Halblingreich: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte und | Das '''Halblingreich''' liegt im Nordosten der [[Mittellande]] und umfasst den gewaltigen Krater, den vor etwa 5.000 Jahren ein Meteorit westlich des [[Großer Rücken|Großen Rückens]] schlug. Es wird von fünf halblingischen Stämmen bewohnt, die sich als selbständig betrachten und nur für gemeinsame Angelegenheiten im [[Hoher Rat der Halblinge|Hohen Rat]] zusammenfinden. Gegenüber dem [[Mittelreich]] tritt der Rat als autonomer Vasall des Kaisers auf. | ||
Der Krater ist reich an Diamanten, Edelmetallen und [[magische Metalle|magischen Metallen]]. Bergbau, Feinmechanik, Schmuckherstellung und ein weit gespanntes Handels- und Bankwesen haben den Halblingen großen Wohlstand gebracht. Zugleich prägen Streuobstwiesen, Schafweiden, bewachsene Wohnhügel und zahlreiche unterirdische Anlagen das Land. | |||
== Landschaft und Entstehung == | |||
=== Der Einschlag === | |||
Zur Zeit des Zwergenkönigs Xarglosch entdeckten Gelehrte einen herannahenden Himmelskörper. Da man in ihm wertvolle Metalle vermutete, brach eine große Expedition aus dem Großen Rücken mit Handwerkern, Gelehrten, Kämpfern und ihren Familien zum berechneten Einschlagsort auf. | |||
Der Meteorit traf die Ebene von Osten her und hinterließ einen tiefen Krater. An seinen Rändern wurde ein von Schluchten durchzogenes Gebirge aufgeschoben, dessen westliche Kämme besonders hoch sind. Die gewaltige Verdichtung des Gesteins ließ Diamanten entstehen; eingeschlossene Gase schufen beim Erkalten weitläufige Höhlen. Magische Metalle lagerten sich vor allem im Zentrum sowie in geringerem Umfang nördlich und südlich davon ab. | |||
Als die zwergische Expedition den Krater erreichte, brannten noch weite Landstriche. Rauch, Staub und schädliche Gase machten das Gebiet zunächst nahezu unbewohnbar. Das erste Lager wuchs dennoch zur heutigen Hauptstadt [[Kraterkern]] heran. | |||
=== Kraterlandschaft und Gewässer === | |||
Das Gestein des Kraters ist vielerorts so hart, dass Bodenschätze überwiegend im Tagebau gewonnen werden. Aus natürlichen Hügeln und alten Abraumhalden entstanden mehrgeschossige Wohnbauten, deren Räume bis zu vier Ebenen in die Erde reichen. Viele dieser Hügel sind inzwischen vollständig bewachsen und nur an Türen, Fenstern oder Schornsteinen als Häuser zu erkennen. | |||
Im Zentrum liegt östlich von Kraterkern der Kratersee. Er wird vom Fluss Schweif gespeist, besitzt aber keinen sichtbaren Abfluss. Der See steht über natürliche Höhlen mit einem unterirdischen Strom in Verbindung, der das Reich von Süden nach Norden unterquert. Sein weiterer Verlauf führt bis in den [[Elfenwald]], ist jedoch nur wenigen bekannt. | |||
Nachdem sich Staub und Asche gesetzt hatten, bildeten sich fruchtbare Böden. Besonders im Zentrum und im Süden werden heute Äcker und Weiden bewirtschaftet. Weite Teile des Reiches sind von Streuobstwiesen, Schafherden und kleinen Waldflächen geprägt. | |||
== Geschichte der Halblinge == | |||
Die ersten Generationen der Kraterbewohner wurden als Kraterzwerge bezeichnet. Da Landwirtschaft lange unmöglich war, waren sie auf Karawanen in den Großen Rücken angewiesen. Rauch, Staub und Mangelernährung veränderten mit der Zeit ihren Körperbau. Ihre Nachkommen blieben klein, wurden jedoch leichter gebaut und entwickelten nur geringen Bartwuchs. | |||
Der dauerhafte Kontakt mit magischen Metallen hatte eine weitere Folge: Besonders im Zentrum werden außergewöhnlich viele magisch begabte Kinder geboren. Gleichzeitig übernahmen die Bewohner des westlichen Kraters zahlreiche Sitten der benachbarten Menschen. Zwerge und Menschen betrachteten die Kraterbewohner schließlich als eigenes Volk, und die meisten von ihnen übernahmen die Bezeichnung [[Halblinge]]. | |||
Vor allem in Olbar verstehen sich viele Bewohner weiterhin als Zwerge. Dieses unterschiedliche Selbstverständnis gehört bis heute zu den wichtigsten kulturellen Spannungen des Reiches. | |||
== Die fünf Länder == | |||
Die fünf Länder gehen auf die Siedlungsgebiete jener Stämme zurück, die den Krater erschlossen. Ihre Namen erinnern an die Ältesten der führenden Sippen. Andrasch liegt im Zentrum; Etosch, Linosch, Olbar und Tuwar umgeben es im Westen, Norden, Osten und Süden. | |||
[[Bild:Halblingreich.jpg|thumb|500px|Karte des Halblingreichs]] | [[Bild:Halblingreich.jpg|thumb|500px|Karte des Halblingreichs]] | ||
=== | === Andrasch === | ||
Andrasch bildet das Herz des Reiches. Bei [[Kraterkern]] liegen die ergiebigsten Vorkommen magischer Metalle, während Diamanten hier seltener sind. In der Umgebung von Dabrasch werden Ackerbau und Viehzucht betrieben; zugleich treffen dort wichtige Verkehrswege zusammen. | |||
Kraterkern ist Hauptstadt, Sitz des Hohen Rates und Zentrum der halblingischen Magie. Die [[Akademie der Macht zu Kraterkern]] gehört zu den angesehensten Ausbildungsstätten Ganthors. Der Kratersee und sein Zugang zum unterirdischen Strom machen Andrasch außerdem zu einem Mittelpunkt der kaum erforschten Höhlensysteme. | |||
=== Etosch === | |||
Etosch im Westen ist das reichste der fünf Länder. Entlang von Dunkelbach und Hellbach sowie bei Gandresch und Ibralosch werden Diamanten im Tagebau gewonnen. Die beiden Flüsse führen außerdem Gold von unterschiedlichem Farbton. | |||
Landwirtschaft spielt nur eine geringe Rolle; Nahrungsmittel werden überwiegend eingeführt. Dafür besitzt die Forstwirtschaft große Bedeutung, insbesondere für den Bau halblingischer Händlerwagen. Igrim ist der wichtigste Umschlagplatz für den Handel mit den Menschen. Die Bewohner Etoschs haben viele menschliche Lebensgewohnheiten übernommen und gelten in den übrigen Ländern als selbstbewusst bis überheblich. | |||
Der Obere See bei Gandresch ist wie der Kratersee mit dem unterirdischen Strom verbunden. | |||
=== Linosch === | |||
In der südlichen Hälfte Linoschs werden in kleineren Lagern magische Metalle und Diamanten abgebaut. Der Norden ist vor allem von Vieh- und Forstwirtschaft geprägt. Über Marnax wird der Handel des Reiches in Richtung Norden abgewickelt. | |||
=== Olbar === | |||
Olbar unterscheidet sich deutlich vom übrigen Halblingreich. Diamanten und magische Metalle sind selten, dafür gibt es hochwertige gewöhnliche Metalle und Kohle. Weil das Gestein weniger stark verdichtet ist, kann tiefer Bergbau betrieben werden. Fast alle Siedlungen liegen unter der Erde; nur der Hauptort Roglom ist über offene Straßen erreichbar. | |||
Der dichte Wald dient vor allem dem Holzeinschlag für den Tunnelbau und der Jagd. In großen unterirdischen Anlagen werden Pilze gezüchtet. Die Bewohner haben die traditionelle zwergische Lebensweise am stärksten bewahrt, und etwa ein Drittel aller Halblinge lebt in Olbar. | |||
Olbar verfügt über starke Streitkräfte. Ein geheimes Tunnelsystem verbindet seine Anlagen mit natürlichen Höhlen und soll schnelle Truppenbewegungen bis weit in den Westen ermöglichen. Olbarische Krieger haben auf diese Weise wiederholt zur Verteidigung des gesamten Reiches beigetragen. | |||
=== Tuwar === | |||
In der Nordhälfte Tuwars, vor allem bei Xasch und Xetolosch, werden magische Metalle und Diamanten gewonnen. Weiter südlich bestimmen Ackerbau und Grasland das Landschaftsbild. Die südlichen Wälder werden nur wenig genutzt. Borlox ist der wichtigste Handelsplatz auf den Wegen in den Süden. | |||
== Bevölkerung und Kultur == | |||
Die Halblinge verbinden zwergische Überlieferungen mit Einflüssen der benachbarten Menschen. Welche Seite stärker hervortritt, unterscheidet sich von Land zu Land. Während Olbar an unterirdischen Siedlungen und alten Sippenstrukturen festhält, ist besonders Etosch stark vom Austausch mit dem Mittelreich geprägt. | |||
Die fünf Stämme pflegen eine ausgeprägte Rivalität. Gleich klingende menschliche Übernamen bezeichnen keine gemeinsame Sippe; wer zwei Halblinge vorschnell für Verwandte hält, kann daher unbeabsichtigt eine lange Debatte über die Vorzüge ihrer Herkunftsländer auslösen. | |||
Die | |||
Die sprichwörtliche halblingische Gemütlichkeit ist eng mit Genügsamkeit und handwerklichem Stolz verbunden. Streuobstwiesen und Schafhaltung liefern Most, Brände, Trockenfrüchte, Brotaufstriche, Wurstwaren und Stoffe. Die Schreiner des Reiches sind für bequeme und haltbare Sitz- und Ruhemöbel bekannt. Feste, gutes Essen und gastliche Häuser besitzen einen hohen Stellenwert, ohne dass die meisten Halblinge großen Wert auf fremdländischen Luxus legen. | |||
== Herrschaft und Beziehungen == | |||
=== Stämme und Hoher Rat === | |||
Aus halblingischer Sicht existiert kein einheitlich beherrschtes „Halblingreich“. Andrasch, Etosch, Linosch, Olbar und Tuwar sind autonome Stammesgebiete. Der Hohe Rat wurde zunächst zur Schlichtung wichtiger Streitigkeiten geschaffen und übernimmt heute auch die gemeinsame Außenpolitik und Verteidigung. | |||
Der Rat besitzt keine feste Mitgliederzahl. Jeder Stamm ist gleichberechtigt vertreten, doch Zusammensetzung und Größe hängen von der jeweiligen Tagesordnung ab. Für den Kaiser des Mittelreichs ist der Hohe Rat dennoch die offizielle Vertretung des autonomen Vasallengebietes. | |||
Der Kaiser erkennt die innere Selbstverwaltung an und garantiert gegen eine geringe jährliche Tributzahlung den äußeren Schutz des Reiches. Im Alltag greift das Mittelreich kaum in halblingische Angelegenheiten ein. | |||
=== Zollbehörde === | |||
Die einzige dauerhafte zentrale Behörde ist die vor etwa 120 Jahren gegründete Zollbehörde. Sie entstand, weil fast alle Ausfuhren über Etosch liefen, während die Tribute von allen fünf Ländern getragen wurden. Heute erhebt sie Zölle an sämtlichen Außengrenzen und verrechnet die Einnahmen nach einem komplizierten Schlüssel mit den Tributanteilen der Länder. | |||
Seit ihrer Gründung decken die Zolleinnahmen die jährlichen Tribute vollständig. Unter ihrem Leiter Grumbold Goldbart entstand vor wenigen Jahren die „Abteilung Schätzwesen“, die Handel, Vermögen und langfristige wirtschaftliche Risiken untersucht. | |||
== | == Wirtschaft und Handel == | ||
Das Halblingreich gehört zu den wohlhabendsten Regionen Ganthors. Der Bergbau ist sichtbar, doch Edelsteinverarbeitung, Metallhandwerk, Feinmechanik, Schmuckherstellung, Wagenbau und Finanzgeschäfte sind mindestens ebenso wichtig. Halblingische Waren werden über ein weit gespanntes Handelsnetz auf dem gesamten Kontinent verkauft. | |||
Sieben der zehn größten Bank- und Handelshäuser Ganthors sollen unmittelbar oder mittelbar mehrheitlich Halblingen gehören. Das Bankhaus Silberberg in Kraterkern erzielt aus Krediten an mittelreichische Feudalherren höhere Zinseinkünfte als der Hohe Rat an Tribut entrichtet. Zugleich lagern im Reich gewaltige Bargeldreserven, deren plötzliches Freisetzen den Geldwert auf dem gesamten Kontinent erschüttern könnte. | |||
Seit etwa fünf Jahrzehnten gehen die offiziell erfassten Ausfuhren von Bergbauprodukten langsam zurück. Ob die Vorkommen erschöpfen oder ein wachsender Teil der Förderung über Schmuggel und private Wege gehandelt wird, ist ungeklärt. | |||
== | == Magie == | ||
[[Datei:Halblingreich_Artefakthandwerk.png|mini|links|400px|Halblingische Handwerker verbinden Edelsteine, Feinmechanik und Magie]] | |||
Das Zentrum des Kraters besitzt eine außergewöhnlich hohe magische Prägung. Der Staub und die Metalle des Meteoriten gelten als Ursache dafür, dass hier besonders viele magisch begabte Halblinge geboren werden. Die Akademie der Macht zu Kraterkern bildet vor allem Halblinge in Natur-, Chaos- und Hexermagie aus. | |||
Magische Metalle werden nicht nur ausgeführt. Viele ausgebildete Magier lassen sich im Reich nieder, um gemeinsam mit Juwelieren, Metallhandwerkern und Feinmechanikern magische Gegenstände und Artefakte herzustellen. Dadurch sind Magie und Handwerk enger miteinander verbunden als in vielen menschlichen Regionen. | |||
Die | Die unzähligen alten Stollen und natürlichen Höhlen besitzen eine schwer einzuschätzende magische Bedeutung. Besonders die Verbindung der Seen mit dem unterirdischen Strom ist nur teilweise erforscht. | ||
== Verteidigung und Grenzen == | |||
Nur drei ausgebaute Straßen führen in den Krater. Jede wird von einem gewaltigen Tor gesichert. Das nördliche „Blaue Tor“ besteht aus Roteichenholz und ist mit feuerfestem blauem Leim behandelt. Wegen seiner Größe kann es nur mithilfe einer ausgeklügelten Mechanik bewegt werden. | |||
Die beiden anderen Tore wurden teilweise unter Anleitung mittelländischer Baumeister errichtet. Ihre mächtigen Flügel sind mit Eisen verstärkt und werden von Ochsengespannen bewegt. Halblingische Schnitzereien schmücken die Anlagen, während die Wachmannschaften von den Stämmen gestellt werden. | |||
Neben den offenen Straßen verfügt besonders Olbar über unterirdische Verbindungen. Ihr genauer Verlauf wird geheim gehalten und bildet im Verteidigungsfall einen entscheidenden Vorteil. | |||
== Besondere Orte == | |||
* [[Kraterkern]] – Hauptstadt, Sitz des Hohen Rates und Standort der Akademie der Macht | |||
* | * '''Kratersee''' – abflusslos erscheinender See über dem unterirdischen Strom | ||
* | * '''Oberer See''' – See bei Gandresch mit Verbindung zum Höhlensystem | ||
* | * '''Dabrasch''' – landwirtschaftlich geprägter Verkehrsknoten in Andrasch | ||
* '''Igrim''' – wichtigster Umschlagplatz für den Handel mit den Menschen | |||
* '''Marnax''' – nördliches Handelszentrum | |||
* '''Roglom''' – oberirdisch erreichbarer Hauptort Olbars | |||
* '''Borlox''' – Handelszentrum an den südlichen Wegen | |||
* '''Blaues Tor''' – monumentales Nordtor des Kraters | |||
== Alte Stollen und unerforschte Höhlen == | |||
Im Krater wurden mehrere alte zwergische Stollen entdeckt, die nicht zu den bekannten Anlagen der ersten Siedler gehören. Die oft meilenlangen Gänge zeugen von einer weit älteren Erschließung des Gebietes. Viele Eingänge wurden versiegelt und ihre Umgebung gesperrt. | |||
Erzählungen über verborgene Schätze ziehen dennoch immer wieder Neugierige an. Hinzu kommen natürliche Höhlen, die beim Erkalten des Kratergesteins entstanden. Wo beide Systeme aufeinandertreffen und wer die ältesten Stollen anlegte, ist ungeklärt. | |||
== Gerüchte und Abenteuerideen == | |||
* Ein neuer Bericht der Abteilung Schätzwesen behauptet, die wichtigsten Vorkommen magischer Metalle würden innerhalb weniger Jahrzehnte versiegen. Noch vor seiner Vorlage beim Hohen Rat verschwindet der Entwurf. | |||
* Im Oberen See sinkt der Wasserspiegel, während in einem lange versiegelten Stollen klares Wasser aufsteigt. | |||
* Eine Karawane mit Tributgeldern erreicht die Grenze nicht. Etosch beschuldigt Olbar, Olbar vermutet einen inszenierten Schmuggelzug. | |||
* Unter einem bewohnten Abraumhügel öffnet sich eine ältere Kammer, deren Mechanismen keinem bekannten halblingischen oder zwergischen Baustil entsprechen. | |||
* Ein kunstvoll gefertigtes Artefakt trägt die Zeichen aller fünf Stämme, obwohl keiner von ihnen seine Herstellung veranlasst haben will. | |||
* Das Blaue Tor lässt sich nicht mehr schließen. Die Mechanik ist unbeschädigt, doch das Holz scheint sich gegen jede Bewegung zu sperren. | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Halblinge]] | |||
* [[Halbling Magier]] | |||
* [[Kraterkern]] | |||
* [[Magierakademie]] | |||
* [[magische Metalle]] | |||
* [[Leeres Land]] | |||
* [[Großer Rücken]] | |||
Aktuelle Version vom 29. Juli 2026, 07:06 Uhr

Das Halblingreich liegt im Nordosten der Mittellande und umfasst den gewaltigen Krater, den vor etwa 5.000 Jahren ein Meteorit westlich des Großen Rückens schlug. Es wird von fünf halblingischen Stämmen bewohnt, die sich als selbständig betrachten und nur für gemeinsame Angelegenheiten im Hohen Rat zusammenfinden. Gegenüber dem Mittelreich tritt der Rat als autonomer Vasall des Kaisers auf.
Der Krater ist reich an Diamanten, Edelmetallen und magischen Metallen. Bergbau, Feinmechanik, Schmuckherstellung und ein weit gespanntes Handels- und Bankwesen haben den Halblingen großen Wohlstand gebracht. Zugleich prägen Streuobstwiesen, Schafweiden, bewachsene Wohnhügel und zahlreiche unterirdische Anlagen das Land.
Landschaft und Entstehung
Der Einschlag
Zur Zeit des Zwergenkönigs Xarglosch entdeckten Gelehrte einen herannahenden Himmelskörper. Da man in ihm wertvolle Metalle vermutete, brach eine große Expedition aus dem Großen Rücken mit Handwerkern, Gelehrten, Kämpfern und ihren Familien zum berechneten Einschlagsort auf.
Der Meteorit traf die Ebene von Osten her und hinterließ einen tiefen Krater. An seinen Rändern wurde ein von Schluchten durchzogenes Gebirge aufgeschoben, dessen westliche Kämme besonders hoch sind. Die gewaltige Verdichtung des Gesteins ließ Diamanten entstehen; eingeschlossene Gase schufen beim Erkalten weitläufige Höhlen. Magische Metalle lagerten sich vor allem im Zentrum sowie in geringerem Umfang nördlich und südlich davon ab.
Als die zwergische Expedition den Krater erreichte, brannten noch weite Landstriche. Rauch, Staub und schädliche Gase machten das Gebiet zunächst nahezu unbewohnbar. Das erste Lager wuchs dennoch zur heutigen Hauptstadt Kraterkern heran.
Kraterlandschaft und Gewässer
Das Gestein des Kraters ist vielerorts so hart, dass Bodenschätze überwiegend im Tagebau gewonnen werden. Aus natürlichen Hügeln und alten Abraumhalden entstanden mehrgeschossige Wohnbauten, deren Räume bis zu vier Ebenen in die Erde reichen. Viele dieser Hügel sind inzwischen vollständig bewachsen und nur an Türen, Fenstern oder Schornsteinen als Häuser zu erkennen.
Im Zentrum liegt östlich von Kraterkern der Kratersee. Er wird vom Fluss Schweif gespeist, besitzt aber keinen sichtbaren Abfluss. Der See steht über natürliche Höhlen mit einem unterirdischen Strom in Verbindung, der das Reich von Süden nach Norden unterquert. Sein weiterer Verlauf führt bis in den Elfenwald, ist jedoch nur wenigen bekannt.
Nachdem sich Staub und Asche gesetzt hatten, bildeten sich fruchtbare Böden. Besonders im Zentrum und im Süden werden heute Äcker und Weiden bewirtschaftet. Weite Teile des Reiches sind von Streuobstwiesen, Schafherden und kleinen Waldflächen geprägt.
Geschichte der Halblinge
Die ersten Generationen der Kraterbewohner wurden als Kraterzwerge bezeichnet. Da Landwirtschaft lange unmöglich war, waren sie auf Karawanen in den Großen Rücken angewiesen. Rauch, Staub und Mangelernährung veränderten mit der Zeit ihren Körperbau. Ihre Nachkommen blieben klein, wurden jedoch leichter gebaut und entwickelten nur geringen Bartwuchs.
Der dauerhafte Kontakt mit magischen Metallen hatte eine weitere Folge: Besonders im Zentrum werden außergewöhnlich viele magisch begabte Kinder geboren. Gleichzeitig übernahmen die Bewohner des westlichen Kraters zahlreiche Sitten der benachbarten Menschen. Zwerge und Menschen betrachteten die Kraterbewohner schließlich als eigenes Volk, und die meisten von ihnen übernahmen die Bezeichnung Halblinge.
Vor allem in Olbar verstehen sich viele Bewohner weiterhin als Zwerge. Dieses unterschiedliche Selbstverständnis gehört bis heute zu den wichtigsten kulturellen Spannungen des Reiches.
Die fünf Länder
Die fünf Länder gehen auf die Siedlungsgebiete jener Stämme zurück, die den Krater erschlossen. Ihre Namen erinnern an die Ältesten der führenden Sippen. Andrasch liegt im Zentrum; Etosch, Linosch, Olbar und Tuwar umgeben es im Westen, Norden, Osten und Süden.

Andrasch
Andrasch bildet das Herz des Reiches. Bei Kraterkern liegen die ergiebigsten Vorkommen magischer Metalle, während Diamanten hier seltener sind. In der Umgebung von Dabrasch werden Ackerbau und Viehzucht betrieben; zugleich treffen dort wichtige Verkehrswege zusammen.
Kraterkern ist Hauptstadt, Sitz des Hohen Rates und Zentrum der halblingischen Magie. Die Akademie der Macht zu Kraterkern gehört zu den angesehensten Ausbildungsstätten Ganthors. Der Kratersee und sein Zugang zum unterirdischen Strom machen Andrasch außerdem zu einem Mittelpunkt der kaum erforschten Höhlensysteme.
Etosch
Etosch im Westen ist das reichste der fünf Länder. Entlang von Dunkelbach und Hellbach sowie bei Gandresch und Ibralosch werden Diamanten im Tagebau gewonnen. Die beiden Flüsse führen außerdem Gold von unterschiedlichem Farbton.
Landwirtschaft spielt nur eine geringe Rolle; Nahrungsmittel werden überwiegend eingeführt. Dafür besitzt die Forstwirtschaft große Bedeutung, insbesondere für den Bau halblingischer Händlerwagen. Igrim ist der wichtigste Umschlagplatz für den Handel mit den Menschen. Die Bewohner Etoschs haben viele menschliche Lebensgewohnheiten übernommen und gelten in den übrigen Ländern als selbstbewusst bis überheblich.
Der Obere See bei Gandresch ist wie der Kratersee mit dem unterirdischen Strom verbunden.
Linosch
In der südlichen Hälfte Linoschs werden in kleineren Lagern magische Metalle und Diamanten abgebaut. Der Norden ist vor allem von Vieh- und Forstwirtschaft geprägt. Über Marnax wird der Handel des Reiches in Richtung Norden abgewickelt.
Olbar
Olbar unterscheidet sich deutlich vom übrigen Halblingreich. Diamanten und magische Metalle sind selten, dafür gibt es hochwertige gewöhnliche Metalle und Kohle. Weil das Gestein weniger stark verdichtet ist, kann tiefer Bergbau betrieben werden. Fast alle Siedlungen liegen unter der Erde; nur der Hauptort Roglom ist über offene Straßen erreichbar.
Der dichte Wald dient vor allem dem Holzeinschlag für den Tunnelbau und der Jagd. In großen unterirdischen Anlagen werden Pilze gezüchtet. Die Bewohner haben die traditionelle zwergische Lebensweise am stärksten bewahrt, und etwa ein Drittel aller Halblinge lebt in Olbar.
Olbar verfügt über starke Streitkräfte. Ein geheimes Tunnelsystem verbindet seine Anlagen mit natürlichen Höhlen und soll schnelle Truppenbewegungen bis weit in den Westen ermöglichen. Olbarische Krieger haben auf diese Weise wiederholt zur Verteidigung des gesamten Reiches beigetragen.
Tuwar
In der Nordhälfte Tuwars, vor allem bei Xasch und Xetolosch, werden magische Metalle und Diamanten gewonnen. Weiter südlich bestimmen Ackerbau und Grasland das Landschaftsbild. Die südlichen Wälder werden nur wenig genutzt. Borlox ist der wichtigste Handelsplatz auf den Wegen in den Süden.
Bevölkerung und Kultur
Die Halblinge verbinden zwergische Überlieferungen mit Einflüssen der benachbarten Menschen. Welche Seite stärker hervortritt, unterscheidet sich von Land zu Land. Während Olbar an unterirdischen Siedlungen und alten Sippenstrukturen festhält, ist besonders Etosch stark vom Austausch mit dem Mittelreich geprägt.
Die fünf Stämme pflegen eine ausgeprägte Rivalität. Gleich klingende menschliche Übernamen bezeichnen keine gemeinsame Sippe; wer zwei Halblinge vorschnell für Verwandte hält, kann daher unbeabsichtigt eine lange Debatte über die Vorzüge ihrer Herkunftsländer auslösen.
Die sprichwörtliche halblingische Gemütlichkeit ist eng mit Genügsamkeit und handwerklichem Stolz verbunden. Streuobstwiesen und Schafhaltung liefern Most, Brände, Trockenfrüchte, Brotaufstriche, Wurstwaren und Stoffe. Die Schreiner des Reiches sind für bequeme und haltbare Sitz- und Ruhemöbel bekannt. Feste, gutes Essen und gastliche Häuser besitzen einen hohen Stellenwert, ohne dass die meisten Halblinge großen Wert auf fremdländischen Luxus legen.
Herrschaft und Beziehungen
Stämme und Hoher Rat
Aus halblingischer Sicht existiert kein einheitlich beherrschtes „Halblingreich“. Andrasch, Etosch, Linosch, Olbar und Tuwar sind autonome Stammesgebiete. Der Hohe Rat wurde zunächst zur Schlichtung wichtiger Streitigkeiten geschaffen und übernimmt heute auch die gemeinsame Außenpolitik und Verteidigung.
Der Rat besitzt keine feste Mitgliederzahl. Jeder Stamm ist gleichberechtigt vertreten, doch Zusammensetzung und Größe hängen von der jeweiligen Tagesordnung ab. Für den Kaiser des Mittelreichs ist der Hohe Rat dennoch die offizielle Vertretung des autonomen Vasallengebietes.
Der Kaiser erkennt die innere Selbstverwaltung an und garantiert gegen eine geringe jährliche Tributzahlung den äußeren Schutz des Reiches. Im Alltag greift das Mittelreich kaum in halblingische Angelegenheiten ein.
Zollbehörde
Die einzige dauerhafte zentrale Behörde ist die vor etwa 120 Jahren gegründete Zollbehörde. Sie entstand, weil fast alle Ausfuhren über Etosch liefen, während die Tribute von allen fünf Ländern getragen wurden. Heute erhebt sie Zölle an sämtlichen Außengrenzen und verrechnet die Einnahmen nach einem komplizierten Schlüssel mit den Tributanteilen der Länder.
Seit ihrer Gründung decken die Zolleinnahmen die jährlichen Tribute vollständig. Unter ihrem Leiter Grumbold Goldbart entstand vor wenigen Jahren die „Abteilung Schätzwesen“, die Handel, Vermögen und langfristige wirtschaftliche Risiken untersucht.
Wirtschaft und Handel
Das Halblingreich gehört zu den wohlhabendsten Regionen Ganthors. Der Bergbau ist sichtbar, doch Edelsteinverarbeitung, Metallhandwerk, Feinmechanik, Schmuckherstellung, Wagenbau und Finanzgeschäfte sind mindestens ebenso wichtig. Halblingische Waren werden über ein weit gespanntes Handelsnetz auf dem gesamten Kontinent verkauft.
Sieben der zehn größten Bank- und Handelshäuser Ganthors sollen unmittelbar oder mittelbar mehrheitlich Halblingen gehören. Das Bankhaus Silberberg in Kraterkern erzielt aus Krediten an mittelreichische Feudalherren höhere Zinseinkünfte als der Hohe Rat an Tribut entrichtet. Zugleich lagern im Reich gewaltige Bargeldreserven, deren plötzliches Freisetzen den Geldwert auf dem gesamten Kontinent erschüttern könnte.
Seit etwa fünf Jahrzehnten gehen die offiziell erfassten Ausfuhren von Bergbauprodukten langsam zurück. Ob die Vorkommen erschöpfen oder ein wachsender Teil der Förderung über Schmuggel und private Wege gehandelt wird, ist ungeklärt.
Magie

Das Zentrum des Kraters besitzt eine außergewöhnlich hohe magische Prägung. Der Staub und die Metalle des Meteoriten gelten als Ursache dafür, dass hier besonders viele magisch begabte Halblinge geboren werden. Die Akademie der Macht zu Kraterkern bildet vor allem Halblinge in Natur-, Chaos- und Hexermagie aus.
Magische Metalle werden nicht nur ausgeführt. Viele ausgebildete Magier lassen sich im Reich nieder, um gemeinsam mit Juwelieren, Metallhandwerkern und Feinmechanikern magische Gegenstände und Artefakte herzustellen. Dadurch sind Magie und Handwerk enger miteinander verbunden als in vielen menschlichen Regionen.
Die unzähligen alten Stollen und natürlichen Höhlen besitzen eine schwer einzuschätzende magische Bedeutung. Besonders die Verbindung der Seen mit dem unterirdischen Strom ist nur teilweise erforscht.
Verteidigung und Grenzen
Nur drei ausgebaute Straßen führen in den Krater. Jede wird von einem gewaltigen Tor gesichert. Das nördliche „Blaue Tor“ besteht aus Roteichenholz und ist mit feuerfestem blauem Leim behandelt. Wegen seiner Größe kann es nur mithilfe einer ausgeklügelten Mechanik bewegt werden.
Die beiden anderen Tore wurden teilweise unter Anleitung mittelländischer Baumeister errichtet. Ihre mächtigen Flügel sind mit Eisen verstärkt und werden von Ochsengespannen bewegt. Halblingische Schnitzereien schmücken die Anlagen, während die Wachmannschaften von den Stämmen gestellt werden.
Neben den offenen Straßen verfügt besonders Olbar über unterirdische Verbindungen. Ihr genauer Verlauf wird geheim gehalten und bildet im Verteidigungsfall einen entscheidenden Vorteil.
Besondere Orte
- Kraterkern – Hauptstadt, Sitz des Hohen Rates und Standort der Akademie der Macht
- Kratersee – abflusslos erscheinender See über dem unterirdischen Strom
- Oberer See – See bei Gandresch mit Verbindung zum Höhlensystem
- Dabrasch – landwirtschaftlich geprägter Verkehrsknoten in Andrasch
- Igrim – wichtigster Umschlagplatz für den Handel mit den Menschen
- Marnax – nördliches Handelszentrum
- Roglom – oberirdisch erreichbarer Hauptort Olbars
- Borlox – Handelszentrum an den südlichen Wegen
- Blaues Tor – monumentales Nordtor des Kraters
Alte Stollen und unerforschte Höhlen
Im Krater wurden mehrere alte zwergische Stollen entdeckt, die nicht zu den bekannten Anlagen der ersten Siedler gehören. Die oft meilenlangen Gänge zeugen von einer weit älteren Erschließung des Gebietes. Viele Eingänge wurden versiegelt und ihre Umgebung gesperrt.
Erzählungen über verborgene Schätze ziehen dennoch immer wieder Neugierige an. Hinzu kommen natürliche Höhlen, die beim Erkalten des Kratergesteins entstanden. Wo beide Systeme aufeinandertreffen und wer die ältesten Stollen anlegte, ist ungeklärt.
Gerüchte und Abenteuerideen
- Ein neuer Bericht der Abteilung Schätzwesen behauptet, die wichtigsten Vorkommen magischer Metalle würden innerhalb weniger Jahrzehnte versiegen. Noch vor seiner Vorlage beim Hohen Rat verschwindet der Entwurf.
- Im Oberen See sinkt der Wasserspiegel, während in einem lange versiegelten Stollen klares Wasser aufsteigt.
- Eine Karawane mit Tributgeldern erreicht die Grenze nicht. Etosch beschuldigt Olbar, Olbar vermutet einen inszenierten Schmuggelzug.
- Unter einem bewohnten Abraumhügel öffnet sich eine ältere Kammer, deren Mechanismen keinem bekannten halblingischen oder zwergischen Baustil entsprechen.
- Ein kunstvoll gefertigtes Artefakt trägt die Zeichen aller fünf Stämme, obwohl keiner von ihnen seine Herstellung veranlasst haben will.
- Das Blaue Tor lässt sich nicht mehr schließen. Die Mechanik ist unbeschädigt, doch das Holz scheint sich gegen jede Bewegung zu sperren.