Amal: Unterschied zwischen den Versionen
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== Lage und Tal von Amal == | |||
Amal liegt in einem felsigen Tal, das zu einem Ausläufer des [[:Kategorie:Großer Rücken|Großen Rückens]] gehört. Das Tal öffnet sich im Süden zum Meer und bildet durch seine große Wassertiefe einen natürlichen Hafen. Helle Kalksteinfelsen ragen auf beiden Seiten fast 1.000 Schritt empor. In der südlichen Hälfte steigen sie nahezu senkrecht an. Im Norden erheben sie sich zunächst in breiten Stufen bis auf etwa 700 Schritt, bevor auch dort unpassierbare Steilhänge beginnen. | |||
Ein einziger Pass verlässt das Tal auf ungefähr 600 Schritt Höhe. Von dort windet sich eine Straße durch das karge Vorgebirge in Richtung [[Uria]] und [[Gilgardor]]. Der schmale Zugang und die hohen Felswände machen Amal an Land außerordentlich schwer angreifbar. | |||
== Stadtbild und Architektur == | |||
[[Datei:Amal_Rundtor.png|mini|hochkant=1.7|Die Passfestung mit dem Rundtor]] | |||
Wer Amal über den Pass erreicht, durchquert zunächst eine gewaltige Festung, die sich über die etwa 40 Schritt breite Schlucht erstreckt. Ihr kreisrundes Haupttor misst 16 Schritt im Durchmesser. Das eisenverstärkte Holztor dreht sich um eine Achse in seiner Mitte und kann waagerecht oder senkrecht mit großen Bolzen arretiert werden. Seilzüge setzen die schwere Scheibe in Bewegung. Seit Jahrhunderten verrichtet die Konstruktion ihren Dienst und gilt als eines der technischen Wunder der Südlande. | |||
Hinter einem zweiten Rundtor öffnet sich der Blick über die Stadt. Von der Passhöhe führen Reisterrassen und Weinberge bis zu den dicht bebauten unteren 200 Schritt des Tals hinab. Da Pass und Talzugang stark befestigt sind, besitzt Amal keine geschlossene Stadtmauer. Breite Hauptstraßen verbinden mehrere urbane Zentren mit den Hafenanlagen am Meer. | |||
Einfache Wohn- und Geschäftshäuser bestehen aus gebrannten, weiß getünchten Lehmsteinen. Sie sind meist ein bis zwei Stockwerke hoch und tragen kleine Kuppeln oder flache Dächer. In den Stadtzentren stehen dagegen mehrstöckige Kalksteinbauten, Paläste und hohe Türme. Ihre oberen Geschosse werden von leichten Metallkonstruktionen getragen und besitzen ausgedehnte Glasflächen. Korallenstein dient als Fassadenschmuck, für Säulen, Brüstungen und farbige Wandflächen. Zwischen den Gebäuden spenden Bahnen aus belastbarer Seide Schatten. Diese Verbindung aus Kalkstein, Glas, Metall, Korallen und Seide ist außerhalb Amals kaum zu finden. | |||
=== Die sechs Stadtzentren === | |||
Amal besitzt sechs große Stadtzentren. Jedes von ihnen verfügt über einen riesigen Markt, mehrere Tempel, Wachhäuser und öffentliche Einrichtungen. Um diese Kerne legen sich ringförmig angeordnete Wohn- und Gewerbeviertel. Jedes Zentrum wäre in anderen Landstrichen groß genug, als eigene Stadt zu gelten. | |||
Die sechs Zentren bilden die räumliche Grundordnung Amals. Tempelbezirk, Handelsbezirke und Seebezirk bezeichnen dagegen ihre unterschiedlichen Funktionen. Breite Straßen, Treppen und Rampen schaffen Verbindungen, während Lastenaufzüge Waren zwischen den verschiedenen Höhenstufen bewegen. | |||
=== Der Tempelbezirk === | |||
Das älteste und bedeutendste Stadtzentrum umgibt den [[#Der Große Tempel|Großen Tempel Gwygats]]. Hier befinden sich der Sitz des Priesterrates, wichtige Archive und Bibliotheken sowie zahlreiche Pilgerherbergen. Die Tempel anderer Gottheiten wurden im Laufe der Stadtplanung ebenfalls hierher verlegt. Kein Heiligtum darf höher aufragen als der mittlere Turm des Großen Tempels. | |||
=== Handel und Gewerbe === | |||
Mehrere Stadtzentren werden von großen Märkten, Kontoren, Werkstätten und Lehrstätten geprägt. Waren aus den Kolonien werden hier geprüft, verteilt und weiterverarbeitet. Metallarbeiter, Glasbläser, Alchemisten, Seidenverarbeiter und Enginologen genießen hohes Ansehen. Die planmäßig angelegten Hauptstraßen erleichtern den Transport zwischen den Märkten, Speichern und dem Hafen. | |||
=== Der Seebezirk und der Hafen === | |||
[[Datei:Amal_Hafen.png|mini|hochkant=1.7|Einer der Handelshäfen von Amal]] | |||
Der Seebezirk umfasst mehrere Häfen und bildet die größte Hafenanlage Ganthors. Mehrere Buchten wurden zu Häfen für Handelsschiffe ausgebaut. An den breiten Kais stehen Lagerhäuser für Lebensmittel, Holz, Korallen, Seide und andere Kolonialwaren. Rampen, Kräne und mechanische Lastenaufzüge verbinden die Hafenbecken mit den höher gelegenen Straßen. | |||
Die größte Bucht wird vom Kriegshafen eingenommen: Diesr Teil des Seebzirks untersteht unmittelbar der Flotte. Dort werden die ungewöhnlich großen Schiffe Amals gebaut, ausgerüstet und instand gesetzt. Ihre Rümpfe bestehen überwiegend aus dem kostbaren Holz der Kolonien; Metallbeschläge, gläserne Aufbauten und farbige Korallenelemente kennzeichnen besonders bedeutende Schiffe. Die geschützte Lage der Buchten und befestigte Stellungen an den Hafenzufahrten machen einen Angriff von See schwierig. | |||
=== Die Hangterrassen === | |||
Die nördlichen Hänge des Tals sind fast vollständig in Reisterrassen und Weinberge umgewandelt. Sie versorgen Amal jedoch nur noch zu einem kleinen Teil. In höheren Lagen liegen gefasste Quellen, Speicherbecken und Kanäle. Kleine Siedlungen von Landarbeitern und Verwaltern verteilen sich zwischen Feldern, Wasseranlagen und der Passstraße. | |||
Außerhalb der Passfestung entstanden seit 334 n. G. mehrere geduldete Ansiedlungen. Dort leben Menschen, denen die Niederlassung in Amal bisher verweigert wurde, ebenso Händler, Fuhrleute und Vermittler, die von den strengen Zugangskontrollen profitieren. | |||
== Versorgung und Infrastruktur == | |||
=== Wasser === | |||
Amal bezieht sein Wasser aus Quellen in den Kalksteinbergen. Die Zuflüsse werden in hoch gelegenen Becken gesammelt und durch ein Netz aus offenen Kanälen, Leitungen und Zisternen über die Hangterrassen und Stadtviertel verteilt. Schleusen regeln die Abgabe an Felder, öffentliche Brunnen, Badehäuser und Werkstätten. Mechanische Pumpwerke heben Wasser dort an, wo natürliches Gefälle nicht ausreicht. | |||
Die Wasseranlagen werden von Priestern, Enginologen und eigens ausgebildeten Arbeitern überwacht. Verunreinigungen oder Beschädigungen gelten als schwere Vergehen, da die dicht bevölkerte Stadt vollständig von dem System abhängt. | |||
=== Lebensmittel und Speicher === | |||
Die Felder im Tal reichen längst nicht mehr aus, um etwa 500.000 Einwohner zu ernähren. Reis, Mais, Früchte und andere Lebensmittel kommen größtenteils aus den Kolonien. Große Speicher am Hafen und in den Stadtzentren sollen schlechte Ernten, Stürme und vorübergehende Unterbrechungen des Seehandels ausgleichen. Die Blockade durch das Mittelreich zeigte jedoch, wie verwundbar Amal trotz dieser Vorräte bleibt. | |||
== Herrschaft und Verwaltung == | |||
Amal ist eine Theokratie. Oberstes Regierungsorgan ist der Rat der Gwygat-Priester. Seine Mitglieder werden auf Lebenszeit berufen, können zurücktreten oder durch einstimmigen Beschluss des übrigen Rates abgesetzt werden. Der Rat erlässt Gesetze, bestimmt die Außenpolitik und überwacht Stadtplanung, Forschung und Kolonialverwaltung. | |||
Der Hohepriester führt den Vorsitz, vertritt Amal nach außen und vermittelt bei Streitigkeiten innerhalb des Rates. Der gegenwärtige Hohepriester '''Hamid Alzaid''' besitzt außergewöhnlichen persönlichen Einfluss, da er Amal aus der magischen Beherrschung der Dunklen Jahre befreite. Dennoch regiert er nicht allein. | |||
Unterhalb des Rates besteht eine weit verzweigte Hierarchie aus Priestern, Templern und Verwaltern. Sie führen Gerichte, Archive, Schulen, Speicher, Hafenämter und Stadtwachen. Alle berufen sich auf den Kodex Gwygats und das Prinzip, Entscheidungen nach Logik, Vernunft und dem Nutzen für die Allgemeinheit zu treffen. | |||
Diese Herrschaft verbindet große persönliche Freiheiten mit politischer Härte. Bürger dürfen ihre Lebensweise und Ansichten weitgehend frei wählen, solange sie die bestehende Ordnung nicht infrage stellen. Verbrecher werden streng bestraft; Zwangsarbeit in den Kolonien und die Todesstrafe sind üblich. Politische Gegner werden zunächst von besonders geschulten Priestern in sachlichen Gesprächen zur Umkehr aufgefordert. Wer sich nicht überzeugen lässt, wird verbannt. | |||
== Bevölkerung und Gesellschaft == | |||
[[Datei:Amal_Stadtzentrum.png|mini|hochkant=1.7|Eines der sechs Stadtzentren Amals]] | |||
Ursprünglich lebten die meisten Einwohner Amals von Fischfang und Landwirtschaft. Heute bilden Arbeiter, Handwerker, Seefahrer und Händler die größten Bevölkerungsgruppen. Soldaten und Angehörige der Flotte sind ebenfalls häufig vertreten. | |||
Der alte Adel besitzt seit dem Sturz der Fürstendynastie keine unmittelbare Regierungsgewalt mehr. Viele Familien haben jedoch einflussreiche Positionen im Handel, in der Flotte oder im Heer übernommen und geben diese häufig innerhalb ihrer Häuser weiter. Die Priesterschaft ist zahlenmäßig klein, bildet durch ihre zahlreichen Ämter und Rangstufen aber eine breitere Führungsschicht als der Adel anderer Stadtstaaten. | |||
Die Aufnahme neuer Einwohner wird streng geregelt. Seit 334 n. G. darf sich nur dauerhaft in Amal niederlassen, wer der Stadt nach Einschätzung der Priester-Verwalter auf nützliche Weise dienen kann. Ausbildung, besondere Fähigkeiten, Kapital oder militärische Erfahrung erhöhen die Chancen auf Aufnahme. | |||
== Lebensweise und Kultur == | |||
Das Leben in Amal ist von einer Ausgelassenheit geprägt, die Besuchern aus vielen anderen Ländern fremd erscheint. Private und öffentliche Feste spielen eine große Rolle; berauschende Kräuter und andere Substanzen werden dabei offen konsumiert und von der Obrigkeit geduldet. | |||
Auch in Fragen von Liebe, Ehe und Kleidung gelten vergleichsweise liberale Sitten. Gleichgeschlechtliche Ehen und Prostitution sind erlaubt. Festgewänder sind häufig eng geschnitten, mit körperbetonenden Polstern versehen und mit Schmuck geschmückt, der andernorts als anstößig gilt. [[Alinata]] besitzt deshalb einen festen Platz im Alltagsleben, obwohl Gwygat die Politik der Stadt bestimmt. | |||
Daneben gilt Vernunft als höchste Tugend. Theater, Konzerte und Bibliotheken stehen auch armen Bürgern offen. Dieses Angebot wird rege genutzt, sodass der durchschnittliche Bildungsstand Amals den der meisten anderen Reiche deutlich übertrifft. Einige Bürger, insbesondere Priester und Gelehrte, lehnen das verbreitete Lustprinzip ab und führen ein asketisches Leben im Dienst von Forschung und Gemeinwohl. | |||
== Religion, Wissenschaft und Magie == | |||
Amal gilt auf ganz Ganthor als Hauptstadt des Gwygat-Kults. Gelehrte, Philosophen und Handwerker pilgern aus weit entfernten Ländern in die Stadt. Wer die gefährliche Reise unternehmen kann, kommt meist nicht als einfacher Wallfahrer, sondern mit Dienern oder Leibwächtern. | |||
Wissenschaft und Bildung genießen annähernd dasselbe Ansehen wie [[Magie]]. Anders als in den meisten menschlichen Reichen wird technische Forschung nicht als bloßes Handwerk betrachtet, sondern als religiös begründeter Weg zu Erkenntnis und Fortschritt. | |||
=== Der Große Tempel === | |||
Der Große Tempel bildet das religiöse und politische Zentrum Amals. Seine fünf weithin sichtbaren Türme sind der Alchemie, der Mechanik, der Tierkunde, der Philosophie und der Geschichtsschreibung gewidmet. Der mittlere Turm überragt alle anderen Heiligtümer des Tempelbezirks. Im Tempel tagen der Priesterrat und zahlreiche wissenschaftliche Kollegien; zugleich beherbergt er Archive, Sammlungen und Räume für öffentliche Lehrgespräche. | |||
=== Enginologische Universität === | |||
Die Enginologische Universität widmet sich Mechanik, Bauwesen, Werkstoffkunde sowie dem Schiffs- und Maschinenbau. Viele Wasseranlagen, Kräne, Lastenaufzüge und Hafenmaschinen Amals gehen auf ihre Arbeit zurück. Ausbildung und Forschung stehen unter der Aufsicht des Gwygat-Kults. | |||
=== Schule der Erleuchtung === | |||
An der Schule der Erleuchtung werden Philosophie, Logik, Verwaltung und die Auslegung des Kodex Gwygats gelehrt. Viele höhere Priester und Beamte haben hier studiert. Öffentliche Streitgespräche gehören ebenso zur Ausbildung wie die Prüfung praktischer Entscheidungen auf ihren Nutzen für die Allgemeinheit. | |||
=== Kolleg des Kampfes zur See === | |||
Das Kolleg bildet Offiziere, Navigatoren und Spezialisten der Amaler Flotte aus. Es lehrt Navigation, Flottenführung, Versorgung auf langen Reisen und den Kampf mit großen Schiffen. Auch der Einsatz von Magie und Alchemie auf See wird untersucht, bleibt aber der militärischen Führung vorbehalten. | |||
=== Alchemistische Schule === | |||
Die Alchemistische Schule erforscht Arzneien, Konservierungsmittel, Werkstoffe und technisch nutzbare Substanzen. Ihre Verfahren sind für lange Seereisen und die Versorgung der Kolonien von großer Bedeutung. Viele ihrer Erkenntnisse werden als Staatsgeheimnisse behandelt. | |||
== Wirtschaft und Handel == | |||
Amals Wohlstand beruht auf seiner Flotte und den Kolonien. Den abhängigen Siedlungen ist der direkte Handel mit anderen Mächten untersagt. Lebensmittel, Rum, Tabak, tropische Früchte, Seide, Holz, Korallen, Stein und seltene Edelsteine werden zunächst nach Amal gebracht und von dort weiterverkauft. | |||
Die wichtigsten Handelspartner sind die [[:Kategorie:Zwerge|Zwerge]], [[:Kategorie:Borrograd|Borrograd]] und die Händler in [[Gilgardor]]. Von den Zwergen erhält Amal Metalle, Waffen und bearbeitete Metallwaren gegen Gold, Edelsteine, Holz, Seide und Alkohol. Nordländische Händler liefern Metalle, Gold und auch Gefangene, die als Sklaven verkauft werden. Der größte Teil der Waren für die übrigen Südlande wird in Gilgardor umgeschlagen. | |||
Das Handelsmonopol wird regelmäßig durch Schmuggler gebrochen. Besonders [[Weißmondinseln#Faruk|Faruk]] ermöglicht mittelländischen und nordländischen Schiffen unter militärischem Schutz Zugang zu den südlichen Märkten. Daraus entstehen immer wieder kleinere Seegefechte. | |||
== Flotte und Kolonien == | |||
Die Kolonien bilden die größte Machtbasis Amals, sind aber zugleich seine größte Schwäche. Die [[Weißmondinseln|Weißmondriffe]] umfassen mehrere Hundert Inseln, von denen ungefähr 30 dauerhaft besiedelt sind. Sie sind zu den Kolonien Avali, Nord-Vanua, Süd-Vanua, Marao und dem abtrünnigen Faruk zusammengefasst. | |||
Die größeren Inseln liefern Reis, Mais, Zuckerrohr, Tabak und tropische Früchte. Ihr dichter Urwald birgt zugleich große Gefahren. [[Drachenechse]]n, [[Traxyr]]e und magische Wesen machen die Holzgewinnung zu einer tödlichen Arbeit. Sträflinge, Sklaven und versklavte Waldmenschen werden unter Zwang in Landwirtschaft, Bergbau und Holzeinschlag eingesetzt. | |||
Seit etwa 500 n. G. gründet Amal zusätzlich Siedlungen entlang der Südküste. Bis zum Dschungel entstand eine Kette kleiner Hafenorte. Weiter westlich verschwanden bereits mehrere Kolonien spurlos im Urwald. Die größte dauerhafte Siedlung ist [[Weißwacht]], eine befestigte Garnisonsstadt und Flottenbasis. | |||
Amal betrachtet die Kolonien als Rohstoffquellen, militärische Stützpunkte und unverzichtbaren Teil seiner Nahrungsversorgung. Für viele Kolonisten stehen dagegen das Handelsmonopol, die harte Verwaltung und die Ausbeutung im Widerspruch zu Amals Lehren von Vernunft und Gemeinwohl. Dieser Gegensatz führte wiederholt zu Aufständen. | |||
== Geschichte == | |||
=== Von der Fürstenstadt zur Theokratie === | |||
Amal war ursprünglich eine kleine Stadt von Fischern und Bauern, die von einer Fürstendynastie beherrscht wurde. Holz war knapp, Ernten reichten häufig nicht aus, und die Herrscher lehnten viele Reformen der Gwygat-Priester aus Geiz ab. Nach einer verheerenden Hungersnot setzten Priester, Templer und angeworbene Söldner den Fürsten ab. Mit diesem Umsturz beginnt die Amaler Zeitrechnung: Das Jahr 1 „nach Gwygats Segen“ (n. G.) entspricht 599 v. Ill. | |||
Neue Bewässerungsmethoden, Hafenausbau und planmäßige Stadtentwicklung ließen Amal rasch wachsen. Der Große Tempel wurde zwischen 20 und 60 n. G. errichtet. Nach zunehmenden Angriffen entstand ab 51 n. G. die Passfestung; im Jahr 91 n. G. war ihr Rundtor vollständig einsatzbereit. Im Jahr 79 n. G. gründete Amal seine erste dauerhafte Siedlung auf den Weißmondinseln. | |||
=== Aufstieg zur Seemacht === | |||
Ab 100 n. G. nahm Amal Handelsbeziehungen mit Uria und Brandal auf. Nordländische Entdecker erreichten die Stadt erstmals 130 n. G. Piratenüberfälle veranlassten den Rat zum Aufbau einer starken Kriegsflotte. Da die Stadt an ihre räumlichen und landwirtschaftlichen Grenzen stieß, wurde die Kolonisierung der Weißmondinseln ausgeweitet. | |||
Bis etwa 200 n. G. stritten Amal, Uria und Brandal um eine Oase am Rand der Wüste. Zwischen 251 und 270 n. G. eskalierte der Konflikt mit Uria erneut: Nach der Ermordung Hohepriester Thesars folgten wechselseitige Attentate, und drei Siedlungen Urias im Großen Rücken wurden unter ungeklärten Umständen ausgelöscht. | |||
Ab 230 n. G. entstanden die neuen Stadtzentren. Um 300 n. G. fanden die Priester neue Wege, knappes Holz durch Korallen, Metall, Glas und später auch Seide zu ersetzen. Der Handel mit dem neu gegründeten Gilgardor brachte der Stadt großen Wohlstand. | |||
=== Unabhängigkeit und Allianz === | |||
Im Jahr 308 n. G. entsandte Kaiser Samon VII. ein Expeditionsheer und ließ den Hafen Amals blockieren. Die Versorgungslage verschlechterte sich rasch. Amal verbündete sich daraufhin mit Uria und Brandal; gemeinsam und mit Hilfe zwergischer Söldner schlugen sie das Heer zurück. | |||
Im Jahr 310 n. G. beziehungsweise 290 v. Ill. erklärten die Stadtstaaten ihre Unabhängigkeit vom Mittelreich. Kaiser Samon erkannte sie nicht an und hielt Grenze und Seewege gesperrt. Als das Mittelreich wenige Jahre später einen Streit zwischen Brandal und Uria für einen neuen Angriff nutzte, trat Amal den anderen Stadtstaaten bei. Seine Flotte besiegte die kaiserlichen Schiffe vor Radgar. Im Jahr 325 n. G. beziehungsweise 275 v. Ill. wurde die [[Südlande Geschichte#Die Allianz von Uria|Allianz von Uria]] geschlossen. | |||
=== Expansion und Dunkle Jahre === | |||
== | |||
Nach dem Unabhängigkeitskrieg nahm Amal viele Flüchtlinge auf, beschränkte die Zuwanderung aber im Jahr 334 n. G. auf Menschen, die der Stadt einen nachweisbaren Nutzen bringen konnten. Im Jahr 361 n. G. zerstörte ein großer Brand weite Teile der Innenstadt; einzig der Tempel Gwygats blieb unversehrt. | |||
Amal | Ab 500 n. G. begann Amal, die Südküste zu kolonisieren. Zwischen 531 und 545 n. G. geriet der Priesterrat während der „Dunklen Jahre“ unter die Kontrolle einer Gruppe von Magiern aus Gilgardor. Handel, Forschung und Verwaltung verfielen. Der junge Priester Hamid Alzaid befreite sich durch göttliches Wirken aus der Beherrschung und eroberte die Stadt mit Hilfe der Templer zurück. | ||
Im Jahr 557 n. G. erhoben sich mehrere Kolonien. Der Krieg dauerte etwa fünf Jahre. Amal unterwarf die meisten Aufständischen, doch Faruk behauptete seine Unabhängigkeit. Seit 561 n. G. wird die Insel von der mittelländischen Flotte geschützt. | |||
=== Gegenwart === | |||
Im Jahr 595 n. G. beschloss der Rat trotz der Affäre von Asim, sich aus einer direkten Auseinandersetzung mit dem Mittelreich herauszuhalten. Eine unbekannte Flotte bedroht seitdem die Kolonien und bindet fast die gesamte Seemacht Amals. Der Rat verschweigt diese Gefahr gegenüber der Allianz. | |||
Die Gegenwart ist das Jahr 600 n. G. beziehungsweise 1 n. Ill. Amal bleibt ein mächtiger Handelspartner, hat aber auf dem Festland Einfluss an Brandal und Uria verloren. Zugleich bedrohen Unruhen im Inneren, Spannungen in den Kolonien und die unbekannten Schiffe seine Herrschaft. | |||
== Widerstand gegen den Rat == | |||
In jüngerer Zeit kam es zu Anschlägen auf Einrichtungen und Vertreter des Priesterrates. Zu den Tätern gehören verbliebene Anhänger der Magier aus den Dunklen Jahren und Bürger, die unter Umsiedlungen, Verbannungen oder anderen Maßnahmen „zum Wohle aller“ gelitten haben. | |||
Die bekannteste Untergrundgruppe sind die '''Söhne Amals'''. Ihre Mitglieder betrachten sich als Nachkommen und Erben der Opfer früher Repressionen. Sie erhalten Unterstützung von Bürgern, die der Priesterrat enteignet, umgesiedelt oder aus politischen Gründen verfolgt hat. Im Gegenzug schützen sie diese Menschen vor den Behörden. Innerhalb der Bewegung stehen gemäßigte Gegner der Theokratie neben gewaltbereiten Verschwörern. | |||
== Bedeutende Orte und Organisationen == | |||
== | |||
* '''Die Passfestung''' kontrolliert den einzigen Landweg nach Amal und beherbergt das berühmte Rundtor. | |||
* '''Der Große Tempel''' ist religiöser Mittelpunkt, Regierungssitz und Zentrum der Wissenschaften. | |||
* '''Die sechs Stadtzentren''' gliedern die Metropole in weitgehend selbstständige Versorgungs- und Verwaltungsräume. | |||
* '''Der Hafen''' verbindet Amal mit seinen Kolonien und bildet die Grundlage seiner Seemacht. | |||
* '''Der Rat Gwygats''' regiert Stadt und Kolonien. | |||
* '''Die Templer Gwygats''' schützen den Rat und sichern wichtige staatliche Einrichtungen. | |||
* '''Die Söhne Amals''' bilden die bekannteste Widerstandsbewegung gegen die Theokratie. | |||
== Gerüchte und Abenteuerideen == | |||
* In mehreren Zisternen sinkt der Wasserspiegel, obwohl die Quellzuflüsse unverändert sind. Enginologen vermuten einen unentdeckten Abfluss tief im Kalkstein. | |||
* Ein Schiff der unbekannten Flotte wurde schwer beschädigt an die Küste getrieben. Der Rat will das Wrack bergen, ohne dass die übrigen Mitglieder der Allianz davon erfahren. | |||
* Die Söhne Amals planen einen Anschlag auf eine öffentliche Feier. Innerhalb der Gruppe versucht eine gemäßigte Fraktion, das Blutvergießen zu verhindern. | |||
* Ein Priester behauptet, Beweise dafür zu besitzen, dass die Magier der Dunklen Jahre noch immer ein Mitglied des Rates beeinflussen. | |||
* Ein koloniales Transportschiff erreicht Amal ohne Besatzung. Seine Ladung ist unversehrt, doch im Inneren des Rumpfes finden sich Spuren eines unbekannten Wesens. | |||
* Vor der Passfestung verschwinden Bewerber, die auf eine Aufnahme in die Stadt hoffen. Die Behörden erklären sie zu freiwillig Abgereisten, während ihre Angehörigen von Menschenhändlern sprechen. | |||
Aktuelle Version vom 20. August 2026, 21:01 Uhr
Kein anderer Stadtstaat der Südlande gilt als so fremdartig und geheimnisvoll wie Amal. Die abgeschiedene Metropole an der Südküste verbindet die Verehrung Gwygats mit Wissenschaft, planmäßiger Stadtentwicklung und einer mächtigen Flotte. Während viele Bürger ein für Ganthor ungewöhnlich freies und gebildetes Leben führen, duldet der herrschende Priesterrat keinen Widerstand gegen seine Entscheidungen. Außerhalb Amals wird der Stadt daher ebenso viel Bewunderung wie Misstrauen entgegengebracht. Besonders ihre Expansion über die Weißmondinseln und entlang der Südküste beunruhigt die übrigen Mächte.
| Daten und Fakten | |
| Lage: | Südlande, Südküste |
| Einwohnerzahl: | etwa 500.000, dazu mehrere Kolonien |
| Regierung: | Hohepriester Hamid Alzaid und der Rat Gwygats |
| Stadteinteilung: | sechs Stadtzentren, Tempelbezirk, Handelsbezirke, Seebezirk, Hangterrassen |
| Gilden und Schulen: | Enginologische Universität, Schule der Erleuchtung, Kolleg des Kampfes zur See, Alchemistische Schule |
Lage und Tal von Amal
Amal liegt in einem felsigen Tal, das zu einem Ausläufer des Großen Rückens gehört. Das Tal öffnet sich im Süden zum Meer und bildet durch seine große Wassertiefe einen natürlichen Hafen. Helle Kalksteinfelsen ragen auf beiden Seiten fast 1.000 Schritt empor. In der südlichen Hälfte steigen sie nahezu senkrecht an. Im Norden erheben sie sich zunächst in breiten Stufen bis auf etwa 700 Schritt, bevor auch dort unpassierbare Steilhänge beginnen.
Ein einziger Pass verlässt das Tal auf ungefähr 600 Schritt Höhe. Von dort windet sich eine Straße durch das karge Vorgebirge in Richtung Uria und Gilgardor. Der schmale Zugang und die hohen Felswände machen Amal an Land außerordentlich schwer angreifbar.
Stadtbild und Architektur

Wer Amal über den Pass erreicht, durchquert zunächst eine gewaltige Festung, die sich über die etwa 40 Schritt breite Schlucht erstreckt. Ihr kreisrundes Haupttor misst 16 Schritt im Durchmesser. Das eisenverstärkte Holztor dreht sich um eine Achse in seiner Mitte und kann waagerecht oder senkrecht mit großen Bolzen arretiert werden. Seilzüge setzen die schwere Scheibe in Bewegung. Seit Jahrhunderten verrichtet die Konstruktion ihren Dienst und gilt als eines der technischen Wunder der Südlande.
Hinter einem zweiten Rundtor öffnet sich der Blick über die Stadt. Von der Passhöhe führen Reisterrassen und Weinberge bis zu den dicht bebauten unteren 200 Schritt des Tals hinab. Da Pass und Talzugang stark befestigt sind, besitzt Amal keine geschlossene Stadtmauer. Breite Hauptstraßen verbinden mehrere urbane Zentren mit den Hafenanlagen am Meer.
Einfache Wohn- und Geschäftshäuser bestehen aus gebrannten, weiß getünchten Lehmsteinen. Sie sind meist ein bis zwei Stockwerke hoch und tragen kleine Kuppeln oder flache Dächer. In den Stadtzentren stehen dagegen mehrstöckige Kalksteinbauten, Paläste und hohe Türme. Ihre oberen Geschosse werden von leichten Metallkonstruktionen getragen und besitzen ausgedehnte Glasflächen. Korallenstein dient als Fassadenschmuck, für Säulen, Brüstungen und farbige Wandflächen. Zwischen den Gebäuden spenden Bahnen aus belastbarer Seide Schatten. Diese Verbindung aus Kalkstein, Glas, Metall, Korallen und Seide ist außerhalb Amals kaum zu finden.
Die sechs Stadtzentren
Amal besitzt sechs große Stadtzentren. Jedes von ihnen verfügt über einen riesigen Markt, mehrere Tempel, Wachhäuser und öffentliche Einrichtungen. Um diese Kerne legen sich ringförmig angeordnete Wohn- und Gewerbeviertel. Jedes Zentrum wäre in anderen Landstrichen groß genug, als eigene Stadt zu gelten.
Die sechs Zentren bilden die räumliche Grundordnung Amals. Tempelbezirk, Handelsbezirke und Seebezirk bezeichnen dagegen ihre unterschiedlichen Funktionen. Breite Straßen, Treppen und Rampen schaffen Verbindungen, während Lastenaufzüge Waren zwischen den verschiedenen Höhenstufen bewegen.
Der Tempelbezirk
Das älteste und bedeutendste Stadtzentrum umgibt den Großen Tempel Gwygats. Hier befinden sich der Sitz des Priesterrates, wichtige Archive und Bibliotheken sowie zahlreiche Pilgerherbergen. Die Tempel anderer Gottheiten wurden im Laufe der Stadtplanung ebenfalls hierher verlegt. Kein Heiligtum darf höher aufragen als der mittlere Turm des Großen Tempels.
Handel und Gewerbe
Mehrere Stadtzentren werden von großen Märkten, Kontoren, Werkstätten und Lehrstätten geprägt. Waren aus den Kolonien werden hier geprüft, verteilt und weiterverarbeitet. Metallarbeiter, Glasbläser, Alchemisten, Seidenverarbeiter und Enginologen genießen hohes Ansehen. Die planmäßig angelegten Hauptstraßen erleichtern den Transport zwischen den Märkten, Speichern und dem Hafen.
Der Seebezirk und der Hafen

Der Seebezirk umfasst mehrere Häfen und bildet die größte Hafenanlage Ganthors. Mehrere Buchten wurden zu Häfen für Handelsschiffe ausgebaut. An den breiten Kais stehen Lagerhäuser für Lebensmittel, Holz, Korallen, Seide und andere Kolonialwaren. Rampen, Kräne und mechanische Lastenaufzüge verbinden die Hafenbecken mit den höher gelegenen Straßen.
Die größte Bucht wird vom Kriegshafen eingenommen: Diesr Teil des Seebzirks untersteht unmittelbar der Flotte. Dort werden die ungewöhnlich großen Schiffe Amals gebaut, ausgerüstet und instand gesetzt. Ihre Rümpfe bestehen überwiegend aus dem kostbaren Holz der Kolonien; Metallbeschläge, gläserne Aufbauten und farbige Korallenelemente kennzeichnen besonders bedeutende Schiffe. Die geschützte Lage der Buchten und befestigte Stellungen an den Hafenzufahrten machen einen Angriff von See schwierig.
Die Hangterrassen
Die nördlichen Hänge des Tals sind fast vollständig in Reisterrassen und Weinberge umgewandelt. Sie versorgen Amal jedoch nur noch zu einem kleinen Teil. In höheren Lagen liegen gefasste Quellen, Speicherbecken und Kanäle. Kleine Siedlungen von Landarbeitern und Verwaltern verteilen sich zwischen Feldern, Wasseranlagen und der Passstraße.
Außerhalb der Passfestung entstanden seit 334 n. G. mehrere geduldete Ansiedlungen. Dort leben Menschen, denen die Niederlassung in Amal bisher verweigert wurde, ebenso Händler, Fuhrleute und Vermittler, die von den strengen Zugangskontrollen profitieren.
Versorgung und Infrastruktur
Wasser
Amal bezieht sein Wasser aus Quellen in den Kalksteinbergen. Die Zuflüsse werden in hoch gelegenen Becken gesammelt und durch ein Netz aus offenen Kanälen, Leitungen und Zisternen über die Hangterrassen und Stadtviertel verteilt. Schleusen regeln die Abgabe an Felder, öffentliche Brunnen, Badehäuser und Werkstätten. Mechanische Pumpwerke heben Wasser dort an, wo natürliches Gefälle nicht ausreicht.
Die Wasseranlagen werden von Priestern, Enginologen und eigens ausgebildeten Arbeitern überwacht. Verunreinigungen oder Beschädigungen gelten als schwere Vergehen, da die dicht bevölkerte Stadt vollständig von dem System abhängt.
Lebensmittel und Speicher
Die Felder im Tal reichen längst nicht mehr aus, um etwa 500.000 Einwohner zu ernähren. Reis, Mais, Früchte und andere Lebensmittel kommen größtenteils aus den Kolonien. Große Speicher am Hafen und in den Stadtzentren sollen schlechte Ernten, Stürme und vorübergehende Unterbrechungen des Seehandels ausgleichen. Die Blockade durch das Mittelreich zeigte jedoch, wie verwundbar Amal trotz dieser Vorräte bleibt.
Herrschaft und Verwaltung
Amal ist eine Theokratie. Oberstes Regierungsorgan ist der Rat der Gwygat-Priester. Seine Mitglieder werden auf Lebenszeit berufen, können zurücktreten oder durch einstimmigen Beschluss des übrigen Rates abgesetzt werden. Der Rat erlässt Gesetze, bestimmt die Außenpolitik und überwacht Stadtplanung, Forschung und Kolonialverwaltung.
Der Hohepriester führt den Vorsitz, vertritt Amal nach außen und vermittelt bei Streitigkeiten innerhalb des Rates. Der gegenwärtige Hohepriester Hamid Alzaid besitzt außergewöhnlichen persönlichen Einfluss, da er Amal aus der magischen Beherrschung der Dunklen Jahre befreite. Dennoch regiert er nicht allein.
Unterhalb des Rates besteht eine weit verzweigte Hierarchie aus Priestern, Templern und Verwaltern. Sie führen Gerichte, Archive, Schulen, Speicher, Hafenämter und Stadtwachen. Alle berufen sich auf den Kodex Gwygats und das Prinzip, Entscheidungen nach Logik, Vernunft und dem Nutzen für die Allgemeinheit zu treffen.
Diese Herrschaft verbindet große persönliche Freiheiten mit politischer Härte. Bürger dürfen ihre Lebensweise und Ansichten weitgehend frei wählen, solange sie die bestehende Ordnung nicht infrage stellen. Verbrecher werden streng bestraft; Zwangsarbeit in den Kolonien und die Todesstrafe sind üblich. Politische Gegner werden zunächst von besonders geschulten Priestern in sachlichen Gesprächen zur Umkehr aufgefordert. Wer sich nicht überzeugen lässt, wird verbannt.
Bevölkerung und Gesellschaft

Ursprünglich lebten die meisten Einwohner Amals von Fischfang und Landwirtschaft. Heute bilden Arbeiter, Handwerker, Seefahrer und Händler die größten Bevölkerungsgruppen. Soldaten und Angehörige der Flotte sind ebenfalls häufig vertreten.
Der alte Adel besitzt seit dem Sturz der Fürstendynastie keine unmittelbare Regierungsgewalt mehr. Viele Familien haben jedoch einflussreiche Positionen im Handel, in der Flotte oder im Heer übernommen und geben diese häufig innerhalb ihrer Häuser weiter. Die Priesterschaft ist zahlenmäßig klein, bildet durch ihre zahlreichen Ämter und Rangstufen aber eine breitere Führungsschicht als der Adel anderer Stadtstaaten.
Die Aufnahme neuer Einwohner wird streng geregelt. Seit 334 n. G. darf sich nur dauerhaft in Amal niederlassen, wer der Stadt nach Einschätzung der Priester-Verwalter auf nützliche Weise dienen kann. Ausbildung, besondere Fähigkeiten, Kapital oder militärische Erfahrung erhöhen die Chancen auf Aufnahme.
Lebensweise und Kultur
Das Leben in Amal ist von einer Ausgelassenheit geprägt, die Besuchern aus vielen anderen Ländern fremd erscheint. Private und öffentliche Feste spielen eine große Rolle; berauschende Kräuter und andere Substanzen werden dabei offen konsumiert und von der Obrigkeit geduldet.
Auch in Fragen von Liebe, Ehe und Kleidung gelten vergleichsweise liberale Sitten. Gleichgeschlechtliche Ehen und Prostitution sind erlaubt. Festgewänder sind häufig eng geschnitten, mit körperbetonenden Polstern versehen und mit Schmuck geschmückt, der andernorts als anstößig gilt. Alinata besitzt deshalb einen festen Platz im Alltagsleben, obwohl Gwygat die Politik der Stadt bestimmt.
Daneben gilt Vernunft als höchste Tugend. Theater, Konzerte und Bibliotheken stehen auch armen Bürgern offen. Dieses Angebot wird rege genutzt, sodass der durchschnittliche Bildungsstand Amals den der meisten anderen Reiche deutlich übertrifft. Einige Bürger, insbesondere Priester und Gelehrte, lehnen das verbreitete Lustprinzip ab und führen ein asketisches Leben im Dienst von Forschung und Gemeinwohl.
Religion, Wissenschaft und Magie
Amal gilt auf ganz Ganthor als Hauptstadt des Gwygat-Kults. Gelehrte, Philosophen und Handwerker pilgern aus weit entfernten Ländern in die Stadt. Wer die gefährliche Reise unternehmen kann, kommt meist nicht als einfacher Wallfahrer, sondern mit Dienern oder Leibwächtern.
Wissenschaft und Bildung genießen annähernd dasselbe Ansehen wie Magie. Anders als in den meisten menschlichen Reichen wird technische Forschung nicht als bloßes Handwerk betrachtet, sondern als religiös begründeter Weg zu Erkenntnis und Fortschritt.
Der Große Tempel
Der Große Tempel bildet das religiöse und politische Zentrum Amals. Seine fünf weithin sichtbaren Türme sind der Alchemie, der Mechanik, der Tierkunde, der Philosophie und der Geschichtsschreibung gewidmet. Der mittlere Turm überragt alle anderen Heiligtümer des Tempelbezirks. Im Tempel tagen der Priesterrat und zahlreiche wissenschaftliche Kollegien; zugleich beherbergt er Archive, Sammlungen und Räume für öffentliche Lehrgespräche.
Enginologische Universität
Die Enginologische Universität widmet sich Mechanik, Bauwesen, Werkstoffkunde sowie dem Schiffs- und Maschinenbau. Viele Wasseranlagen, Kräne, Lastenaufzüge und Hafenmaschinen Amals gehen auf ihre Arbeit zurück. Ausbildung und Forschung stehen unter der Aufsicht des Gwygat-Kults.
Schule der Erleuchtung
An der Schule der Erleuchtung werden Philosophie, Logik, Verwaltung und die Auslegung des Kodex Gwygats gelehrt. Viele höhere Priester und Beamte haben hier studiert. Öffentliche Streitgespräche gehören ebenso zur Ausbildung wie die Prüfung praktischer Entscheidungen auf ihren Nutzen für die Allgemeinheit.
Kolleg des Kampfes zur See
Das Kolleg bildet Offiziere, Navigatoren und Spezialisten der Amaler Flotte aus. Es lehrt Navigation, Flottenführung, Versorgung auf langen Reisen und den Kampf mit großen Schiffen. Auch der Einsatz von Magie und Alchemie auf See wird untersucht, bleibt aber der militärischen Führung vorbehalten.
Alchemistische Schule
Die Alchemistische Schule erforscht Arzneien, Konservierungsmittel, Werkstoffe und technisch nutzbare Substanzen. Ihre Verfahren sind für lange Seereisen und die Versorgung der Kolonien von großer Bedeutung. Viele ihrer Erkenntnisse werden als Staatsgeheimnisse behandelt.
Wirtschaft und Handel
Amals Wohlstand beruht auf seiner Flotte und den Kolonien. Den abhängigen Siedlungen ist der direkte Handel mit anderen Mächten untersagt. Lebensmittel, Rum, Tabak, tropische Früchte, Seide, Holz, Korallen, Stein und seltene Edelsteine werden zunächst nach Amal gebracht und von dort weiterverkauft.
Die wichtigsten Handelspartner sind die Zwerge, Borrograd und die Händler in Gilgardor. Von den Zwergen erhält Amal Metalle, Waffen und bearbeitete Metallwaren gegen Gold, Edelsteine, Holz, Seide und Alkohol. Nordländische Händler liefern Metalle, Gold und auch Gefangene, die als Sklaven verkauft werden. Der größte Teil der Waren für die übrigen Südlande wird in Gilgardor umgeschlagen.
Das Handelsmonopol wird regelmäßig durch Schmuggler gebrochen. Besonders Faruk ermöglicht mittelländischen und nordländischen Schiffen unter militärischem Schutz Zugang zu den südlichen Märkten. Daraus entstehen immer wieder kleinere Seegefechte.
Flotte und Kolonien
Die Kolonien bilden die größte Machtbasis Amals, sind aber zugleich seine größte Schwäche. Die Weißmondriffe umfassen mehrere Hundert Inseln, von denen ungefähr 30 dauerhaft besiedelt sind. Sie sind zu den Kolonien Avali, Nord-Vanua, Süd-Vanua, Marao und dem abtrünnigen Faruk zusammengefasst.
Die größeren Inseln liefern Reis, Mais, Zuckerrohr, Tabak und tropische Früchte. Ihr dichter Urwald birgt zugleich große Gefahren. Drachenechsen, Traxyre und magische Wesen machen die Holzgewinnung zu einer tödlichen Arbeit. Sträflinge, Sklaven und versklavte Waldmenschen werden unter Zwang in Landwirtschaft, Bergbau und Holzeinschlag eingesetzt.
Seit etwa 500 n. G. gründet Amal zusätzlich Siedlungen entlang der Südküste. Bis zum Dschungel entstand eine Kette kleiner Hafenorte. Weiter westlich verschwanden bereits mehrere Kolonien spurlos im Urwald. Die größte dauerhafte Siedlung ist Weißwacht, eine befestigte Garnisonsstadt und Flottenbasis.
Amal betrachtet die Kolonien als Rohstoffquellen, militärische Stützpunkte und unverzichtbaren Teil seiner Nahrungsversorgung. Für viele Kolonisten stehen dagegen das Handelsmonopol, die harte Verwaltung und die Ausbeutung im Widerspruch zu Amals Lehren von Vernunft und Gemeinwohl. Dieser Gegensatz führte wiederholt zu Aufständen.
Geschichte
Von der Fürstenstadt zur Theokratie
Amal war ursprünglich eine kleine Stadt von Fischern und Bauern, die von einer Fürstendynastie beherrscht wurde. Holz war knapp, Ernten reichten häufig nicht aus, und die Herrscher lehnten viele Reformen der Gwygat-Priester aus Geiz ab. Nach einer verheerenden Hungersnot setzten Priester, Templer und angeworbene Söldner den Fürsten ab. Mit diesem Umsturz beginnt die Amaler Zeitrechnung: Das Jahr 1 „nach Gwygats Segen“ (n. G.) entspricht 599 v. Ill.
Neue Bewässerungsmethoden, Hafenausbau und planmäßige Stadtentwicklung ließen Amal rasch wachsen. Der Große Tempel wurde zwischen 20 und 60 n. G. errichtet. Nach zunehmenden Angriffen entstand ab 51 n. G. die Passfestung; im Jahr 91 n. G. war ihr Rundtor vollständig einsatzbereit. Im Jahr 79 n. G. gründete Amal seine erste dauerhafte Siedlung auf den Weißmondinseln.
Aufstieg zur Seemacht
Ab 100 n. G. nahm Amal Handelsbeziehungen mit Uria und Brandal auf. Nordländische Entdecker erreichten die Stadt erstmals 130 n. G. Piratenüberfälle veranlassten den Rat zum Aufbau einer starken Kriegsflotte. Da die Stadt an ihre räumlichen und landwirtschaftlichen Grenzen stieß, wurde die Kolonisierung der Weißmondinseln ausgeweitet.
Bis etwa 200 n. G. stritten Amal, Uria und Brandal um eine Oase am Rand der Wüste. Zwischen 251 und 270 n. G. eskalierte der Konflikt mit Uria erneut: Nach der Ermordung Hohepriester Thesars folgten wechselseitige Attentate, und drei Siedlungen Urias im Großen Rücken wurden unter ungeklärten Umständen ausgelöscht.
Ab 230 n. G. entstanden die neuen Stadtzentren. Um 300 n. G. fanden die Priester neue Wege, knappes Holz durch Korallen, Metall, Glas und später auch Seide zu ersetzen. Der Handel mit dem neu gegründeten Gilgardor brachte der Stadt großen Wohlstand.
Unabhängigkeit und Allianz
Im Jahr 308 n. G. entsandte Kaiser Samon VII. ein Expeditionsheer und ließ den Hafen Amals blockieren. Die Versorgungslage verschlechterte sich rasch. Amal verbündete sich daraufhin mit Uria und Brandal; gemeinsam und mit Hilfe zwergischer Söldner schlugen sie das Heer zurück.
Im Jahr 310 n. G. beziehungsweise 290 v. Ill. erklärten die Stadtstaaten ihre Unabhängigkeit vom Mittelreich. Kaiser Samon erkannte sie nicht an und hielt Grenze und Seewege gesperrt. Als das Mittelreich wenige Jahre später einen Streit zwischen Brandal und Uria für einen neuen Angriff nutzte, trat Amal den anderen Stadtstaaten bei. Seine Flotte besiegte die kaiserlichen Schiffe vor Radgar. Im Jahr 325 n. G. beziehungsweise 275 v. Ill. wurde die Allianz von Uria geschlossen.
Expansion und Dunkle Jahre
Nach dem Unabhängigkeitskrieg nahm Amal viele Flüchtlinge auf, beschränkte die Zuwanderung aber im Jahr 334 n. G. auf Menschen, die der Stadt einen nachweisbaren Nutzen bringen konnten. Im Jahr 361 n. G. zerstörte ein großer Brand weite Teile der Innenstadt; einzig der Tempel Gwygats blieb unversehrt.
Ab 500 n. G. begann Amal, die Südküste zu kolonisieren. Zwischen 531 und 545 n. G. geriet der Priesterrat während der „Dunklen Jahre“ unter die Kontrolle einer Gruppe von Magiern aus Gilgardor. Handel, Forschung und Verwaltung verfielen. Der junge Priester Hamid Alzaid befreite sich durch göttliches Wirken aus der Beherrschung und eroberte die Stadt mit Hilfe der Templer zurück.
Im Jahr 557 n. G. erhoben sich mehrere Kolonien. Der Krieg dauerte etwa fünf Jahre. Amal unterwarf die meisten Aufständischen, doch Faruk behauptete seine Unabhängigkeit. Seit 561 n. G. wird die Insel von der mittelländischen Flotte geschützt.
Gegenwart
Im Jahr 595 n. G. beschloss der Rat trotz der Affäre von Asim, sich aus einer direkten Auseinandersetzung mit dem Mittelreich herauszuhalten. Eine unbekannte Flotte bedroht seitdem die Kolonien und bindet fast die gesamte Seemacht Amals. Der Rat verschweigt diese Gefahr gegenüber der Allianz.
Die Gegenwart ist das Jahr 600 n. G. beziehungsweise 1 n. Ill. Amal bleibt ein mächtiger Handelspartner, hat aber auf dem Festland Einfluss an Brandal und Uria verloren. Zugleich bedrohen Unruhen im Inneren, Spannungen in den Kolonien und die unbekannten Schiffe seine Herrschaft.
Widerstand gegen den Rat
In jüngerer Zeit kam es zu Anschlägen auf Einrichtungen und Vertreter des Priesterrates. Zu den Tätern gehören verbliebene Anhänger der Magier aus den Dunklen Jahren und Bürger, die unter Umsiedlungen, Verbannungen oder anderen Maßnahmen „zum Wohle aller“ gelitten haben.
Die bekannteste Untergrundgruppe sind die Söhne Amals. Ihre Mitglieder betrachten sich als Nachkommen und Erben der Opfer früher Repressionen. Sie erhalten Unterstützung von Bürgern, die der Priesterrat enteignet, umgesiedelt oder aus politischen Gründen verfolgt hat. Im Gegenzug schützen sie diese Menschen vor den Behörden. Innerhalb der Bewegung stehen gemäßigte Gegner der Theokratie neben gewaltbereiten Verschwörern.
Bedeutende Orte und Organisationen
- Die Passfestung kontrolliert den einzigen Landweg nach Amal und beherbergt das berühmte Rundtor.
- Der Große Tempel ist religiöser Mittelpunkt, Regierungssitz und Zentrum der Wissenschaften.
- Die sechs Stadtzentren gliedern die Metropole in weitgehend selbstständige Versorgungs- und Verwaltungsräume.
- Der Hafen verbindet Amal mit seinen Kolonien und bildet die Grundlage seiner Seemacht.
- Der Rat Gwygats regiert Stadt und Kolonien.
- Die Templer Gwygats schützen den Rat und sichern wichtige staatliche Einrichtungen.
- Die Söhne Amals bilden die bekannteste Widerstandsbewegung gegen die Theokratie.
Gerüchte und Abenteuerideen
- In mehreren Zisternen sinkt der Wasserspiegel, obwohl die Quellzuflüsse unverändert sind. Enginologen vermuten einen unentdeckten Abfluss tief im Kalkstein.
- Ein Schiff der unbekannten Flotte wurde schwer beschädigt an die Küste getrieben. Der Rat will das Wrack bergen, ohne dass die übrigen Mitglieder der Allianz davon erfahren.
- Die Söhne Amals planen einen Anschlag auf eine öffentliche Feier. Innerhalb der Gruppe versucht eine gemäßigte Fraktion, das Blutvergießen zu verhindern.
- Ein Priester behauptet, Beweise dafür zu besitzen, dass die Magier der Dunklen Jahre noch immer ein Mitglied des Rates beeinflussen.
- Ein koloniales Transportschiff erreicht Amal ohne Besatzung. Seine Ladung ist unversehrt, doch im Inneren des Rumpfes finden sich Spuren eines unbekannten Wesens.
- Vor der Passfestung verschwinden Bewerber, die auf eine Aufnahme in die Stadt hoffen. Die Behörden erklären sie zu freiwillig Abgereisten, während ihre Angehörigen von Menschenhändlern sprechen.