöhnlich vor den ersten Stellungen. Ob das Tor direkt nach Mor'dra, in äußere Werkstätten oder in ein eigenes System von Verteidigungsstollen führt, wird nicht erklärt.
Die Südseite
Die Südseite öffnet sich zum Weiten Hügelland. Lange Bergrücken, bewaldete Täler und verborgene Quellseen bilden ein unübersichtliches Übergangsgebiet. Manche Winkel sollen noch nie von Menschen betreten worden sein. An einem kleinen See wurde eine Gruppe Stierdrachen beobachtet; von offenen Höhen lassen sich im Sommer die großen Büffelherden des Hügellands erkennen.
Weite Teile des Waldes dienen dem überwiegend friedlichen orkischen Clan Brrom'mtog als Jagdgebiet. Die Orks dulden kleinere Reisegruppen meist, erwarten jedoch, dass ihre Jagdrechte geachtet werden. Der Wald ist alt und stellenweise ungewöhnlich dicht. Gerüchte verorten hier Ausläufer der Generationenwälder und Tiere, die in den übrigen Wäldern der Region unbekannt sind.
Die Westseite
Die Westseite ist selbst in warmen Sommern deutlich kälter als das Umland. Schnee und Eis bleiben bis weit ins Jahr liegen; wenn an der Ostseite noch geerntet wird, können hier bereits die ersten Winterstürme einsetzen. Eine Sage führt die Kälte auf einen toten Titanen des Eises zurück, der am Fuß der Frostzacken begraben worden sein soll. Sein Atem ströme durch den Frostwurmwald bis zum Zwergenberg.
An den Hängen leben Bergziegen, Bären, Wölfe und zahlreiche Greifvögel. Im Winter ziehen Tarnoks, Büffel und Mammuts auf ihrer Flucht vor der nördlichen Kälte an der Westseite vorbei. Der Clan Brrom'mtog folgt den Herden und betrachtet die Region als sein Jagdgebiet. Menschen werden häufig geduldet, sollten im Streitfall jedoch auf eine Beute verzichten. Sicherer ist es, Felle und Mammutzahn später von den Orks einzutauschen.
Zugänge, Handel und Geheimhaltung
Der einzige Menschen offen bekannte Zugang liegt in der Drachenschlucht bei Karpulsar. Daneben muss es Lüftungsschächte, alte Breschen und geheime Wege geben. Der Tag des Feuers begann gerade deshalb, weil Eisenwürmer eine Außenwand in den verlassenen oberen Etagen so stark beschädigten, dass Drachen in den Berg eindringen konnten. Einige dieser Breschen bestehen vermutlich fort und werden von Drachen oder anderen Wesen genutzt.
Karpulsar vermittelt den Handel zwischen den Grauzwergen und der Außenwelt. Roherz, Waffen, Rüstungen und hochwertige Werkzeuge gelangen von dort nach Valoria und weiter in das Kaiserreich. Im Gegenzug werden Holz, Korn, Kohle, Vieh und Tuch an den Berg geliefert. Die Grauzwerge bestimmen Art und Umfang jeder Ausfuhr.
Für Menschen gilt nahezu jede Ware aus dem Berg als Erzeugnis Mor'dras. Diese Bezeichnung ist ungenau: Ein Teil stammt aus den offenen Schmieden und erreichbaren Stollen nahe Karpulsar, anderes gelangt über unbekannte Wege aus tieferen Bereichen nach außen. Die Grauzwerge berichtigen Händler selten. So bleiben tatsächliche Produktionsstätten, Versorgungswege und die Schwäche der eingeschlossenen Stadt verborgen.
Gerüchte und Abenteuerideen
- An der Nordseite wird nach einem Geröllsturz ein glatter, mit zwergischen Zeichen versehener Schacht sichtbar. Noch bevor Forscher aus Kalesch eintreffen, sperren grauzwergische Krieger das Tal.
- Eine Herde an der Westseite bricht ihre Wanderung ab und flieht zurück in den Frostwurmwald. Orkische Jäger behaupten, unter dem Schnee bewege sich etwas Großes nach Süden.
- Am Quellsee der Südseite fehlen die Stierdrachen. In den umliegenden Tälern finden sich verbrannte Bäume, aber keine Spuren eines Kampfes.
- Ein Händler aus Valoria bietet eine Karte angeblicher Lüftungsschächte an. Die Zeichnung ist alt und glaubwürdig, doch einer der eingezeichneten Wege endet in den vom Tag des Feuers verwüsteten Ebenen.
- Das silberne Drachenhorn im Drachenzahn erklingt für einen einzigen tiefen Ton, obwohl niemand den Turm betreten hat. Die Wachen der Drachenschlucht schließen daraufhin das eiserne Tor.
- Zwischen Karpulsar und dem Berg verschwindet eine Lieferung aus Korn und Werkzeugen. Menschliche Fuhrleute verdächtigen die Grauzwerge; deren Wachen behaupten, der Wagen habe das Tor nie erreicht.