Verein der arkanen Kunst

Der Verein der arkanen Kunst ist eine kleine Magierakademie in Stunhall und die einzige Einrichtung ihrer Art in den Nordlanden. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Erforschung und Bändigung der Chaosmagie, insbesondere ihrer Feuermagie. Die Vulkanfelder um Stunhall mit ihren zahlreichen Zauberknoten bieten dafür Bedingungen, die in Ganthor kaum ein zweites Mal zu finden sind.
Trotz ihres Ansehens ist die Akademie weder prächtig noch bequem. Viele der besten Fachleute kommen nur für einzelne Forschungsreisen oder wenige Lehrzeiten nach Stunhall. Wer länger bleibt, tut dies meist aus wissenschaftlicher Besessenheit, aus ungewöhnlicher Genügsamkeit oder weil er andernorts keinen Platz gefunden hat.
Geschichte
Der Verein wurde im Jahr 342 v. Illiasan, zum zwanzigsten Jahrestag der Gründung Stunhalls, von Sigrun Eiriksdotter gegründet. Die Fraja-Priesterin und Chaosmagierin war die frühere Lehrmeisterin des Stadtgründers Hrandor Jarviksson. Sie hatte Hrandor mit den Berichten über die Vulkane und magischen Knotenpunkte der Region vertraut gemacht und unterstützte sein Siedlungsvorhaben, nachdem es sich als dauerhaft erwiesen hatte.
Anfangs bestand der Verein nur aus Sigrun, wenigen Schülern und einem befestigten Forschungshaus. Expeditionen bestätigten bald, dass zahlreiche Knoten der Chaosmagie unter den Vulkanfeldern lagen oder durch diese miteinander verbunden waren. Zugleich begegneten die Forschenden immer wieder gefährlichen Kreaturen der Chaosmagie, die von der magischen Kraft angezogen wurden oder einzelne Knoten zu bewachen schienen. Diese Entdeckungen lockten weitere Magier und Gelehrte nach Stunhall.
Aus dem Forschungshaus entstand schrittweise eine Akademie. Der alte Name blieb erhalten, weil der Verein nicht nur aus Lehrkräften und Schülern besteht. Auch reisende Forschende, ehemalige Absolventen und kundige Unterstützer können ihm angehören. Innerhalb Stunhalls besitzt er wie jeder anerkannte Verein einen Sitz im Vereinsrat.
Anlage und Alltag
Die Akademie liegt auf einem festen Felssporn innerhalb der Stadtmauer und gleicht von außen einer kleinen Festung. Eine hohe Mauer umgibt das turmartige Hauptgebäude, einfache Unterkünfte, Vorratshäuser und mehrere abgeschirmte Übungsplätze. Über dem Tor befindet sich das Wappen des Vereins; Buntglasfenster, Fahnen und anderer Schmuck fehlen fast vollständig.
Die karge Ausstattung ist teilweise Absicht. Brennbare Wandbehänge, wertvolle Möbel und empfindliche Verzierungen haben in einer Akademie der Feuermagie eine geringe Lebenserwartung. Schlafkammern sind eng, Mahlzeiten einfach und viele Räume riechen nach Asche, heißem Stein oder den alchemistischen Mitteln, mit denen Brandspuren entfernt werden. Warmes Wasser ist reichlich vorhanden, doch luxuriöse Bäder sucht man innerhalb der Mauern vergeblich.
Der Alltag wirkt auf Außenstehende eigentümlich. Forschende unterbrechen Gespräche, um Veränderungen im Dampf über den Dächern zu beobachten, tragen angesengte Handschuhe als Erinnerungsstücke und streiten beim Essen über die Persönlichkeit einzelner Vulkane. Warnzeichen, hastig ergänzte Regeln und unerklärliche Markierungen bedecken viele Türen. Manche davon sind lebenswichtig, andere stammen von längst abgereisten Gästen und ergeben für niemanden mehr einen erkennbaren Sinn.
Diese Atmosphäre zieht exzentrische Magier an, schreckt aber selbst genügsame Gäste nach einiger Zeit ab. Viele Fachleute verbringen nur eine Saison in Stunhall, bevor sie mit neuen Erkenntnissen, beschädigter Ausrüstung und der festen Absicht abreisen, irgendwann unter besseren Bedingungen zurückzukehren.
Lehre und Forschung
Die Ausbildung konzentriert sich auf die kontrollierte Anwendung der Chaosmagie. Einen besonderen Stellenwert besitzen die Zauber des Feuers: das Erschaffen und Lenken von Hitze, der Schutz vor Flammen sowie die Beherrschung zerstörerischer Feuerzauber. Die Lehrkräfte betonen, dass Bändigung wichtiger ist als bloße Stärke. Wer einen mächtigen Zauber wirken kann, ohne seine Ausbreitung zu verstehen, gilt im Vulkanfeld als Gefahr für die gesamte Expedition.
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Erforschung von Zauberknoten. Die Mitglieder kartieren ihre Lage, beobachten Veränderungen ihrer Stärke und untersuchen Verbindungen zwischen verschiedenen Knoten. Manche können nur aus sicherer Entfernung betrachtet werden. Andere liegen in Höhlen, auf vulkanischen Inseln oder nahe aktiver Schlote und erfordern wochenlange Expeditionen.
Chaoskreaturen gehören zu den größten Gefahren dieser Arbeit. Höllenhunde, Feuerteufel, Feuerelementare und andere Wesen können von starken Knoten angezogen werden. Einige verhalten sich, als würden sie bestimmte Orte bewachen. Der Verein untersucht Möglichkeiten, solche Kreaturen frühzeitig zu erkennen, abzuwehren oder zu bannen. Beschwörungsexperimente unterliegen strengen Regeln, da Kreaturen der Chaosmagie selbst erfahrenen Magiern die Kontrolle entreißen können.
Die Akademie arbeitet gelegentlich mit dem Zirkel des Wissens und den Grauzwergen des Alten Glutlings zusammen. Geografen und Gesteinskundige helfen bei der Kartierung, während zwergische Mechaniker Messgeräte, Schutzbehälter und druckbetriebene Vorrichtungen anfertigen. Das Verhältnis bleibt pragmatisch: Beide Seiten schützen ihre Erkenntnisse und streiten häufig darüber, ob eine Erscheinung magisch, vulkanisch oder beides zugleich ist.
Organisation und Personen
Geleitet wird der Verein von der Ersten Lehrmeisterin. Dieses Amt bekleidet gegenwärtig Runa Kjeldsdotter, eine erfahrene Chaosmagierin und Zauberknotenforscherin. Runa spricht leise, führt selbst in beheizten Räumen mehrere Schichten versengter Kleidung mit sich und soll seit Jahren jede Nacht die Helligkeit des Earingussolal notieren. Ihre merkwürdigen Gewohnheiten ändern nichts an ihrem Ruf als vorsichtige Expeditionsleiterin und hervorragende Kennerin magischer Feuer.
Runa wird von einem kleinen Kreis dauerhaft Lehrender unterstützt. Daneben beschäftigt der Verein Verwalter, Heilerinnen, Köche, Handwerker und ortskundige Führer. Ein großer Teil des Lehrbetriebs wird von vorübergehend anwesenden Fachleuten getragen. Diese halten Vorträge, begleiten Expeditionen oder unterrichten einzelne Zauber, ohne dem Verein dauerhaft beizutreten.
Schüler kommen aus ganz Ganthor. Der Verein nimmt grundsätzlich alle ausgebildeten oder ausreichend begabten Magier auf, die seine Regeln anerkennen und für Unterkunft und Versorgung aufkommen können. Wohlstand verschafft jedoch keinen Schutz vor dem entbehrungsreichen Alltag. Wer sich an Arbeit, Kälte, Asche und gemeinschaftliche Pflichten nicht gewöhnen kann, verlässt die Akademie meist bald wieder.
Der Earingussolal
Der Earingussolal liegt auf einer unbewohnten Vulkaninsel vor Stunhall und bricht ungewöhnlich häufig aus. Seit Langem ist bekannt, dass sich in seinem Bereich mehrere mächtige Knoten der Chaosmagie verbinden. Der Verein konnte das Innere des Vulkans bislang nicht zuverlässig erforschen. Ausbrüche, giftige Gase, instabile Höhlen und magische Erscheinungen zwangen mehrere Expeditionen zur Umkehr.
Die jüngste Ansiedlung von Rotbärten in einem Höhlensystem nahe dem Vulkan beunruhigt die Akademie. Grauzwerge vermuten, die Neuankömmlinge wollten die Macht der verbundenen Knoten an sich binden. Die Magier teilen nicht jede Anschuldigung des Clans Eisengießer, halten einen solchen Versuch aber für äußerst gefährlich. Eine gewaltsame Veränderung der Knoten könnte Chaoskreaturen erwecken, die seit langer Zeit in den Vulkanfeldern ruhen.
Die Rotbärte bestreiten entsprechende Absichten und erklären, vulkanische Gebiete seien der natürliche Lebensraum ihres Volkes. Da der Verein den Earingussolal selbst kaum erforscht hat, kann er weder ihre Behauptung bestätigen noch einen Gegenbeweis erbringen. Runa Kjeldsdotter drängt den Vereinsrat deshalb auf eine gemeinsame Expedition, doch bislang konnte keine Einigung über Teilnehmer und Zugangsrechte erzielt werden.
Gerüchte und Abenteuerideen
- Messungen deuten darauf hin, dass mehrere bisher getrennte Zauberknoten im Rhythmus der Ausbrüche des Earingussolal gleichzeitig pulsieren. Eine Expedition soll Instrumente auf drei Vulkaninseln anbringen, von denen eine als Brutplatz einer Chaoskreatur gilt.
- In einem verschlossenen Übungsraum brennt seit Tagen eine Flamme, die weder Brennstoff verbraucht noch Wärme erzeugt. Zwei Lehrkräfte streiten darüber, ob sie ein misslungener Zauber, ein neuer Knoten oder das Auge einer körperlosen Kreatur ist.
- Eine Gastmagierin ist mit Karten aus dem Archiv verschwunden. Die fehlenden Blätter zeigen alte Zugänge zum Earingussolal, die bereits Sigrun Eiriksdotter verzeichnet haben soll.